1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lich

»Brennholz ist das neue Klopapier«

Erstellt:

Von: Klaus Kächler

gikrei_Stadtwald_Ferien__4c_1
Der neue Auszubildende im Forstbetrieb der Stadt Lich, Joel Fey, beim Einsatz mit Ferienspielkindern, die voller Elan beim Aufbau von Zäunen zum Schutz kleiner Bäume vor Rehwildverbiss helfen. Foto: Gessner © Gessner

Für 2023 weist der Waldwirtschaftsplanentwurf einen Bedarf bei den Aufwendungen in Höhe von 780 000 Euro aus. Dem stehen geschätzte Erträge von 784 000 Euro gegenüber.

Lich . Trotz Klimawandels und Baumsterbens konnte Ulrich Gessner, Revierförster im Licher Stadtwald, bei der Vorstellung des Waldwirtschaftsplanes 2023 im Haupt- und Finanzausschuss auch Positives vermelden.

»Zum 1. August haben wir einen Auszubildenden zum Forstwirt einstellen können und für einen weiteren Ausbildungsplatz gibt es schon mehrere Interessenten«, freute sich Gessner.

Aufgrund der Unsicherheiten bei Gas und Öl hätten sich auch die Absatzmärkte sehr erfreulich entwickelt. Momentan lasse sich Holz sehr gut verkaufen. »Brennholz ist das neue Klopapier«, sagte Gessner und spielte darauf an, dass viele Brennholz hamstern würden wie zu Beginn der Corona-Krise das Lokuspapier.

Rund ein Drittel des gesamten Einschlages aus dem Stadtwald werde als Brennholz verkauft und bringe inzwischen gute Erlöse. Lich habe einen großen Bedarf, die Bevölkerung könne aber über Direktbestellungen, die Versteigerung am Langsdorfer Holzstrich sowie eine gute Zusammenarbeit mit den drei Licher Brennholzbtrieben ausreichend versorgt werden.

Für 2023 weist der Waldwirtschaftsplanentwurf einen Bedarf bei den Aufwendungen in Höhe von 780 000 Euro aus. Dem stehen geschätzte Erträge von 784 000 Euro gegenüber.

Nach den schlechten Jahren, in denen durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall unter dem Strich jeweils rote Zahlen (2019: minus 133 000 Euro, 2020: minus 162 000 Euro) im Wirtschaftsplan auftauchten, habe man seit 2021 wieder die »schwarze Null« ausweisen können und plane dies auch für 2023, so Gessner.

»Natürlich kann man auch kurzfristig gute Gewinne machen, wenn man etwa die alten Eichen schlachtet. Wir setzen aber lieber auf Nachhaltigkeit und ein ökologisches Handeln, um unseren Wald für die Zukunft zu rüsten«, erläuterte der Licher Revierförster den Ausschussmitgliedern.

»Waldwirtschaft ist nunmal viel Handarbeit«, machte Gessner deutlich. Deshalb seien die Personalkosten entsprechend hoch, zumal man versuche, möglichst viele freie Flächen wieder aufzuforsten. »Kostenfaktor Nummer Eins sind die Kulturen«, fasste der Forstexperte zusammen.

»In den letzten fünf Jahren hatten wir vier extrem trockene Sommer«, erklärte er. Habe 1984 die Fichte noch ein Drittel des Baumbestandes im Stadtwald ausgemacht, sei sie mittlerweile fast ganz verschwunden. Sorge bereite ihm vor allem die Situation bei den Buchen. Inzwischen seien Schadbilder wie dürre Kronen nicht nur bei alten Exemplaren um die 120 Jahre zu sehen. Auch Jungbestände zeigten immer häufiger Trockenschäden.

Als weiteren wichtigen Punkt nannte der Forstmann die Sicherheit von Forstpersonal und Waldbesuchern. Darauf lege man großen Wert. »Wir wollen natürlich nicht, dass Spaziergänger oder Pilzsammler von herunterfallenden Ästen erschlagen werden, doch wird sich die Lage sicher durch die Trockenheit weiter verschärfen.« Deshalb rate er grundsätzlich zur Vorsicht im Wald.

Der vorgelegte Waldwirtschaftsplan 2023 wurde von den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses einstimmig angenommen.

Ein Antrag der CDU-Fraktion, 15 000 Euro in den Haushalt 2023 einzustellen, um durch ein externes Büro ein naturschutzrechtliches Entwicklungskonzept erstellen zu lassen und Fördermöglichkeiten auszuloten, fand lediglich die Zustimmung der beiden CDU-Vertreter. Die anwesenden Abgeordneten von BfL, Grünen, SPD und Freien Wählern lehnten den Antrag ab.

Nach einer kurzen Stellungnahme von Revierförster Gessner und Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD), fasste Florian Stein (FW) die Ablehnung so zusammen: »Wir haben größtes Vertrauen in unsere Forstabteilung und sind sicher, dass diese sowohl ökologische wie auch wirtschaftliche Aspekte bestens im Blick hat«.

Auch interessant