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Kommunen können viel beitragen

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Erste Ergebnisse aus der Energie- und Treibhausgas-Bilanz hat Prof. Joachim Sauerborn, Vorsitzender des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzbeirates zusammengefasst.

Laubach (red). Schafft es Laubach, seine Klimaziele zu erreichen? Erste Ergebnisse aus der Energie- und Treibhausgas-Bilanz hat nun Prof. Joachim Sauerborn, Vorsitzender des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzbeirates, in einer Pressemitteilung zusammengefasst.

Ausgangssituation ist die globale Erwärmung, ein Thema, das alle angeht. »Wir müssen uns alle aktiv und selbstwirksam an der Bearbeitung der Klimakrise beteiligen. Durch unser Tun und Handeln haben wir die Natur und die Atmosphäre nachhaltig verändert. Die daraus resultierenden Folgen sind nicht mehr zu übersehen und vielfach unkontrollierbar«, erklärt Sauerborn.

Das aktualisierte Klimaschutzkonzept für die Stadt Laubach zeigt auf, wieviel Einfluss man in Laubach darauf hat, den Klimawandel zu verlangsamen. Er zeigt konkrete Möglichkeiten auf, was jeder Einzelne beitragen kann. Dabei gehe es darum, die Stadt als lebenswert und ökologisch vielfältig zu erhalten und zu stärken.

Die Bundesregierung hat 2019 das Klimaschutzgesetz verabschiedet, das 2021 weiter verschärft wurde. Ziel ist es, bis 2045 den Endenergieverbrauch im Vergleich zu 1990 zu halbieren und den Ausstoß von Treibhausgasen um 95 Prozent zu senken. Über vielfältige Gesetzgebungen und Förderprogramme, unter anderem für private Haushalte, gestaltet der Bund gemeinsam mit den Ländern Rahmenbedingungen, die der Erreichung des oben genannten Zieles dienen soll.

Kreis unterstützt Kommunen

Um nationale und internationale Vorgaben (minus 50 Prozent Endenergieverbrauch (EEV), minus 95 Prozent Treibhausgas-Ausstoß (THG)) zu unterstützen, hat der Landkreis für seine 18 Kommunen Energie- und Treibhausgas-Bilanzen erstellen lassen, die in kommunale Klimaschutzkonzepte einfließen. Auf Grundlage dieser Konzepte können Fördergelder für zum Beispiel ein kommunales Klimaschutzmanagement beim Bund beantragt werden. Ziel ist es, die Kommunen bei der Umsetzung von Klimaschutzprojekten zu unterstützen.

In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Gießen hat die Stadt Laubach nun ein Klimaschutzkonzept durch ein Fachbüro erstellen beziehungsweise aktualisieren lassen. Die darin festgehaltenen Ergebnisse weisen die privaten Haushalte mit einem Anteil von etwa 37 Prozent und den Verkehr mit etwa 30 Prozent als die größten Verbraucher von Endenergie in Laubach aus. Der Anteil von Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistung liegt bei etwa 31 Prozent. Der gesamte Endenergieverbrauch in Laubach lag im Bilanzjahr 2019 bei circa 208 274 MWh.

Der Treibhausgas-Ausstoß lag für denselben Zeitraum bei 60 960 Tonnen. Die privaten Haushalte und die Industrie sind mit je 26 Prozent an der Freisetzung von Treibhausgasen beteiligt. Der Verkehr ist mit etwa 33 Prozent für den größten Teil verantwortlich. Den geringsten Anteil mit circa zwölf Prozent haben Gewerbe, Handel und Dienstleistung.

Maßnahmen zum Klimaschutz in Laubach müssen sich deshalb vornehmlich auf die Reduktion von Energieverbrauch und den Treibhausgas-Ausstoß in den Sektoren private Haushalte und Verkehr konzentrieren. Jede Fahrt mit dem Fahrrad statt mit dem Auto trägt dazu bei. In Laubach sind etwa 2500 »alte Heizungsanlagen« in Betrieb, das heißt sie sind älter als 15 Jahre und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Die Analyse der in Heizungsanlagen verwendeten Energieträger ergab, dass bei 39 Prozent Gas und bei 48 Prozent Öl eingesetzt werden. Der Anteil fester Brennstoffe liegt bei 13 Prozent. Bei den Feuerungsanlagen und ihrer Sanierung ist somit ein enormes Einsparpotential gegeben. Der Bestand der Gebäude in Laubach, die vor 1978 und damit vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet wurden, liegt bei 68 Prozent. Eine Steigerung der Sanierungsquote im Bereich Gebäude lässt erwarten, dass sowohl der Energieverbrauch als auch der Treibhausgas-Ausstoß reduziert werden kann.

Potenzial in allen Bereichen

In allen Bereichen, ob Energie, Wärme, Verkehr, Landwirtschaft, Gesundheit et cetera gibt es Möglichkeiten und technische Maßnahmen zur Einsparung und Effizienzsteigerung. Die Stadt Laubach verfügt zum Beispiel über große Erzeugungspotenziale bei den erneuerbaren Energien, die zur Eigenversorgung beitragen können.

Laut dem Klimaschutzkonzept ließe sich mittels Dachflächen-Photovoltaik etwa 29 400 MWh und über Freiflächen-Photovoltaik circa 59 000 MWh Strom pro Jahr erzeugen. Das entspricht einem Treibhausgas-Einsparpotential von circa 42 874 Tonnen pro Jahr. Zum Vergleich: der Stromverbrauch in Laubach lag 2016 (IBS) bei 45 800 MWh.

Laubacher Bürger sind sowohl Betroffene als auch Akteure, die eine maßgebliche Rolle bei der Umsetzung der Transformation haben. Sie brauchen angemessene finanzielle Förderung und einen klaren gesetzlichen Rahmen. Ob das Ziel, formuliert im Klimaschutzgesetz, den Endenergieverbrauch bis 2045 zu halbieren und den Treibhausgas-Ausstoß um 95 Prozent zu senken, umgesetzt werden kann, entscheidet sich vor allem in den Kommunen.

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