1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Laubach

»Mehr Respekt für die Umwelt«

Erstellt:

Die Jagdzeit hat begonnen. Für den Leiter der Hegegemeinschaft Laubach, Harald Mohr, ist dies ein Spagat zwischen Jagdausübungsberechtigten, Waldbesitzern und anordnenden Behörden.

Laubach (red). Am 1. April hat in den Revieren im Laubacher Wald bis in den Vogelsberg hinein wieder die Jagdzeit begonnen. Geschossen werden dürfen jetzt unter anderem wieder Schmalrehe, Rehböcke und Schmaltiere.

Für den Leiter der Hegegemeinschaft Laubach, Harald Mohr, ist dies ein Spagat zwischen Jagdausübungsberechtigten, den Waldbesitzern und den anordnenden Behörden.

Als Hegeringleiter macht er darauf aufmerksam, dass bereits seit 22. März die Behörde den Gruppenabschussplan für alle Reviere der Hegegemeinschaft Laubach festgesetzt habe. Er sei damit beauftragt worden, den Vollzug des Abschussplanes bis zum 31. Januar seiner betrauten Jagdreviere und den Angliederungsgenossenschaften Grünberg, Schotten, Villingen sicherzustellen.

Das Umweltministerium begründet ihre Entscheidung zur Vorverlegung der Jagdzeit, »um damit einer effektiven Bejagung der genannten Arten beizutragen und so die Naturverjüngung auf den entstandenen Wiederbewaldungsflächen zu fördern«.

Im Vorfeld der Abschussplanungen haben hiesige Vertreter der Laubacher Stadtwaldstiftung, der Gräflichen Forstverwaltung und unter anderem des Forstamts Schotten einen erhöhten Abschussvollzug gefordert, um die Schäden in den Forstkulturen zu minimieren.

Grundsätzlich könne man dies forstwirtschaftlich nachvollziehen, allerdings sollte man die Ursachen der hohen Verbissschäden ergründen, bevor man »mit Kanonen auf Spatzen schießt« so der Vorstand um Hegeringleiter. Wie Mohr, selbst Naturschützer und Mitglied der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald weiter ausführt, sei besonders das Rehwild durch hohe Beunruhigung in der Natur etwa durch vielfältige »Freizeitaktivitäten« derart heimlich und nachtaktiv geworden, dass es nicht so wie früher, geregelt zu bejagen wäre. »Das Wild verbleibe in seinen Einständen und Dickungen und richte dort konzentriert Schäden in den Kulturen an. »Durch häufige Ansitze erhöht sich die Witterung und Jagddruck.« Auch die Verlängerung der Jagdzeit spüre das Wild und werde damit noch »unsichtbarer«.

Natürlich könne man jetzt das ganze Rehwild abschießen. Soll aber damit unserer Natur und dem Wald geholfen sein?«, fragt Mohr.

Ziel der Hege sei ein artenreicher, gesunder Wildbestand. Sie schließe auch die Pflege und Sicherung der Lebensgrundlagen der Wildtiere und ihres Lebensraums ein.

»Hier sollte der Umwelt mehr Respekt geboten und nicht die sensible Natur nur als Konsumgut, Sportstätte oder Aktionsbühne begriffen werden«, macht Harald Mohr deutlich.

Gerade durch die neuerlich vorgeschriebenen Jagdaktivitäten, so der Leiter der Hegegemeinschaft, sei es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass besonders die nebenberuflich Tätigen, sei es als Holzwerber, Übungsleiter, Jäger oder bei sonstigen Aufenthalten im Wald, Warnkleidung zu tragen hätten. Dies würden die einschlägigen Bestimmungen der Berufsgenossenschaft vorschreiben.

Für die Durchsetzung dieser Regeln sei der Waldbesitzer verantwortlich. Das Motto laute: Sicherheit durch Sichtbarkeit.

Besonders Revierpächter und deren bestätigte Jagdaufseher seien gehalten, in ihrem durch Pachtvertrag erworbenen Bereich auf Sicherheit und Ordnung zu bestehen. Dazu hätten sie alle Befugnisrechte.

Auch interessant