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»Günstiger geht nicht«

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Von: Klaus Kächler

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Hinter diesen Büschen und Bäumen befindet sich das städtische Grundstück »Am Schäferling«6, wo zeitnah Wohnungen in Modulbauweise entstehen könnten, in die zunächst Flüchtlinge aus der Ukraine einziehen sollen. Foto: Kächler © Kächler

Für den Bau einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete im Mischgebiet »Am Schäferling« 6 durch den Landkreis Gießen hat sich Lichs Bürgermeister Dr. Julien Neubert ausgesprochen.

Lich. »Wir haben nachverhandelt und ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen«, so Lichs Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) bei einem Pressegespräch, in dem er das geplante Konzept einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete durch den Landkreis Gießen vorstellte. Die Kommune stellt hierfür zunächst nur die Fläche zur Verfügung.

Das Gebäude soll nach acht Jahren für rund 1,8 Millionen Euro in den Besitz der Stadt übergehen, die dort »bezahlbaren Wohnraum» anbieten will. Sein positives Resümee: »Günstiger geht nicht«.

Entstehen soll der Bau in Holzmodul-Bauweise auf dem städtischen Grundstück in einem Mischgebiet »Am Schäferling« 6. Im hinteren Teil steht das längst marode gewordene sogenannte Behelfsheim. Ein großes Stück des Areals ist mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Das baufällige Gebäude müsse sowieso abgerissen werden und auch die Bäume sollen dem Neubau weichen, allerdings in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, so Neubert.

Als nach dem Überfall auf die Ukraine die ersten Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet nach Mittelhessen kamen, entwarf die Kreisregierung ein Konzept, das den Kommunen beim Bau von Unterkünften unter die Arme greifen sollte, Diese sind nämlich für die Schaffung entsprechenden Wohnraums zuständig. Konkret bot der Kreis an, die Unterkünfte zu bauen und sie nach der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft an die Gemeinden zum »Zeitwert« abzutreten. Allerdings war das Konzept mit heißer Nadel gestrickt, und deshalb sollte die Verwaltung nach dem Willen der Stadtverordneten bei einigen Punkten für Klärung sorgen. Das sei nun gelungen, so der Bürgermeister.

»Ein Knackpunkt war der Zeitpunkt der Übergabe an die Stadt, die wir nun auf mindestens acht Jahre festgelegt haben.« Ebenso werde der Kreis nicht nur die Kosten für die »innere Erschließung« übernehmen, sondern sich auch an dem Anschluss des Gebietes an das Kanalnetz beteiligen.

Vier Varianten für Gebäude stehen nun zur Auswahl, die jeweils zwölf beziehungsweise acht Wohneinheiten beherbergen. Das Haus hat eine Größe von bis 800 Quadratmetern.

Die Restkosten für die Stadt Lich bei der Übergabe würden 1,86 Millionen Euro betragen. Die Erschließungskosten (Hausanschlüsse, Hauptwasserleitung sowie Gutachten, Vermessung und gegebenenfalls Ingenieurleistungen) liegen bei 300 000 Euro.

Bei einer Nutzungsdauer von acht Jahren sollen 40 Prozent der Kosten durch den Landkreis übernommen werden. Der Restbetrag für die Erschließung würde sich damit auf 180 000 Euro belaufen. Zusätzlich zahle der Kreis der Stadt noch ein Nutzungsentgelt, das sich über den Bodenrichtwert bemesse und für acht Jahre bei 85 675,20 Euro liege.

Die Baufeldfreimachung inklusive Rodungsarbeiten und Abriss des Bestandsgebäudes sowie Abtragung des Hangs belaufen sich nach Kostenschätzung der Stadt Lich auf rund 25 000 Euro. Für ein Bodengutachten sei mit Kosten von rund 5000 Euro zu rechnen.

Neue Bäume sollen gepflanzt werden

Da das Grundstück bereits »überplant« sei und im Bebauungsplan »Nr 16 Egelseeweg und Teufelswiesenweg« keine Bäume zum Erhalt festgesetzt sind, könnten die Bäume außerhalb der Brut und Setzzeit gerodet werden. Zum Ausgleich sollen dennoch neue Bäume gepflanzt werden. Eine Beachtung des Artenschutzes obliege der Stadt Lich und sei - wie bei allen anderen Eingriffen auch - selbstverständlich, so Neubert.

»Wir müssen handeln«, betont der Rathauschef. Das gebiete die Solidarität mit anderen Kreiskommunen. »Und wenn wir ohne Unterkunft Zuweisungen bekommen, haben wir schlechte Karten.«

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So könnte das Gebäude aussehen, das der Kreis auf der Fläche in Lich errichten möchte. Grafik: Stadt Lich © Red

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