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Bäume sollen bleiben

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Von: Klaus Kächler

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Der Mammutbaum darf bleiben. Foto:Kächler © Klaus Kächler

Lich . Der kalifornische Mammutbaum auf dem Areal »Am Schäferling 6« in Lich darf stehenbleiben. Der stolze Baum mit Migrationshintergrund und einem Stammumfang von mehr als 2,50 Metern wird wohl nicht einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete weichen müssen, die der Landkreis hier errichten will. Nach langer Debatte entschied sich das Stadtparlament für die Variante 2, die das Gebäude in die Mitte des Geländes rückt.

Damit setzte sich die Fraktion der Grünen mit ihrem Antrag gegen die Freien Wähler durch, die eine Teilung des Grundstückes vorschlugen, um bei Bedarf durch einen Verkauf der Teilfläche zusätzliche Erlöse für die Stadtkasse zu generieren. Dann hätten aber alle Bäume weg gemusst.

Allerdings fiel die Abstimmung denkbar knapp aus. Mit einem Patt aus 17:17 Stimmen bei zwei Enthaltungen fand der FW-Antrag keine Mehrheit. Und das trotz Unterstützung der FDP-Fraktion. Deren drei Abgeordnete enthielten sich aber bei der folgenden Abstimmung und so wurde der Grünen-Antrag mit 17 Ja- bei 14 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen angenommen.

In dem vorausgegangenen gut einstündigen Schlagabtausch hatte sich Katharina Winter (Grüne) zunächst gegen den Vorwurf von Josef Benner (FW) verwahrt, ihre Fraktion würde »Sand ins Getriebe« der Solidarität unter den Kommunen streuen, die Flüchtlinge aufnehmen müssten. »Dieser Sand nennt sich Parlamentarismus«, entgegnete Winter. Wenn etwas unklar sei, müsse man sich damit auseinandersetzen.

Nur mit Bauchschmerzen

Auch Joachim Siebert (BfL) klagte über eine katastrophale Planung, die noch viele Fragen offen lasse. Das fange schon bei der viel zu engen Zufahrt an. »Die Informationen kamen immer nur, wenn wir nachgefragt haben«, so Siebert. Er sehe die Notwendigkeit einer Gemeinschaftsunterkunft, könne er aber nur mit Bauchschmerzen zustimmen.

Dass der Landkreis »nicht die glücklichste Rolle gespielt« habe, räumte auch Dennis Pucher (FDP) ein. Die ganze Planung sei »holterdiepolter« in die Gremien getragen worden. »Natürlich vor dem Hintergrund, dass man schnell eine Lösung finden wollte.« Er sprach auch die Kosten an, die »viele vielleicht erschrocken haben«.

Für die Variante eins, also das Gebäude am Kopf des Grundstücks, bei einer gleichzeitigen Teilung, sprach sich Professor Knut Stieger (SPD) aus und begründete dies, mit dem Aspekt einer möglichen Refinanzierung.

»Bei den Kosten, mit denen die Stadt nach acht Jahren zu rechen hat, muss Geld in die Kasse kommen«, machte Josef Benner deutlich.

Einen Grund für eine sofortige Teilung des Grundstücks sah Magnus Schneider (BfL) nicht. Besonders die Bäume sollten nicht gerodet werden.

»Schade um den Baum«, erwiderte Markus Pompalla (CDU), aber er sei dafür, dass die Stadt auf jeden Fall eine Restfläche in eigener Hand behalten solle. Und deshalb müsste die Gemeinschaftsunterkunft an den Rand rücken.

Bürgermeister Dr. Julien Neubert verwehrte sich gegen den Vorwurf einer katastrophalen Planung. Man habe in Abstimmung mit dem Kreis nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet und dabei auch die Finanzen berücksichtigt. Mit Blick auf die Nachnutzung sprach Neubert sogar von einer »vorausschauenden Planung«.

Da das Parlament auch dem Ausländerbeirat Rederecht gewährte, äußerte sich Françoise Hönle: »Wir haben die Pläne beraten und begrüßen den Bau von Wohneinheiten mit Bad und Küche«. Alle Wohnungen seien mit 50 Quadratmetern gleich groß geschnitten. Allerdings seien Menschen nicht gleich. Von Einzelpersonen bis zu achtköpfigen Familien reiche die Spanne. Besonders wichtig war ihr der Hinweis, auf Barrierefreiheit zu achten. Bei der Gemeinsachftsunterkunft im Carl-Benz-Ring sei es vorgekommen, dass Rollstuhlfahrer nicht in die Toilette kommen konnten. Das sei menschenunwürdig.

Wie Neubert sagte, sei der Verwaltung die Problematik bekannt und dort auch mittlerweile Lösungen gefunden worden. Aufgrund der Tatsache, dass sich in Lich ein Krankenhaus befinde, sei die Zuweisung von Menschen mit Behinderungen groß. Barrierefreiheit sei deshalb wichtig.

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Das Grundstück »Am Schäferling 6« ist mit viel Grün bewachsen. Zumindest die Bäume im vorderen Teil (links) sollen erhalten bleiben. Foto: privat © privat

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