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Bettenhäuser Kirche birgt ein großes Geheimnis

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Die neue Farbigkeit der Decke begeisterte die Besucher beim Baustellentermin in der Bettenhäuser Kirche. © Stender

Hinter der Nordempore wurden im Zuge der Renovierungsarbeiten die Originalfarben entdeckt Bis zum Sommer soll der Kirchenraum in seiner ursprünglichen barocken Farbenpracht erstrahlen

Lich (red). Die Bettenhäuser Kirche birgt derzeit ein großes Geheimnis. Zur Feier des 1250 + 1-jährigen Ortsjubiläums vom 1. bis 3. Juli wird es für die Öffentlichkeit gelüftet. Einige Interessierte haben kürzlich auf Einladung der Kirchengemeinde einen Blick in die Kirche werfen können und waren begeistert vom neu gestalteten Innenraum.

Seit Wochen sind die Türen der Kirche im Licher Ortsteil Bettenhausen geschlossen. Innen wird mit Hochdruck gearbeitet.

Der Kirchenraum soll bis zum Sommer wieder in seiner ursprünglichen barocken Farbenpracht erstrahlen. Dass dies überhaupt möglich ist, ist laut Restaurator Stefan Klöckner einem Zufall zu verdanken. Die Originalfarben wurden nach dem Abbruch der Nordempore entdeckt. Diese war 1854 eingebaut worden und dort, wo die Empore die Wand verdeckte, wurden die Originalfarben nicht überstrichen.

Der Kirchenvorstand hatte schnell verstanden, dass diese Farben etwas Einzigartiges waren und beschloss, die ursprüngliche Farbgebung wieder erstrahlen zu lassen. Vor allem die großzügige Verwendung des Blautons erstaunt auch die Fachleute, Restaurator Klöckner und Architektin Stefanie Muskau. »Diese Farbe war zur Bauzeit in den Jahren 1747 und 1748 extrem teuer, weil sie nicht künstlich produziert werden konnte«, erläuterte er beim Baustellentermin seinem staunenden Publikum. Die Besucher konnten noch eine weitere Entdeckung bewundern: In den vier Vouten der Decke fanden die Restauratoren unter dem Putz unterschiedliche rote Vasenmotive. Klöckner ist begeistert von der meisterlichen Ausführung der Motive, die freigelegt und sorgfältig wieder hergestellt wurden. Die dritte barocke Originalfarbe ist ein sattes, sonniges Ockergelb. Weiß, Blau und Ockergelb plus rote Vasen in den Ecken, komplettiert mit dem grau marmorierten Chorbogen zum romanischen Kirchturm hin, das ist die Farbkombination, auf die sich die Bettenhäuser freuen können. Der Kirchenraum wird aber auch aus anderen Gründen einen ganz anderen Anblick bieten. Nach dem Abbruch der Nordempore und der Vervollständigung der Westempore sind die Bogenfenster im Norden mit jetzt blauen Umrandungen wieder vollständig zu sehen. In dem größeren Kirchenraum wird ein Teil der Bänke durch 55 bequeme Stühle ersetzt. Denn der Kirchenvorstand möchte das Gebäude in Zukunft nicht nur für Gottesdienste nutzen. Konzerte, Vortragsveranstaltungen, Theater, Kabarett, das alles kann sich das Gremium um Pfarrer Hans Peter Gieß vorstellen. »Es soll ein Gebäude nicht nur für die Mitglieder der Kirchengemeinde, sondern für alle Bettenhäuser werden«, erklärt der Seelsorger.

Auch die Orgel soll gereinigt und aufgearbeitet im Sommer wieder an ihrem Platz stehen. »Dann ist die Kirche wieder das Bettenhäuser Schmuckkästchen«, freut sich Gieß.

Bis dahin will die Kirchengemeinde auch die rund 60 000 Euro, die sie zur Finanzierung der Gesamtkosten in Höhe von rund 900 000 Euro noch aufbringen muss, einsammeln. Dafür hat der Kirchenvorstand die Bettenhäuser Stuhl-Aktie »erfunden«. Wer damit einen kompletten Stuhl finanzieren will, kann eine Aktie im Wert von 280 Euro erwerben. Für 28 Euro gibt es eine Zehntel-Aktie. Wer sich für die Stuhl-Aktien interessiert, kann sich telefonisch unter 06404/950113 oder auch per Mail an kirchengemeinde.langsdorf@ekhn.de an die Kirchengemeinde oder an Pfarrer Gieß und den Kirchenvorstand wenden. Wer einfach so spenden möchte, kann das unter der IBAN-Nummer: DE 02 5139 0000 0075 0855 08 (evangelische Kirchengemeinde Bettenhausen) tun.

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