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Eine musikalische Weltreise

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Das Blasorchester Eberstadt mit Dirigent Andreas Czerney spielte bei seinem Konzert in der Mehrzweckhalle groß auf. © Schäfer

Das Blasorchester Eberstadt überzeugt das Publikum mit seinem Frühlingskonzert in der vollbesetzten Mehrzweckhalle.

Lich (rrs). In den vergangenen zwei Jahren waren Konzerte, Kino oder Theater ein weit entfernter Wunschtraum, auf fast alle schönen Dinge musste verzichtet werden. Nun nimmt die Kultur endlich wieder Fahrt auf.

Ganz ohne Maskenzwang und Einschränkungen präsentierte das Blasorchester Eberstadt am Samstagabend in der rappelvollen Eberstädter Mehrzweckhalle sein traditionelles Frühlingskonzert unter dem Motto »Rund um die Welt im Zirkus«. Dirigent Andreas Czerney hatte einen bunten Strauß von bekannten ehemaligen Welthits, angefangen von böhmischer Blasmusik, Klezmer über Tango und Polka bis hin zu Frank Sinatra oder persischen Klängen, zusammengestellt, welche die Zuhörer Zirkusluft schnuppern ließen. Das keine Wünsche offen lassende bunte Programm sorgte für überschwängliche Begeisterung und ließ die Zuhörer die Sorgen der aktuellen Zeit für einen Moment vergessen. Die 44 Musiker zeigten vollen Einsatz, war dies doch auch ihr Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen.

Moderator Christina Schulz führte unterhaltsam durch 18 »Gastspielorte« in aller Welt mit ihren ganz eigenen Melodien und hatte für jedes Stück eine kleine Einführung parat. Gleich zu Beginn sprang Blasorchester-Chef Jan Görlach als Clown verkleidet mit wilden Possen in die mit bunten Luftballons, Wimpeln, Lichteffekten und einem großen Teddy auf dem Trapez als Manege gestylte Halle, bevor alle Besucher ohne Netz und doppelten Boden mit der fetzigen Titelmelodie von der legendären, zwischen 1969 und 1972 ausgestrahlten Fernsehserie »Salto Mortale« in die bunte Zirkuswelt eintauchten. Über Italien mit dem Hit »Ciao Italia« ging die Reise mit »Eviva Espana« weiter nach Spanien. Hier gab es beim Publikum kein Halten mehr, überall wippten die Füße und einige klatschten begeistert im Takt.

Dann hallten Urwaldtrommeln laut durch den Saal - Afrika wurde mit »Total Toto« lebendig, Löwen und Elefanten zogen musikalisch vorüber. Der Welthit wurde 1882 geschrieben, um das Schicksal afrikanischer Kinder publik zu machen. Nach dem Marsch »Kaiserin Sissi«, wo der ganze Saal mit stampfte, kam die große Stunde des Gesangsduos Hubert Müller und Thorsten Schindler, die mit ihrem perfekt dargebrachten »Böhmischen Traum« ganz stilecht wie die Egerländer den Saal zum Toben brachten,

Es folgte der Tokajer Marsch aus Ungarn und die polnische »Slavonicka-Polka«, wo erste Zugabe-Rufe und begeisterte Pfiffe laut wurden. Das Stück »Auf einem persischen Markt« erzählte musikalisch von näher kommenden Kameltreibern, einer sich an Schlangenbeschwörern und Gauklern erfreuenden Prinzessin und einem über den Markt streifenden Kalifen,. Die Gerüche und Farben des Orients wurden im Saal geradezu spürbar.

Nach der Pause versuchte Jan Görlach mit »New York, New York« Frank Sinatra den Rang abzulaufen, während Sophie Schindler mit Saal füllender Stimme und dem Song »Gabriellas Sang« aus dem schwedischen Kinofilm »Wie im Himmel« von 2005 für Euphorie im Publikum sorgte.

Wilder ging es beim Klezmer und dem Kultstück »Tequila« mit seinen lauten Tequila-Rufen zu, wo einige Musiker nicht nur den Schnaps, sondern auch die dazugehörigen Zitronenscheiben verputzten, was dann zu »Blas«-Schwierigkeiten und einer Mini-Pause führte. Mit einem Tango, Musik aus den Highlands und dem Deutschmeister-Regiments-Marsch sowie zwei geforderten Zugaben endete der bombastische Konzertabend. Eine bewundernswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass Dirigent Andreas Czerney erst im Oktober die Nachfolge von Andreas Kühr angetreten hat, üben erst ab vergangenem Mai unter Auflagen überhaupt möglich war und die Zirkus-Stücke in nur drei Monaten von Oktober bis Dezember einstudiert wurden.

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