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Geschenk des Himmels

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Beatrix Eiler-Haupt (r.) mit Clubmitgliedern, Jürgen Vesely, Marion Romig-Schweitzer (4.v.r.), Angelika Lange (5.v.r.) und Jennifer Hanak (l,). © Schäfer

Lich (rrs). Der Ukraine-Krieg beherrscht die Medienberichterstattung. Alle betrachten die Entwicklungen mit Angst und zunehmender Sorge. Tausende von geflüchteten ukrainischen Frauen mit ihren Kindern suchen Schutz und Sicherheit bei uns. Vor allem die Flüchtlingskinder sollen schnell integriert werden, in die Schule gehen, Deutsch lernen und so ein Stück Normalität erfahren.

Eine schwierige Aufgabe auch für Jürgen Vesely, den Schulleiter der Licher Erich-Kästner-Schule und die Betreuungskoordinatorin Marion Romig-Schweitzer. Umso größer war die Freude über den Scheck in Höhe von 1000 Euro, den die Präsidentin des Zonta Club Burg Staufenberg-Gießen Beatrix Eiler-Haupt zusammen mit der Vereinsvorsitzende des Zonta Clubs Angelika Lange überreichte. Die Spende geht direkt an den Förderverein der Erich Kästner-Schule und wird die Nachmittags-Betreuungsangebote für ukrainische Flüchtlingskinder finanzieren. Mit den Worten »Da für jedes betreute ukrainische Kind 120 Euro pro Monat anfallen, kommt man mit 1000 Euro nicht allzu weit« versprach Eiler-Haupt weise vorausplanend sogar weitere Gelder bis zu den Sommerferien.

Vesely würde seinen 17 ukrainischen Flüchtlingskindern nur allzu gerne schulisch gleich alles anbieten, aber die Mühlen der Bürokratie mahlen bekannter weise langsam. Eine Intensivklasse mit integriertem Deutschunterricht hat er schon aus dem Boden gestampft, aber das Nachmittags-Betreuungsangebot ist Sache des Schulträgers und wird über den Förderverein organisiert. Die Kostenfrage war lange ungeklärt, erst letzte Woche hat sich der Landkreis Gießen unter bestimmten Voraussetzungen zur Kostenübernahme bereit erklärt. Die Vertragslaufzeit für die Nachmittagsbetreuung ist auf ein halbes Jahr festgelegt, für die Ukrainer mit unbestimmter Aufenthaltsdauer nicht sinnvoll. Hier zeigte sich der Landkreis kulant und lässt für die Flüchtlingskinder Laufzeiten von einem Monat zu, wenn es einen Sponsor gibt. Verlängerungen auf Elternwunsch sind natürlich jederzeit möglich.

Da ist die Zonta-Spende geradezu ein Geschenk des Himmels. »Für mich ist der heutige Tag eine Initialzündung. Endlich können die ukrainischen Knirpse nach der Schule zusammen mit den einheimischen Kindern Aufgaben machen, essen, basteln und unbeschwert spielen«, frohlockte Vesely und erzählte nachdenklich: »Wenn die Kleinen lachend einem Fußball hinterher sausen, denken sie nicht mehr an Krieg und Bomben. Nur wenn ein Flugzeug am Himmel seine Bahn zieht, suchen sie ängstlich immer noch sofort Schutz. Ihr Trauma ist nicht überwunden, nur verdrängt«. Wir haben einige russisch sprechende Lehrer und auch in der Nachmittags-Betreuung sprechen zwei Leute russisch, so dass es keine unüberwindbaren Sprachprobleme gibt. Selbst die Befürchtungen, dass die einheimischen, einwandfrei russisch sprechenden Kinder der Russlanddeutschen als Feinde betrachtet und für den Krieg verantwortlich gemacht würden, erwiesen sich erfreulicherweise als unbegründet. »Wir werden die an die Schulen ergangene Aufforderung ›Geht unbürokratische Wege und handelt innovativ‹ ernst nehmen«, versprach Vesely und beabsichtigt zudem nach einem Abflauen der Corona-Problematik alle AG-Angebote wieder zügig hochzufahren. Da er in naher Zukunft mit noch mehr ukrainischen Flüchtlingskindern rechnet, appellierte er an Firmen und private Sponsoren »Wir sind für jede Spende dankbar«.

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