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Ein Visionär wird 80

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Sozialpfarrer Ulf Häbel wird heute 80 Jahre alt. Foto: Schütt-Frank © Schütt-Frank

Sozialpfarrer Ulf Häbel, ein Visonär, feiert in Freienseen seinen 80. Geburtstag.

Laubach (ja). Ein Visionär wird heute 80. Geboren wurde Dr. Ulf Häbel, einst Pfarrer in Freienseen, am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, im Jahr 1942 in Posen. 1945 mussten seine Großeltern und seine Mutter samt Familien flüchten. Der Vater war bereits im Krieg gefallen. So kam die Familie nach Ebersbach, einem Dorf in dem Lahn-Dill-Kreis. Es ist der Ort, den Häbel als Heimatdorf bezeichnet. Noch heute pflegt seine damaligen »Jugendkontakte«.

Gemeinsam mit den beiden Kindern der Tante wuchsen die beiden Häbel-Kinder auf. Als Flüchtlingskind, so erinnert er sich, arbeitete er bei Bauern auf dem Feld, um die Mutter zu unterstützen. Dort lernte er die Bodenständigkeit, enge Nachbarschaftbande und die dörflich-bäuerliche Struktur zu schätzen. In Dillenburg am Wilhelm von Oranien-Gymnasium absolvierte er sein Abitur. Während seiner Jugendzeit organisierte er Kinderzeltlager, arbeitete in der Kinderkirche mit und war Jungscharleiter. Der ehemalige Kunstturner liebt die Bewegung.

Die Liebe zum Menschen und zu Gott führte ihn letztlich zur Theologie. Es zog ihn nach Mainz zum Theologiestudium, das in den sechziger Jahren gesellschaftspolitisch geprägt war. Mit der 68er Bewegung verschlug es ihn nach Berlin, bis er nach Marburg zurückkehrte, und als Stipendiat hier sein Theologie-Studium abschloss. Zeit seines Lebens zogen Häbel die Kirche und die Menschen in Bann. Sein Ziel: »Ein Pfarrer sein, der unter seiner Gemeinde lebt und deren Sorgen und Nöte kennt«. 1970 heiratete er seine Ehefrau Irmgard. In seiner ersten Pfarrstelle Schwalbach verstand er sich schon als Geistlicher und Sozialarbeiter. Zwei Kinder wurden geboren. In Büdingens Stadteilen Karlbach und Orleshausen baute der Seelsorger gemeinsam mit der Bevölkerung eine Kirche und gründete ein Damenfußballmannschaft. Mittlerweile war die Familie auf fünf Kinder angewachsen. Häbel entschied hier für sich, dass das dörfliche Gepräge ihn als Mensch besonders erfüllt.

Geistlicher und Selbstversorger

1990 wechselte er nach Laubach-Freienseen. Dort lebt er heute noch. Die halbe Pfarrstelle ermöglichte es ihm, sich einen Traum zu verwirklichen. Er kann hier heute Geistlicher und Selbstversorger sein.

Über Häbels beharrliches soziales Engagement konnten eine Dorfschule und ein Waldkindergartenetabliert werden. Sein Lebenswerk krönte er mit der Umsetzung der Dorfschmiede. Unter dem Motto »Leben und Sterben dort, wo ich geboren bin« wurden hier Kurzzeitpflegeplätze geschaffen, eine Arztsprechstunde etabliert, ein Dorfladen ins Leben gerufen, aber auch eine Betreuung für an Demez erkrankte Menschen geschaffen. Doch Häbel denkt bereits weiter, die Nahwärmeversorgung und eine Dorfwerkstatt sollen noch verwirklicht werden. Er selbsr sieht sich als Kämpfer und Pionier, aber »Trüffelschwein«. 2007 wurde er in den Ruhestand versetzt, war aber noch zweieinhalb Jahre ehrenamtlicher Pfarrer in Freienseen. Noch immer ist er in Gremien und Weiterbildungen tätig. Man hört ihn auch im Rundfunk. 2012 wurde er erstmals als Stadtverordneter der Freien Wähler gewählt, war hier längere Zeit auch Fraktionsvorsitzender.

Zum 80. Geburtstag gratulieren neben Freunden und Wegbegleitern sechs Kinder und sieben Enkelkinder.

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