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Vier Startprojekte für Dorfentwicklung

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Eines von vier Starter-Projekten ist der Bau eines Fußstegs über den Kleebach zum Bürgerhaus in Cleeberg. Foto: Rieger © Rieger

Langgöns (imr). »Jetzt geht IKEK, das ›Integrierte kommunale Entwicklungskonzept‹ im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms eigentlich erst richtig los«, sagte der Langgönser Bürgermeister Marius Reusch bei der Abschlussveranstaltung. Nach dem etwa einjährigen Arbeitsprozess, der unter Beteiligung der Bürgerschaft erfolgte und zahlreiche Projektideen hervorbrachte, liege nun das »Gesamtergebnis unseres gemeinsamen Tuns« vor, freute sich der Rathauschef.

379 Seiten inklusive Anhang umfasst das Konzept. »Es kann sich sehen lassen und ist hoffentlich die Leitlinie für die nächsten Jahre und das Konzept für unser gesamtes Handeln«, bilanzierte er.

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung wurden die vier öffentlichen Starter-Projekte für 2022 vorgestellt, besonders im Fokus standen aber Informationen über die Rahmenbedingungen für die Förderung privater Projekte in den nächsten sechs Jahren. Hierzu referierte Susanne Kozian vom Amt für ländlichen Raum im Lahn-Dill-Kreis. Sie wird zukünftig den Großteil der privaten Anträge aus Langgöns bearbeiten. Gefördert werden können private Maßnahmen, die innerhalb der Fördergebietsgrenzen in den einzelnen Ortsteilen liegen. Auch einzelne Kulturdenkmäler, die außerhalb der Fördergebiete liegen, sind förderfähig.

Zahlreiche private Fördermöglichkeiten

Was genau kann gefördert werden? Investitionen zur Umnutzung, Sanierung und Erweiterung von Gebäuden auf der Grundlage ortstypischer Bauweise wie die Erneuerung von Dachstühlen und Dacheindeckung, Fassadensanierung an Fachwerk- und Massivbauten, Erneuerung/Aufarbeitung von Fenstern und Haustüren und umfassende energetische Sanierungsarbeiten. Auch Um- und Anbauten zur Wohnraumerweiterung, Maßnahmen zur barrierefreien Gestaltung von Wohnräumen, die Umnutzung leerstehender Scheunen oder Nebengebäuden sowie Hof-, Garten- und Grünflächen gehören ebenso dazu wie ein städtebaulich verträglicher Rückbau oder Abriss. Die Förderquote liegt bei 35 Prozent der zuwendungsfähigen Nettokosten pro Objekt. Die maximale Zuschusshöhe beträgt 45 000 Euro pro Objekt, 60 000 Euro bei Einzelkulturdenkmälern und 200 000 Euro bei der Umnutzung von Scheunen und ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäuden mit bis zu drei Wohneinheiten. Mehrere Anträge pro Objekt sind möglich. Die Voraussetzung ist eine Mindestinvestition von 10 000 Euro netto pro Objekt. Kostet beispielsweise eine Dacheindeckung inklusive Gerüst 25 000 Euro netto, beträgt die Förderquote 8750 Euro aus dem Dorferneuerungsprogramm.

»Dieses Geld ist geschenkt, Sie brauchen es lediglich vorzufinanzieren«, erläuterte Susanne Kozian. Um Fördergelder zu erhalten, gilt folgender Verfahrensweg: Hausbesitzer sollten mit Michael Gath von der Gemeinde Langgöns oder mit der Abteilung für den ländlichen Raum der Kreise Gießen und Lahn-Dill Kontakt aufnehmen und einen kostenlosen Beratungstermin vereinbaren. Dieser findet vor Ort am betreffenden Objekt statt. Danach wird ein Beratungsprotokoll durch das Beratungsbüro mit baufachlichen Empfehlungen zur Ausführung der geplanten Maßnahmen, Gestaltungsskizzen und Informationen zur weiteren Vorgehensweise erstellt. Die weitere Beratung und die Förderantragstellung müssen dann bei der Abteilung für den ländlichen Raum in Wetzlar erfolgen. Sie stellt auch den Zuwendungsbescheid aus.

Erst abwarten

Wichtig: Bis zum Erhalt des Bewilligungsbescheides dürfen die Arbeiten nicht begonnen werden, kein Material eingekauft und keine Auftragsvergabe an Firmen erfolgen. Nach Erhalt des Zuwendungsbescheides kann die Baumaßnahme durchgeführt werden. Der Auszahlungsantrag wird wieder bei der Abteilung für den ländlichen Raum eingereicht, dort geprüft und ausgezahlt. Private Förderanträge können bis zum 31. Dezember 2027 gestellt werden. Nach den Sommerferien soll es den Ansprechpartner bei der Gemeinde geben. »Ich wünsche mir, dass dieses Angebot vielfach angenommen wird«, sagte der Bürgermeister. Eva Susanne Götz, Leiterin der Abteilung für den ländlichen Raum beim Lahn-Dill-Kreis, hielt einen Wermutstropfen bereit: »Die Fördermittel für private Maßnahmen für 2022 sind bereits erschöpft und erst wieder für 2023 möglich.« Sie empfahl dem Publikum deshalb »eine Vorbereitung in aller Ruhe, um nächstes Jahr den Förderantrag zu stellen«.

Zuvor hatte Götz die »gute Beteiligung am IKEK Langgöns, die konstruktiv und ergebnisorientiert« gewesen sei, gelobt. Marius Reusch erinnerte daran, dass etwa 500 Bürger bei einem Ranking zur Wichtigkeit der geplanten Projekte abgestimmt hatten. Im Gesamtbeschluss der Gemeindevertretung, der Anfang Juni einstimmig entschieden wurde, seien »alle hochgerankten Projekte enthalten«. Dabei sollten alle Ortsteile möglichst gleichberechtigt berücksichtigt werden, dies sei auch Thema in der abschließenden Steuerungsgruppensitzung gewesen. »Es ist ein sehr rundes Bild von Sanierungsprojekten entstanden und ein ambitioniertes Programm, auch vom Volumen her, was die Gemeinde in die Hand nehmen will«, unterstrich Reusch. Sechs Jahre hat sie dafür nun Zeit.

Programm für ein Jahrzehnt

Dr. Andrea Soboth vom projektbegleitenden Fachbüro »Team 360°« und Diplom-Ingenieur Rainer Tropp stellten mit Heidi Tonhäuser, Doris Müller-Heinz und Hans Noormann die ersten vier öffentlichen Projekte vor, für die zeitnah Förderanträge gestellt werden. Es handelt sich um die sichere Zuwegung über einen Fußsteg am Kleebach zum Bürgerhaus Cleeberg, die Einrichtung eines Jugendfreizeitgeländes mit Pump Track, Soccerfeld, Stangenpark (Calisthenics) für akrobatische Übungen und Grillplatz am Lochermühlsweg in Lang-Göns, die Aufwertung der Kirchstraße in Niederkleen zu einem zentralen, generationsübergreifenden Platz der Dorfgeschichte inklusive der Sanierung und zeitgemäßen Umgestaltung des Heimatmuseums sowie der Umbau des Paul-Schneider-Heims zu einer zweigruppigen Naturkita. »Es ist ein Programm, das uns ein Jahrzehnt begleiten wird. Wir wollen unsere Ortsteile weiterentwickeln. Es sind kleine Bausteine, sie können aber im Gesamten ein sehr gutes Bild ergeben, jetzt geht’s erst richtig los«, resümierte Reusch.

Das IKEK-Konzept kann in Kürze von der Homepage der Gemeinde Langgöns heruntergeladen werden.

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Susanne Kozian Foto: Rieger © Rieger

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