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Fragen stellen, Antworten finden

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Julia Wadhawan in Laubach. Foto: Schütte © Schütte

Laubach (hgt). Julia Wadhawan ist nicht nur eine preisgekrönte Journalistin, sondern auch eine Autorin, die sich in ihren Büchern wichtigen Themen unserer Gesellschaft widmet.

Ihre Lesung anlässlich der Veranstaltungsreihe »Laubach lädt ein« im Rathaussaal hätte deshalb mehr Publikum verdient gehabt. Julia Wadhawan, 1987 geboren und aufgewachsen im hessischen Bad Camberg, stellte hier ihr Buch »Sag mir nicht, wer ich bin« vor.

Darin beschäftigt sich die in Hamburg lebende Journalistin mit der Sehnsucht nach Identität und Freiheit und dem Gefühl, nirgends hineinzupassen. Oft werde sie nach der Aussprache des Namens und ihrer Herkunft wegen der dunklen Hautfarbe gefragt.

Als Medienbotschafterin und Stipendiatin des European Journalism Centre war sie in Indien und Bangladesch. Egal ob Digitalisierung, Menschenrechte oder Lebensmodelle, überall dort, wo Neues entsteht oder Ungerechtigkeit besteht, will sie die richtigen Fragen stellen, um beim Finden von Antworten zu helfen.

Indischer Vater liebt Schnitzel

Julia Wadhawans Vater kommt aus Indien, nur Inder will er keiner sein, denn reine Inder gibt es gar nicht, sagt er. Zu Hause spricht er Deutsch, liebt Schnitzel und gibt seiner Tochter zu verstehen: Du bist nicht indisch.

Doch das sehen nicht alle so. Zwischen den Zuschreibungen der anderen entwickelt Julia eine Abneigung gegen jede Form von Gruppenzugehörigkeit, bis sie als Journalistin nach Indien reist und das Land sie zwingt, sich zu positionieren.

Entlang von Hautfarbe, Religion und Herkunft zeigt die Autorin globale Strukturen auf, die unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung mehr bestimmen als die Nationalität. Wadhawans Buch ist ihr Plädoyer für Gemeinsamkeit und gegen die drohende gesellschaftliche Spaltung. Oft wurde sie von ihrem Vater gefragt, warum sie so viel über Indien schreibt. Die Fragen in ihrem Buch richten sich an ihren Vater, der aus Delhi stammt. Ihre deutsche Mutter kam im Alter von zehn Jahren aus Oberschlesien nach Westdeutschland. Wadhawan las drei Abschnitte aus ihrem Buch vor, die beispielhaft für die von ihr angesprochenen Themen waren und einen aussagekräftigen Einblick in ihre Gedanken vermittelten. Im Anschluss an ihre Lesung traten zahlreiche Besucherinnen und Besucher in einen Dialog mit der sympathischen Autorin, die sich bereitwillig den Fragen stellte und dazu Stellung nahm.

Buchhändlerin Janina Gerschlauer war mit einem Stand vertreten, an dem man sich nach dem Erwerb des Buches von der Autorin das Buch signieren lassen konnte.

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