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Ziel: Attraktiver werden

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Von: Imme Rieger

Die Verwaltung hat ein »Kita-Aktionsprogramm« ausgearbeitet. Die Koalitionsfraktionen CDU und Grüne ergänzten dieses mit weiteren Vorschlägen. Dieses Gesamtpaket wurde einstimmig gebilligt.

Langgöns (imr). Der Fachkräftemangel insbesondere beim Personal in den Kindertagesstätten spitzt sich nicht nur in der Region immer mehr zu. »Das führt zu einem verschärften Wettbewerb der Kommunen um die Mitarbeiter«, erläuterte Bürgermeister Marius Reusch (CDU) in der Sitzung des Sozialausschusses.

In den vergangenen Wochen habe die Gemeinde bereits in verschiedenen Kitas die Öffnungszeiten reduzieren müssen, weil momentan eine »enorme Krankheitswelle« zu verzeichnen sei, berichtete der Rathauschef. Da finanzstarke Kommunen wie beispielsweise Bad Nauheim übertariflich zahlen lobte Reusch die Vereinbarung der Bürgermeister im Landkreis, untereinander bei der Bezahlung des Personals keinen Wettbewerb zu starten. Gleichwohl stelle sich auch für Langgöns die Frage: »Wie können wir als Kita-Träger attraktiver werden, um neues Personal zu gewinnen und das bestehende Personal zu halten?«

Hierzu hat die Verwaltung ein »Kita-Aktionsprogramm« ausgearbeitet. Die Koalitionsfraktionen CDU und Grüne ergänzten dieses in einem Antrag mit weiteren Vorschlägen. Dieses Gesamtpaket wurde nach ausgiebiger Beratung einstimmig gebilligt.

Wichtigste Maßnahme des Programms aus Sicht des Bürgermeisters ist die Einstellung von alltagsunterstützenden Kräften in allen Kitas. Vorgesehen sind 15 Wochenstunden pro Gruppe in den kleinen Einrichtungen und zehn Wochenstunden pro Gruppe in den großen Kitas mit vier oder mehr Gruppen. Dies soll ab Anfang 2023 gelten.

Supervisionen zur Teampflege und fachlichen Begleitung und als Qualitätsmerkmal sollen im zweimonatlichen Rhythmus ab Anfang 2023 durchgeführt werden. »Das wäre ein Signal der Wertschätzung, um die Teams, die unter hoher Belastung stehen, zu unterstützen«, betonte Reusch. Bisher wurden Supervisionen nur bei Bedarf eingesetzt, »wenn es schon gebrannt hat«.

Ein weiterer Punkt ist die Veranstaltung einer »Kita-Messe«. Ein Konzept hierfür soll in den Leitungsgremien erstellt werden. Flyer mit Informationen zum Arbeiten in den Kitas sollen beispielsweise an Schulen ausgelegt werden. Auch die Präsenz der Gemeinde auf Bildungsmessen sei denkbar, ebenso die Reservierung von zwei Wohnungen im ehemaligen Faselstall in Lang-Göns zur Vermietung an neu gewonnene Mitarbeiter. Die Leitungen sollen für Vorstellungsgespräche geschult werden, um ihre Kita besser zu repräsentieren.

Verschiedenste Fortbildungen sollen von der Gemeinde finanziert werden, in dem Zusammenhang sollen auch die Schließungstage von 25 auf 27 erhöht werden. Hierzu appellierte Bernadette Mattern, Kita-Chefin aus Niederkleen eindringlich: »Um am Puls der Zeit zu arbeiten, sind Fortbildungen wichtig. 25 Tage sind sehr knapp bemessen, 27 Tage sind überfällig und durchaus berechtigt.« Aktuell hat das Personal in den Kitas nur zehn Tage zur freien Urlaubsgestaltung zur Verfügung. Andererseits ist es den Kommunalpolitikern bewusst, dass es für berufstätige Eltern schwierig ist, zwei weitere Tage ohne Kinderbetreuung zu managen. Hans Dern (Grüne) sprach sich deshalb auch dagegen aus: »Wir sind Dienstleister, 25 Tage müssen reichen.«

Die Verwaltung rechnet mit knapp 200 000 Euro jährlich für die zusätzlichen Kräfte, die zur Unterstützung beim Essen, bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sowie zur zusätzlichen Aufsicht eingestellt werden sollen, um die pädagogischen Kräfte zu entlassen. »Auf das Thema Mehrbezahlung haben wir erst einmal verzichtet, das würde auch unsere finanzielle Leistungsfähigkeit sprengen«, sagte Reusch.

CDU und Grüne schlagen unter anderem noch vor, in den Sozialräumen der Kitas Getränke und Obst für alle Mitarbeiter kostenfrei bereitzustellen, zusätzliche Praktikumsstellen eingerichtet und die Praktikumsvergütung um 50 Prozent zu erhöhen. Die individuelle Fort- und Weiterbildung soll gefördert, die Flexibilität bei der Urlaubsplanung erhöht und dem Wunsch nach längeren Auszeiten in Form von »Sabbaticals« Rechnung getragen werden. Die finanziellen Auswirkungen dieser Vorschläge für den Haushaltsplan 2023 werden mit rund 50.000 Euro beziffert.

Anja Asmussen (SPD) schlug ebenso wie Hans Dern vor, nur noch unbefristete Stellen anzubieten und Teilzeit-Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben, ihre Stelle aufzustocken.

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