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Wenn mal Not am Mann ist

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Im Rathaus Langgöns wird das Helferkataster geführt - digital und als Aktenordner -, für den Fall, dass der Strom ausfällt. Foto: Rieger © Rieger

Innovativ: Die Gemeinde Langgöns hat ein Helferkataster für Freiwillige eingerichtet. 65 Personen haben sich bereits registriert.

Langgöns (imr). »Es funktioniert wirklich wunderbar«, bilanziert Peter Müller, Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Langgöns, das »Kataster über freiwillige Helfer für besondere Ereignisse«. Die Gemeinde führt es unter seiner Regie seit ein paar Wochen. Aktuell sind dort bereits 65 Personen registriert. Der seit vielen Jahren auch bei der Freiwilligen Feuerwehr aktive Verwaltungsmitarbeiter hatte die Idee zu dieser besonderen Liste, die immer dann zum Tragen kommen soll, wenn Notlagen kurzfristig die Feuerwehren und Hilfsorganisationen vor besondere Herausforderungen stellen.

»Wir haben gerade bei den jüngsten Ereignissen, wie beispielsweise dem Hochwasser mit Schlammlawinen im Kleebachtal 2020, ganz aktuell aber auch beim Thema Ukraine-Flüchtlinge, gesehen, dass viele Menschen helfen wollen«, weiß Peter Müller.

Auch Bürgermeister Marius Reusch (CDU) sagt: »Der Wille zum Helfen in Notsituationen ist ungebrochen, egal in welcher Form. Das beschränkt sich nicht nur auf die Ehrenamtlichen bei der Feuerwehr oder beim Roten Kreuz. Jedoch müssen die Freiwilligen erst einmal erfahren, dass ihre Hilfe gebraucht wird.« Außerdem sollten die Hilfsangebote im Bedarfsfall gut koordiniert werden. Hier kommt das Helferkataster ins Spiel. »Unsere Feuerwehren und die Helfer in den anderen Hilfsorganisationen sind schon sehr schlagkräftig und können das Tagesgeschäft machen. In Notlagen von großem Ausmaß werden aber oftmals kurzfristig viele Helfer für die verschiedensten Aufgaben benötigt, die nicht mehr alleine von unseren Hilfsorganisationen gestellt werden können«, sagt er. In der Vergangenheit passierte es immer wieder, dass freiwillige Helfer bei den Einsätzen erst einmal herumsaßen, weil sie vermeintlich nicht gebraucht wurden oder in dem Moment einfach die Zeit fehlte, ihnen spezielle Aufgaben zu geben, weil alle Einsatzkräfte stark beschäftigt waren. »Das war dann für die Hilfswilligen enttäuschend«, erklärt Peter Müller. Er überlegte deshalb, wie hier Abhilfe zu schaffen sei. So wurde die Idee des Helferkatasters geboren.

»Hier kann sich jeder eintragen lassen, der, egal in welcher Form, Hilfe anbieten möchte. Von Klein bis Groß und Jung bis Alt verfügen alle unsere Einwohner über alltägliche und besondere Fähigkeiten, die unserer Gemeinschaft in einer Krise nützlich sein können«, betont Bürgermeister Reusch.

Die Aufgaben sind so vielfältig wie das Alltagsleben und reichen vom Betten beziehen oder dem Putzen von Unterkünften für Flüchtlinge bis zum Kochen für große Personenzahlen. Eine Frau habe sich beispielsweise gemeldet, die weiß, wie 500 Menschen bekocht werden. Auch Sandsäcke füllen und schleppen, Kindern vorlesen oder mit ihnen spielen, Radlader fahren: Alles das sind Fähigkeiten, die in bestimmten Situationen sehr wichtig werden können. Auch Schreiner oder Elektriker seien gefragt. »Es ist alles dabei, was das komplette Leben abbildet«, berichtet Müller. Es seien oft ganz alltägliche Sachen, die in bestimmten Situationen einfach komprimiert gebraucht würden, »wir wissen, dass das Potenzial in der Gemeinde vorhanden ist«, sagt der Rathauschef.

Idee genau richtig

Bei einem Großschadensereignis sind zuerst Feuerwehren und Rettungsorganisationen vor Ort. Werden weitere freiwillige Helfer gebraucht, sei es bei auf Räumungsarbeiten oder für die Kinderbetreuung, sollen diese vom Rathaus aus mit Hilfe des Helferkatasters informiert werden. Das Kataster ist dort digital hinterlegt, aber auch als Aktenordner, für den Fall, dass der Strom ausfällt.

Der Krieg in der Ukraine sei jetzt noch dazugekommen, die Idee des Helferregisters sei aber schon kurz davor angelaufen und könne jetzt bei der Organisation der Unterbringung der geflüchteten Menschen gute Dienste leisten. »Das läuft schon richtig super und zeigt, dass die Idee genau richtig ist«, freut sich Reusch. Ein besonderes Lob geht von ihm und Peter Müller an die freiwilligen Helfer einer extra gegründeten Arbeitsgruppe um Klaus Ulm, die sich speziell um die Ukraine-Flüchtlinge kümmert. »Sie organisieren fast vollkommen eigenständig die Beschaffung von privatem Wohnraum, machen Behördengänge und kümmern sich individuell um die Menschen. Dadurch entlasten sie die Verwaltung, das ist Gold wert«, sind sich Müller und Reusch einig.

Die Idee des Helferregisters ist bislang in der Region seines Wissens nach innovativ, »ich habe nichts abgekupfert«, sagt Initiator Peter Müller. Sein Chef steht voll hinter der Idee: »Mancher mag es vielleicht für übervorsichtig halten. Ereignisse wie die Pandemie oder das Hochwasser im Ahrtal haben jedoch gezeigt, welche niemals gedachten Herausforderungen plötzlich bewältigt werden müssen. Mit unserem Helferkataster brauchen wir in Langgöns in der Stunde Null nicht bei Null anfangen«, bilanziert der Bürgermeister.

Müller betont: »Die Teilnahme ist auch im Falle eines Ereignisses freiwillig. Es entstehen durch die Registrierung keine Pflichten.«

Steht das Thema Helferkataster vielleicht auch schon auf der Tagesordnung der Dienstversammlung der Bürgermeister? »Nein, bislang ist dies kein Thema in diesem Gremium. Wir stehen aber allen interessierten Kommunen offen für Fragen gegenüber«, sagt Marius Reusch.

Wer sich für eine freiwillige Registrierung interessiert, kann gerne nähere Informationen zu Art und Umfang, Versicherungsschutz, Datenschutz, Rechtsgrundlagen und einen persönlichen Registrierungsbogen bei der Gemeindeverwaltung anfordern, entweder per E-Mail an ordnung@langgoens.de, 06403/9020-0 oder persönlich zu den Öffnungszeiten im Rathaus, St.-Ulrich-Ring 13. Foto: Rieger

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Peter Müller © Imme Rieger

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