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Viel Lob, wenig Tadel für Konzept

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Hochwassersituationen wie hier im Januar 2021 in Niederkleen sollen durch das Konzept zum Starkregenrisikomanagement entschärft werden. © Rieger

Dem Langgönser Umwelt- und Verkehrsausschuss wurde ein Konzept zum Starkregenrisikomanagement in der Gemeinde vorgestellt.

Langgöns (imr). Seit vielen Jahren wird das Kleebachtal, mit großen Schäden insbesondere in Niederkleen und Dornholzhausen, immer wieder von Starkregen und Hochwasser heimgesucht, die Tendenz ist steigend. Seit den heftigen Flut- und Schlammlawinenereignissen von 2020 beschäftigen sich die Gemeindegremien recht intensiv mit diesem Thema.

In der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses, der unter Vorsitz von Eva Oberschelp (Grüne) tagte, wurde nun ein Konzept zum Starkregenrisikomanagement in der Gemeinde vorgestellt. »Aus diesem Konzept sollen Handlungsempfehlungen folgen, eine Bürgerversammlung soll die Bevölkerung informieren und sensibilisieren«, führte Bürgermeister Marius Reusch (CDU) ins Thema ein. Ziel ist die Vermeidung und Minderung von Schäden infolge von Überschwemmungsereignissen.

Kerstin Büche von der Firma Geomer aus Heidelberg präsentierte die Untersuchung, bei der alle in den Kleebach entwässernden Flächen einberechnet wurden. Das sind insgesamt 75 Quadratkilometer, 50 davon liegen auf Langgönser Gebiet.

Drei Phasen

Das Konzept besteht aus drei Phasen. Zu Beginn steht die Gefährdungsanalyse, bei der die Daten aufbereitet, kartiert, Simulationsrechnungen erstellt, die Ergebnisse validiert und Starkregengefahrenkarten erstellt werden. Diese Phase ist jetzt abgeschlossen. Nun beginnt Phase zwei mit der Risikoanalyse. In einem Workshop vor der Sitzung wurden gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde, der Feuerwehren und Hessen Forst Risikoschwerpunkte analysiert. Steckbriefe für Risikoobjekte und ein Bericht zur Risikoanalyse sollen erarbeitet werden.

In Phase drei wird das Handlungskonzept entworfen und eine Maßnahmenplanung erstellt. Hierzu werden zwei weitere Workshops im Sommer stattfinden. Das fertige Handlungskonzept soll von der Gemeindevertretung beschlossen werden. Für September ist dann die Bürgerversammlung mit der Präsentation des Handlungskonzepts vorgesehen.

Büche informierte über die Vorgehensweise bei der Starkregenmodellierung. Angenommen wurden zwei Szenarien: Einmal ein Niederschlagsereignis mit 60 mm/h über einen Zeitraum von einer Stunde (das ist eine von vielen möglichen Definitionen für einen Starkregen) und eines mit 120 mm/h über denselben Zeitraum. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem die Versiegelung, der Bodentyp, die Landnutzung und die Topografie. Die Hydrologin weiß aus Erfahrung, dass eine Lenkung des Wassers durch geschickt platzierten Mauerbau beispielsweise gute Wirkung erzielen kann. Als ein konkretes Beispiel beschrieb sie die Fließwegplanung durch das geplante Neubaugebiet am Blankweg in Dornholzhausen. Dort sollen durch eine »abflusssensible Geländegestaltung« Schäden durch Hochwasser vermieden werden. Im oberhalb des Baugebiets gelegenen Bereich soll ein Grünstreifen als Riegel dienen. Eine der Stichstraßen soll ganz bewusst als Notabflussweg dienen, ein entsprechender Überlauf wird oberhalb angelegt, das Wasser kann dann darüber und über die Straße in eine Mulde im Feld fließen. Für die Feuerwehren wird ein spezieller Alarm- und Einsatzplan erarbeitet, insbesondere vor dem Hintergrund der Erreichbarkeit kritischer Bereiche. Pegel und Niederschlagstationen zur Frühwarnung sollen eingerichtet werden.

Frühwarnung

In der anschließenden Beratung gab es sehr viel Lob und ein wenig Tadel zur Konzeptvorstellung. »Das Konzept ist absolut richtig«, brachte Eva Oberschelp die Meinung der großen Mehrheit auf den Punkt. Sie erinnerte auch daran, dass es noch nie eine Anliegerversammlung zu diesem Thema gegeben habe. Lediglich Jürgen Knorz (CDU), der in Niederkleen direkt am Kleebach wohnt und schon oft Hochwasser im Keller hatte, hätte sich schon jetzt weitreichendere Informationen für Niederkleen gewünscht.

Der Bürgermeister informierte, dass dieses Projekt, das ursprünglich von der Gemeinde Langgöns als interkommunale Maßnahme angedacht worden war, nun doch von der Gemeinde alleine beauftragt wurde. Er vermutete, dass die Nachbarkommunen die »Dringlichkeit nicht gesehen« haben. »Es hätte aber auch eine erhebliche zeitliche Verzögerung gegeben, wenn wir erst alles mit den anderen Kommunen hätten koordinieren müssen. Dann hätten wir heute noch keinen Förderantrag eingereicht«, sagte der Rathauschef. Auch gebe es mehr Fördergelder, wenn jede Kommune einzeln beantrage.

Die Langgönser Klimaschutzmanagerin Susanne Müller berichtete, dass das Konzept als Klimaanpassungsmaßnahme zu 100 Prozent vom Land gefördert wird. Würde man im Verbund mehrerer Kommunen einen Antrag stellen, wäre die Förderung auf 200 000 Euro begrenzt. Langgöns ist die erste Kommune der Kleebachanlieger, die den Antrag gestellt hat. Müller betonte, dass sie die Daten für den Förderantrag den Nachbarkommunen zur Verfügung gestellt hat, um ihnen damit die Antragstellung zu erleichtern.

»Es ist gut, dass wir das jetzt gemacht haben und nicht gewartet haben. Es gibt aus der Bürgerschaft starkes Interesse und Ungeduld«, sagte Dr. Michael Buss (Grüne). »Es ist ganz großartig, dass Sie den Antrag an die anderen Kommunen weitergegeben haben und toll, dass wir hier vorausgegangen sind«, lobte er.

Messstationen

Altbürgermeister Horst Röhrig (SPD) übte massive Kritik an den Vergabekriterien des Landes für die Fördergelder: »Da muss doch interkommunal etwas machbar sein, das ist es, was mich erschüttert. Das Thema muss von der Quelle zur Mündung betrachtet werden«, unterstrich er. Reusch stimmte ihm zu. Er hofft, »das Thema mittelfristig bei einer übergeordneten Institution aufzuhängen, die für das gesamte Kleebachgebiet zuständig ist«. Bezüglich des einzurichtenden Meßnetzes zeigten sich die Ausschussmitglieder zuversichtlich, mit den Nachbarkommunen Einvernehmen zu erzielen. Eine Messstation soll beispielsweise in Ebersgöns auf Butzbacher Gebiet eingerichtet werden. Einstimmig vereinbarte das Gremium, das Konzept in den Fraktionen zu beraten. Anschließend wird es wieder auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt.

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