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Adieu nach über 25 Jahren

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Die Künstlerin Angelika Lich aus Allendorf/Lda. mit zwei ihrer Werke . Foto: Schäfer © Schäfer

Die freischaffende Künstlerin Angelika Lich aus Allendorf/Lda. verlässt nach über 25 Jahren als Kursleiterin die Kreisvolkshochschule Lich. Zum Abschied zeigt sie in einer Ausstellung ihre Bilder.

Lich (rrs). Es gibt Tage im Leben, die man nie vergisst, Tage des Umbruchs, des Abschieds oder des Beginns einer neuen Lebensphase. Für die freischaffende Künstlerin Angelika Lich aus Allendorf/Lda. war der vergangene Mittwoch so ein Tag. Mit ihrer Ausstellung »Lebenswerk« im Licher VHS-Haus, die in 104 beeindruckenden Gemälden einen Überblick über ihr künstlerisches Schaffen gewährt von den Anfängen bis hin zum Könnertum mit wahren Geniestreichen, sagte sie Adieu zu ihrer über 25-jährigen Volkshochschularbeit als Kursleiterin. Jetzt winkt ein Leben mit vielen Freiräumen, in dem sie noch was erleben und ihr Dasein genießen will, aber der Malerei wird sie natürlich treu bleiben. Beim Schlendern durch die Ausstellung kommen Zweifel auf, ob wirklich alle Exponate aus einer Künstlerhand stammen, zu unterschiedlich sind Themen, Stile und Techniken. Die Motive umfassen Blumen, Stillleben, Menschen, Portraits, Aktdarstellungen, Gebäude, Landschaften, Städteansichten aber auch Abstraktes und enden unglaublicher Weise in der Politik, wo aktuelles Zeitgeschehen mit sozialkritischen Aspekten seinen Ausdruck findet. Manche Gemälde spiegeln andeutungsweise andere Kunstepochen wieder, sind aber nie kopiert, sondern immer ganz eigenwillige Kompositionen von Lich, wie sie unumwunden zugibt, denn »künstlerisch ist nichts vor mir sicher«. Die Bilder in Acryl, Öl, Aquarell, Pastell, Kohle oder Kollagen zeigen eine große Bandbreite von Maltechniken und zeugen von enormen kunsthandwerklichen Sachkenntnissen, denn jeder Werkstoff hat seine Eigenheiten, muss anders verarbeitet werden. Da hängen kleinformatige bunte Blumengebinde neben riesengroßen Leinwänden mit Wüstenimpressionen, zarte in blaue Farbvielfalt gehüllte Ballerinen stehen im Kontrast zu Collagen, die Albert Einstein mit Marilyn Monroe vereinen. Der Ideenbogen ist weit gespannt und geradezu faszinierend. Die Ausstellung über zwei Stockwerke kann täglich bis zum 31. Juli während des Kursbetriebes im VHS Haus besichtigt werden.

Tränen in den Augen

Mit Tränen in den Augen blickt die 66-jährige Lich auf ihre harte Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet zurück. Für sie gab es keine Liebe, kein Verständnis, keine Unterstützung, keiner hatte Zeit für ihre zerbrechliche Seele. Als Kriegsflüchtlinge hatten die Eltern wenig Geld und so hieß es, eine Ausbildung als Friseurin machen um schnell selbst Geld zu verdienen. Schon früh flüchtete sie sich in die Malerei, unterstützt von ihrer Patentante, die ihr Talent lobte, alle ihre Bilder aufhängte und ihr eine große Zukunft als Malerin voraussagte. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg. Der Liebe wegen zog sie nach Allendorf, heiratete, bekam drei Kinder. Sie malte, bastelte oder widmete sich der Seidenmalerei nur in rein familiärem Rahmen, bis eine Freundin sie auf die VHS aufmerksam machte. Fortan absolvierte sie mehrere Fortbildungskurse, um ihre künstlerischen Fähigkeiten und Kenntnisse weiter auszubauen. Sie wurde selbstbewusster und irgendwann fasst sie den Mut, eigene Malkurse anzubieten - ein Meilenstein für die einst schüchterne Frau. »Es ist nicht damit getan, dass man eine Gabe hat. Man muss sie auch fördern. Dazu gehören Liebe und Geduld genauso wie die Fähigkeit, Tiefschläge einzustecken und daran zu wachsen«, das lehrte sie das Leben. Bilder zu kopieren, sei nie ihr Ding gewesen, sie wolle stets etwas ganz Eigenes, Neues erschaffen - »Nur das reizt mich«. Heute hängen ihre Bilder an vielen Orten, nicht nur im Rabenauer Schützenhaus, einige haben es bis nach Polen oder sogar in die USA geschafft. Die Vernissage wurde mit klassischer Musik von Georg Philipp Telemann (1681-1767), dargeboten vom Flöten-ensemble der Licher Musikschule mit Simone van Slobbe, Heike Göbel, Caroline Krämer und Ingrid Gardlowsi-Wach, passend umrahmt. Torsten Denker, Leiter der VHS Lich, lobte in seinen einführenden Worten Lichs Engagement als Kursleiterin. Sie habe Menschen zusammengebracht und ihnen Freude am künstlerischen Tun vermittelt.

Auch Landrätin Anita Schneider war angereist und bewunderte das reiche Werk der Künstlerin: »Angelika Lich ist eine feste Größe in der VHS. Sie engagierte sich nicht nur als Kursleiterin, sondern brachte sich auch in ihrem Heimatort ein. Lebenslanges Lernen, sich weiterbilden war für sie erstrebenswert und genau das ist auch die Philosophie der VHS.« Meist habe sie nachts zu den inspirierenden Klängen eines Didgeridoo, dem Blasinstrument der aus-tralischen Aborigines, gemalt und dabei auf eigenen Wegen mit eigenen Techniken ihre Lebenswelt abgebildet. Anschließend warf Anja Janetzky, Programmbereichsleitung Kultur, einen intensiven Blick auf Lichs Leben und vor allem ihr künstlerisches Schaffen.

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