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Corona bringt mehr Unruhe in den Wald

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Die Laubacher Jagdgenossen wählen Bürgermeister Matthias Meyer in den Vorstand und ziehen Bilanz.

Laubach (red). Man kann es inzwischen schon als Tradition ansehen, dass der Bürgermeister der Stadt Laubach in den Jagdvorstand gewählt wird. So taten dies auch die Jagdgenossen bei ihrer Hauptversammlung: Matthias Meyer trat damit die Nachfolge von Peter Klug als stellvertretender Vorsitzender an.

Jagdvorsteher Reinhard Schmidt erstattete den Jahresbericht im »Hessenbrückenhammer«. Einige sonst feststehende Veranstaltungen, wie die Jahresversammlung der Hegegemeinschaft, fielen ebenfalls wieder aus. Auch die Vorstandsarbeit war eingeschränkt. Es gab nur eine reguläre Vorstandssitzung, dafür mehr Treffen im Freien in unterschiedlicher Zusammensetzung.

Erneut beteiligte sich die Jagdgenossenschaft an der Blühstreifenaktion des hessischen Landwirtschaftsministeriums. Wie im vorigen Jagdjahr beschlossen, trat sie der »Schutzgemeinschaft Vogelsberg« bei, um den sparsamen Umgang mit dem Grundwasser zu unterstützen und nahm im Juli an der Jahreshauptversammlung teil. Ergänzend soll nun ein Transparent aufgestellt werden.

Die Wildschäden auf den landwirtschaftlichen Flächen entstanden überwiegend auf den Maisäckern. Der Ernteausfall wurde von den Jagdpächtern ausgeglichen, außerdem sorgten sie durch intensive Bejagung dafür, dass die Schäden sich im Rahmen der vergangenen Jahre hielten.

Balance wichtig

Daneben nahm die Situation im Wald einen weiten Raum ein. Ausgangspunkt war die jährliche Revierbegehung mit Revierförster Imhof. Wie im Vorjahr sind die Schäden durch Dürre und Schädlinge sowie Pilzbefall weiter dramatisch. An drei Flächen wurden die Situation und die ergriffenen Maßnahmen erläutert. Neben den Fichten, Eschen und Ahorn sind verstärkt Buchen betroffen. Weiterhin ist nach seiner Auffassung eine intensive Bejagung von Reh- und Rotwild erforderlich. Wobei bei letzteren wegen der bestehenden Abschussregeln der Umfang eingeschränkt ist, weil Laubach kein Hochwildgebiet ist. Dies wurde aktuell in diesem Sommer deutlich, weil durch eingewandertes Rotwild massive Schälschäden an jungen Buchen auftraten. Hier soll als Gegenmaßnahme ein veränderter Abschussplan bei der Jagdbehörde beantragt werden.

Meyer betonte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Stadtwaldstiftung, dass zur Schonung des Waldes eine ausgewogene Balance des Wildbestandes wichtig sei. Ansonsten sei der Verbiss bei jungen Bäumen und Schälschäden gefährdend für die wichtige Verjüngung des Waldes. Er vertraut hierbei auf die Jagdpächter und Jäger und weist vorsorglich darauf hin, dass ein Füttern der Wildtiere ohne konkrete Jagdaktivität nicht toleriert wird.

Aus den Berichten waren die Jagdstrecken im Jagdjahr 2020/2021 für das ganze Revier zu entnehmen. Auf Drückjagden wurde Corona-bedingt verzichtet; Corona brachte auch mehr Unruhe in den Wald; es gab wenig Fallwild; Waschbären sind ein Problem, wobei auch aktuell eine starke Zunahme zu erkennen ist, für die Wohngebiete sind die Jäger allerdings nicht zuständig. Durch die Jagderfolge fällt mehr Wildfleisch an, deswegen der Tipp, dieses mal auf den Speiseplan zu setzen.

Im Einzelnen: Für den Jagdbogen Süd stellt Jagdpächter Albert Kraak ein erfolgreiches Jagdjahr fest. Laut Streckenliste lag das Rehwild mit wieder 56 Stück über dem Sollwert von 47. Beim Schwarzwild zählte man 64 Stück. Die Waschbären wiesen mit 19 Stück den höchsten Wert auf, gefolgt vom Fuchs mit 17 und neun Dachsen.

Speziell die Waschbären sollen nun stärker bejagt werden. Beim Rotwild wurden vier Stück erlegt.

Für die verhinderten Pächter van Dam und Mulder des Jagdbogens Nord berichtete Jagdaufseher Günter Hoffmann. Das vergangene Jahr war schwierig. Dies spiegelt sich in der Streckenliste wieder: Bei den Rehen wurde der Planwert von 40 mit 38 Stück knapp verfehlt, bei den Sauen mit 25 Stück sogar nur die Hälfte des Vorjahres erreicht. Beim übrigen Wild machten die Waschbären mit 27 Stück den größten Teil aus. Weiter waren 17 Füchse und vier Dachse zu vermerken. Diesmal war kein Rotwild dabei.

Ärgerlich sei im Bereich »Einfirste« die wiederholte Ablagerung von Müll. Das Ordnungsamt wurde informiert.

Hundefreilauffläche

Die Kassenführung der Rechnerin Uta Roth prüfte der Genossenschaftsausschuss. Es ergaben sich keine Beanstandungen. Der Vorstand wurde entlastet, die Nachwahl erfolgte mit einstimmigem Votum.

Einstimmig wurde auch nach Erörterung des Reinertrages ein Jagdnutzen von 7 Euro je Hektar beschlossen. Leider musste die geplante Auszahlung wegen der Corona-Problematik verschoben werden.

Als weitere Ausgabe stand wieder der Kauf von Hundekotbeuteln zur Entscheidung an.

Da die vom Ortsbauernverband aufgestellten Spenderboxen gut genutzt werden, wurde der Betrag sogar einstimmig erhöht.

Da nun bald mit einer Hundefreilauffläche gerechnet werden kann, für deren Einrichtung die Jagdgenossenschaft bereits Mittel reserviert hat, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, Fehlverhalten von Hundebesitzern stärker zu sanktionieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Tagesordnung war die vorgesehene Aufnahme eines weiteren Pächters in den Pachtvertrag für den Jagdbogen Süd. Erich Kemperman soll mit Beginn des Jagdjahres 2021/2022 für rund die Hälfte der Fläche zuständig sein. Nach einer kurzen persönlichen Vorstellung und einer Aussprache der Jagdgenossen über die Revieraufteilung wurde der Antrag des Jagdvorstandes bis auf eine Enthaltung einstimmig angenommen.

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