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Sauberes Trinkwasser aus Lauter?

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Von: Klaus Kächler

Der Laubacher Ausschuss will Alternativen für eine teure Trinkwasseraufbereitungsanlage ausloten lassen.

Laubach . »Es ist doch ein Unding, dass bestes Wasser aus Lauter von der Ovag nach Frankfurt und sogar nach Südfrankreich verkauft wird, während wir ein paar Kilometer entfernt trübes Brunnenwasser filtern lassen müssen«, brachte Dirk-Michael Hofmann (FBLL) es auf den Punkt. In der Sitzung des Haupt-, Bau-, Finanz- und Umweltausschusses der Stadt Laubach sollte über die Anschaffung einer Filteranlage für das Versorgungsgebiet Laubach sowie Teilbereiche von Wetterfeld und Münster beraten werden.

Für die Errichtung einer Trinkwasseraufbereitungsanlage und die Erweiterung des Trinkwassernetzes soll die Stadtverordnetenversammlung überplanmäßige Haushaltsmittel in Höhe von 760 000 Euro im Haushalt 2022 bereitstellen.

Hîntergrund ist die immer wiederkehrende Trübung des Wassers aus dem Hirtenbachbrunnen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, soll eine dem Hochbehälter vorgeschaltete Ultrafiltrationsanlage das Problem nun endlich lösen. Ebenso wird die Verlegung von rund einem Kilometer Trinkwasserrohrleitung erforderlich, um die Ringelshöhe und den Campingplatz anzuschließen. Diese beiden Gebiete werden derzeit noch über eine Pumpleitung zwischen Tiefbrunnen und dem Hochbehälter versorgt. Durch den Anschluss an das Ortsnetz würden auch diese beiden Gebiete an das Netz mit gereinigtem Wasser angeschlossen.

Bereits im vergangenen Haushalt sind dafür 320 000 Euro bereitgestellt worden. Jetzt sollen noch einmal 760 000 Euro zugeschossen werden.

Einstimmig beschlossen die Mitglieder des Ausschusses, dass parallel zu dieser Planung Gespräche mit der Ovag aufgenommen werden, um auszuloten, ob das Versorgungsunternehmen über eine Leitung aus den Tiefbrunnen in Lauter Wasser in die Kernstadt Laubach pumpen könnte, und was dies die Stadt kosten würde.

Über den Antrag zur Mittelbewilligung für die Filteranlage solle dann nach einem Bericht des Bürgermeisters über die Gespräche in der Stadtverordnetenversammlung entschieden werden.

Verträge laufen noch bis 2038

Bürgermeister Matthias Meyer (parteilos) dämpfte allerdings die Erwartungen, da die bestehenden Verträge mit der Ovag, die auch mit dem Regierungspräsidium abgestimmt werden müssen, noch bis zum Jahr 2038 laufen würden.

Die grundlegende Problematik der Wasserentnahme aus der Region für die Ballungsgebiete sprach Kirsten Schmulbach an. Sie gab den Tipp, sich bei der Schutzgemeinschaft Vogelsberg zu informieren. »Schließlich sind wir dort Mitglied und die kennen sich mit diesem Thema aus«, so die Grünen-Politikerin.

»Laubacher zu Genossen machen«

Für einen Lacher sorgte Hartmut Roeschen (SPD) mit seinem Kommentar zu einem Antrag der Freien Wähler zur Realisierung von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) im genossenschaftlichen Betrieb auf kommunalen Flächen. »Ich finde es sehr sympathisch, dass der Kollege Häbel die Laubacher Bürger zu Genossen machen will«, so Roeschen, der damit Heiterkeit im Ausschuss auslöste. Im Gespräch für eine PV-Anlage war unter anderem auch ein Grundstück im Gewerbegebiet Geisenwiese, das sich wegen seiner extremen Hanglage schwer vermarkten lässt. Da die Grünen einen ähnlich lautenden Änderungsantrag einbrachten, einigte man sich darauf, zu einem späteren Zeitpunkt einen gemeinsam abgestimmten Antrag einzubringen.

Mit sechs zu vier Stimmen wurde ein weiterer FW-Antrag zur verpflichtenden Erstellung von PV- und/oder Solarthermie-Anlagen auf privaten, gewerblichen und öffentlichen Neubauten angenommen. Diese Maßgabe soll für alle zukünftigen Bebauungspläne sowie Grundstückskaufverträge »im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten« gelten. Florian Kempff (FDP) hatte zuvor davor gewarnt, dass solche Vorschriften aufgrund der Investitionen für solche Anlagen junge Familien vom Bauen abhalten könnten. Dieser Meinung schlossen sich auch die CDU-Vertreter im Ausschuss an.

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