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Dem Grauen ins Auge schauen

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Die Schülerinnen aus Lich mit dem Gedenkstättenpädagogen Helmut Rook in Buchenwald: Foto: privat © privat

Lich (red). Im Rahmen des Wahlpflichtkurses »Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus« der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) in Lich reisten elf Schülerinnen eine Woche nach Buchenwald und führten dort zusammen mit dem Gedenkstättenpädagogen Dr. Helmut Rook sowie den Licher Lehrkräften Jan Hildebrand und Annika Gerhard ein Arbeitsseminar durch.

Um im Juli 1937 das Konzentrationslager Buchenwald zu errichten, ließ die SS auf dem Ettersberg bei Weimar den Wald roden. Mit dem Lager sollten politische Gegner, Juden, Sinti und Roma sowie »Gemeinschaftsfremde«, wie Homosexuelle, Wohnungslose und Vorbestrafte, dauerhaft aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden. Nach Kriegsbeginn wurden Menschen aus ganz Europa nach Buchenwald verschleppt. Die Häftlinge teilte man in Gruppen ein, die die SS nach ihren eigenen Kriterien festlegte. Dazu bekamen sie Winkel in unterschiedlichen Farben, die die Gruppen kennzeichnen sollten.

Die ersten Häftlinge Buchenwalds mussten das Lager eigenhändig aufbauen. Sie arbeiteten im Steinbruch und fällten Bäume, um Material für den Aufbau des Konzentrationslagers zu erlangen. Das Häftlingslager hatte am Ende eine Fläche von 400 000 Quadratmetern. Als das Lager errichtet war, wurden die Insassen gezwungen, für die deutsche Rüstungsindustrie zu arbeiten. Das Konzentrationslager Buchenwald war kein Vernichtungslager, trotzdem kamen dort über 56 000 Menschen aufgrund der Lebensbedingungen oder durch Folter, medizinische Versuche und Hinrichtungen ums Leben. Zudem gab es 2000 Todestransporte in Vernichtungslager wie Auschwitz. In diesen Transporten wurden Menschen transportiert, die nicht arbeitstauglich waren und aus diesem Grund keinen Nutzen für die SS hatten.

Insgesamt waren im KZ Buchenwald und seinen 139 Außenlagern fast 280 000 Menschen aus über 50 Ländern inhaftiert. Viele von ihnen wurden in Buchenwald nur registriert und verwaltet und bekamen das eigentliche Lager nie von innen zu Gesicht. Gegen Ende des Krieges war Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Am 11. April 1945 hat sich das Lager mithilfe von Amerikanern selbst befreit.

Die Licher Schülerinnen besichtigten fast das komplette Gelände. Zu jedem Ort wurden konkrete Beispiele, Ereignisse oder Biografien aus der Geschichte der NS-Herrschaft genannt und deren Bedeutung vermittelt. Da die Jugendbegegnungsstätte der Gedenkstätte Buchenwald in den ehemaligen Kasernen der SS eingerichtet wurde, haben sich viele Teilnehmerinnen auch mit den Geschehnissen, die sich dort zugetragen haben, auseinandergesetzt.

Neben der Beschäftigung mit der Lagergeschichte konnten die Schülerinnen mit Hammer und Meißel eigenständig an der Gestaltung von Gedenksteinen arbeiten, die an die Kinder in Buchenwald erinnern. Zudem bestand die Möglichkeit, in der Restaurierungswerkstatt der Gedenkstätte Ausgrabungs-Fundstücke aus der Zeit des Nationalsozialismus aufzubereiten. Diese werden zum Teil im Museum ausgestellt oder im Magazin der Gedenkstätte gelagert. Die Stadt Weimar war ebenfalls Ziel der Schülergruppe. Hier wurde der Zusammenhang zwischen Stadt und Lager Buchenwald thematisiert.

Ziel des Arbeitsseminars war, das Geschichtswissen der Jugendlichen zu erweitern, sie bei der Ausprägung eines selbst verantworteten Geschichtsbewusstseins zu unterstützen und ihre Handlungsmotivation zu stärken, sich aktiv gegen aktuelle Erscheinungsformen der Ungleichwertigkeit von Menschen, Rassismus oder Antisemitismus einzusetzen.

Die Schülerinnen konnten sich in Bezug auf die Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald in vielen Punkten weiterbilden. Aufgrund dessen, dass die Schülerinnen in den ehemaligen Kasernen der SS-Leute gewohnt haben, haben sich viele die Geschehnisse, die sich dort zugetragen haben, nochmal ins Gedächtnis gerufen, weshalb sie sich stark mit der Geschichte auseinandersetzten.

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