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Historie ist überall zu spüren

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Die Reisegruppe mit ihren Gastgebern vor dem Rathaus. Foto: Stadt Laubach © Stadt Laubach

Seit über 25 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Didim und Laubach. Eine 17-köpfige Delegation belebte diese jetzt mit ihrem Besuch.

Laubach (red). Seit 1995 besteht zwischen der türkischen Stadt Didim und der Stadt Laubach eine Städtepartnerschaft, bei der auch schon einige Delegationen sich gegenseitig besuchten und Schüleraustausche durchgeführt wurden. 17 Laubacher nahmen nun Mitte Oktober an der Partnerschaftsfahrt nach Didim zur nachgeholten Feier des 25-Jährigen teil. Eigentlich war diese Fahrt schon vor zwei Jahren geplant, musste aber wegen Corona verschoben werden.

Didim liegt an der türkischen Südägäis rund 160 Kilometer südlich von Izmir direkt am Meer. Didim wurde erst 1955 gegründet und ist heute eine bedeutende Urlaubsregion. Seit Beginn der Partnerschaft ist der Ort durch Eingemeindungen und große Baugebiete von damals etwa 10 000 Einwohnern zu einer Großstadt mit knapp 100 000 Einwohnern gewachsen. Die antike Historie, die bis in das 2. Jahrtausend vor Christus zurückgeht, ist in der Umgebung von Didim noch überall zu spüren. Zu dieser Zeit hieß die Stadt Didyma und galt als antikes Heiligtum und berühmte Orakelstätte im Westen Kleinasiens. Viele der alten Sehenswürdigkeiten sind heute noch gut erhalten und besuchenswert.

Nach einem ruhigen Flug von Frankfurt/Main nach Izmir und dem nächtlichen Bustransfer zum Hotel mit einer kurzen Nachtruhe, begann am frühen Vormittag das Besuchsprogramm mit einem Empfang beim Bürgermeister A. Deniz Atabay, seinen Vertretern und Mandatsträgern. Die Laubacher Delegation wurde angeführt von Bürgermeister Matthias Meyer und der Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Laubach-Didim, Doris Kircher. Laubachs ehemaliger Bürgermeister Peter Klug hatte sich der Delegation ebenfalls angeschlossen. Als Dolmetscher fungierten die beiden Vorstandsmitglieder des Partnerschaftsvereins Ayhan Zeybek und Zeki Yildirim. Bei der herzlichen Begrüßung wurde von beiden Seiten die wichtige Bedeutung einer solchen Städtepartnerschaft hervorgehoben und auch verdeutlicht, diese Beziehung durch häufigere Besuche, Schüleraustausch und ähnliches zu vertiefen. Diese Aufgabe hat sich der Partnerschaftsverein Laubach-Didim gestellt, um die Freundschaften und Partnerschaften zwischen den Menschen der beiden Völker und beiden Städten zu stärken und zu erhalten. Ein gemeinsames Abendessen in dem Yacht Club Didim Marina diente zum gegenseitigen Kennenlernen der Vertreter beider Städte.

Austausch

Am zweiten Tag ging es unter kompetenter Leitung von Hikmet Atilla in den antiken Bereich der Umgebung. Zuerst wurden die Ruinen der Stadt Miletos besucht. Die Stadt ist über 2000 Jahre alt, ist rund 25 Kilometer von Didim entfernt und lag früher direkt am Meer. Aufgrund ihres Hafens war sie ein wichtiges Handelszentrum. Heute kann man dort das am besten erhaltene Amphitheater der Welt bestaunen, welches zur damaligen Zeit bis zu 15 000 Menschen Platz bot. Ein Stück von dieser beeindruckenden Anlage entfernt sind die Reste des Tempels des Seraps zu sehen. Ein weiteres Highlight der Stadt sind die Reste der Faustina-Thermen mit seinen unglaublich exakt behauenen Steinquadern.

In dem Gebäude der ehemaligen Karawanserei gönnten sich die Gäste einen erfrischenden Orangen/Granatapfelsaft. Auf der Fahrt zum nächsten Ziel, dem Apollontempel, wurde ein Zwischenstopp in einer Olivenölpresserei eingelegt.

Dort erhielt die Gruppe einen Überblick über die Herstellung des Olivenöls und die Erzeugung der eingelegten Früchte. Eine ausgiebige Verkostung der grünen und schwarzen Oliven rundete diesen Besuch ab. Weiter ging es dann zu einem Restaurant in der Nähe des Apollontempels, um gemeinsam mit den Gastgebern ein Mittagessen einzunehmen. Danach stand der Besuch der Ruinen des vor mehr als 2000 Jahren errichteten zweitgrößten Apollontempels der Antike an. Er ist die bekannteste Sehenswürdigkeit von Didim. Diese Stätte galt nach dem Orakel von Delphi einst als bedeutendstes Orakel. Ein Glanzpunkt des Tempels ist der in Stein gemeißelte Kopf der Medusa.

In der Nähe des Tempels befindet sich das Haus der Einwanderer. In diesem kleinen Museum ist die leidvolle Geschichte der zwangsweisen Umsiedlung der türkischen Einwohner aus den griechischen Gebieten nach dem ersten Weltkrieg ersichtlich.

Am nächsten Tag gehörte das Feilschen um den Preis zu den Aufgaben der Reiseteilnehmer. Der Besuch des großen Samstagsbazars stand an. Bei diesem riesigen Angebot waren viele in üppiger Kauflaune, ohne sich Gedanken zu machen, ob sich all diese Sachen dann auch in den Koffern für den Rückflug verstauen ließen.

Für einen kleinen Gruppenteil ergab sich währenddessen die Gelegenheit, das Parteibüro der in Didim regierenden »Republik Volkspartei CHP« zu besuchen und sich über kommunalpolitische als auch weltpolitische Themen auszutauschen und wie die Herausforderungen unserer Zeit gelöst werden könnten.

Spendenübergabe

Nach einer Stadtrundfahrt mit einem Zwischenstopp in dem neuen städtischen Amphitheater der Stadt Didim ging es dann zurück in das Hotel. Gemeinsam unternahm die Gruppe einen Spaziergang an der Promenade und folgte einer Einladung ehemaliger Hotelgastgeber im Kahveland zum Kaffeetrinken.

Der Sonntag diente dann der Gruppe zum Relaxen. Mit einem Nachbau eines antiken Schiffs ging es bei herrlichem Wetter zu einer Tour entlang der Strände von Didim. An zwei Stellen wurde der Anker geworfen. Am Abend war ein gemeinsames Abendessen mit den Gastgebern angesagt.

Am nächsten Tag stand dann die Heimreise an. Vor der Fahrt zum Flughafen erfolgte nochmals ein Besuch bei der Stadtverwaltung und eine herzliche Verabschiedung von den Gastgebern. Die deutschen Gäste bedankten sich für die herausragende Gastfreundschaft der Partnerstadt Didim. Die Einladung an die türkischen Freunde aus Didim, sich 2023 in Laubach zu treffen, wurde nochmals ausgesprochen.

Als eine Geste der Dankbarkeit hatte die Laubacher Delegation durch den 2. Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins, Ayhan Zeybek, eine Spendensammlung für Schülerinnen und Schüler an einer öffentlichen Schule in Didim übergeben.

Voller positiver Eindrücke und mit der Hoffnung, dass diese Städtepartnerschaft weiter bestehen bleibt und ausgebaut wird, traten die deutschen Gäste die Rückfahrt zum Flughafen nach Izmir an. Unterwegs wurde in einem typisch türkischen Gasthaus an einer Landstraße ein Mittagessen eingenommen, das den positiven Eindruck zu diesem Land noch verstärkte.

Auch der Rückflug erfolgte ruhig und die Heimat begrüßte die Gruppe nach vielem Sonnenschein mit Regen.

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