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»Die meisten sind vernünftig«

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Am Laubacher »Jägerhaus« kontrollierte die Polizei Motorräder und Pkw. © Wißner

Die Polizei kontrollierte am »Schottenring« auf der Bundesstraße 276 zwischen Laubach und Schotten 135 Motorräder und Pkw..35 waren zu schnell unterwegs.

Laubach (twi). 135 Fahrzeuge wurden während einer achtstündigen konzertierten Kontrollaktion der Polizei Mittelhessen mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei Lich, Regionalem Verkehrsdienst Gießen und Wetterau sowie der Wachpolizei am Freitagnachmittag am »Jägerhaus« zwischen Laubach und Schotten auf der Bundesstraße 276, dem beliebten »Schottenring« kontrolliert. 35 Geschwindigkeitsverstöße und ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz wurden geahndet, ein Fahrzeug stillgelegt und vier Mängelkarten ausgestellt, weil an den Fahrzeugen Schäden festgestellt oder die Fahrzeugführer ihren Führerschein nicht dabeihatten.

Beliebte Strecke

Ein Monat nach Einweihung des »Lärmdisplays« (wir berichteten) erfolgte nun eine groß angelegte Kontrollmaßnahme mit den Schwerpunkten Fahrzeugtechnik und Geschwindigkeit bei Motorrädern im Beisein von Polizeipräsident Bernd Paul. »Die meisten sind vernünftig«, bescheinigte Polizei-Pressesprecherin Sabine Richter im Nachgang der Aktion all jenen Verkehrsteilnehmern, die die Bundesstraße 276 von Laubach nach Schotten und umgekehrt befahren. Auf der 14 Kilometer langen und vor allem bei Motorradfahrern so beliebten kurvenreichen Strecke ereigneten sich in den Jahren 2017 bis 2019 insgesamt 51 Verkehrsunfälle mit Kradfahrern. Dabei kam es 2019 zu drei und 2020 zu zwei tödlichen Verkehrsunfällen. Im Juni 2020 hatte das Polizeipräsidium Mittelhessen an gleicher Stätte ein Präventivbanner aufgehängt um an die Eigenverantwortung der Motorradfahrer zu appellieren. Mit den Worten »Du hast es in der Hand! Überlasse nichts dem Unfall!« wurde auf dem Banner auf die schwierige Strecke aufmerksam gemacht. Zum Schottenring-Mythos muß jedoch gesagt werden, dass tatsächlich der Abschnitt der heutigen B 276 nicht Teil der Rennstrecke war. Insgesamt neun Kilometer der Gesamtstrecke befinden sich im Landkreis Gießen, wobei Fahrbahnführung und geografische Besonderheiten bei sportlich fahrenden Bikern als reizvoll gelten. Im Fokus der Motorradfahrer stehen insbesondere die sogenannte »Applauskurve«, die »Lemmerkurve« sowie die S-Kurve in Höhe der »Kaiserbrücke«. Als Treffpunkte haben sich bei den Motorradfahrern das »Jägerhaus« und das »Falltorhaus« etabliert. Und beim »Jägerhaus« wurde nun kontrolliert. Das im März vom Polizeipräsidium Mittelhessen installierte Lärmdisplay hinter dem Ortsausgang von Laubach, auf einer geraden Strecke in einer 80-Stundenkilometerzone, bietet der Polizei zahlreiche Möglichkeiten zu weiteren Auswertungen.

Wie Thomas Baumgart vom Regionalen Verkehrsdienst Gießen ausführte, wurden vom 22. bis 28. April insgesamt 4200 Fahrzeuge gezählt, von denen 189 schneller als 80 Stundenkilometer gefahren haben. Der negative Spitzenreiter war dabei ein Motorradfahrer, der am Mittwoch um 20.30 Uhr mit 124 Stundenkilometern registriert wurde. »Festzustellen ist dabei auch, dass die meisten Fahrzeuge weniger als die erlaubten 80 Stundenkilometer fahren.« Die ermittelte Durchschnittsgeschwindigkeit in dieser Woche lag bei 75 Stundenkilometern. Zudem verwies Baumgart darauf, dass bereits in der Vergangenheit vieles unternommen wurde, um einer Streckenstilllegung entgegenzuwirken, wurde etwa bereits 2015 die Strecke mit einem Rüttelstreifen ausgestattet, die Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche verbessert, Unterfahrschutz installiert, sogenannte »taktile Kurvensegmente« angebracht und in Teilen eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 60 vollzogen. All diese Maßnahmen fanden mit der Inbetriebnahme des Lärmdisplays ihren Abschluss. Wie der Leiter der Verkehrsinspektion des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Hauptkommissar Andreas Düding zu den Ergebnissen der mit der Geschwindigkeitserfassung einhergehenden Lärmmessung ausführte, bewege sich der überwiegende Teil zu 80 Prozent zwischen 80 und 90 Dezibel. Dies sei für Motorräder normal, obwohl es auch Maschinen gibt, die Kraft Zulassung über 100 Dezibel aufweisen.

Wenige Ausreißer

Ausreißer über 89 Dezibel gab es vereinzelt. Ergänzend zur Einordnung dieser Zahlen merkte Richter an, dass ein lautes Gespräch 60 bis 80 Dezibel erreicht. Bei der Kontrollmaßnahme wurden 85 Motorräder, 49 Pkw und ein Schlepper mit Anhänger kontrolliert und dabei 35 Geschwindigkeitsüberschreitungen geahndet, wobei zwei Verkehrsteilnehmer die erlaubten 60 Stundenkilometer um mehr als 50 Prozent überschritten und mit über 90 »Sachen« unterwegs waren, was mit 200 Euro und einem Punkt geahndet wurde. Der Spitzenwert lag dabei bei 96 Stundenkilometern - und diesmal waren es die Autofahrer, denn lediglich drei Motorradtemposünder wurden geahndet. Bei den meisten Tempovergehen handelte es sich im geringfügige Geschwindigkeitsverstöße, die mit einem Verwarnungsgeld geahndet wurden. Ein Pkw war mit nicht zugelassenen Distanzscheiben ausgestattet und wurde noch am Kontrollort stillgelegt. Beim Schlepper mit Anhänger wurde ein Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz festgestellt und der fehlende 25-Stundenkiloometeraufkleber beanstandet.

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