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Jedes Werk »reiner« Zufall

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Yvonne Hasche-Ennigkeit vor ihrem Lieblingsbild. © Schäfer

Einen wahren Farbenrausch können Besucher der Ausstellung »Alles fließt« mit Werken von Yvonne Hasche-Ennigkeit erleben.

Lich (rrs). Die Eberstädter Malerin Yvonne Hasche-Ennigkeit entfesselt im Dorf- und Kulturladen Eberstadt einen wahren Farbenrausch. Erstmals sind ihre intensiv-bunten Arbeiten, größtenteils in kleinen oder mittleren Formaten gehalten, in der Ausstellung »Alles fließt« einem breiten Publikum zugänglich. Alle Bilder entstanden mit der neuen Technik »Acrylic Pouring«, einer experimentellen Maltechnik mit Acrylfarben, die aus Amerika zu uns nach Deutschland herüber geschwappt ist. Das Besondere an dieser Acryl-Fließtechnik: Sie ist immer ein reines Zufallsexperiment. Bei dieser Technik gießt man flüssige Acrylfarben auf einen Malgrund und lässt die Farben dann ineinander fließen. Dabei entstehen wunderbare Farbverläufe und unvorhersehbare Muster. Jedes Bild ist ein kreatives, faszinierendes Spiel mit den Farben, die Ergebnisse sind nicht vorhersehbar und bringen einzigartige Resultate hervor, welche den Betrachter durch ihre besondere Ausdrucksstärke fesseln.

Am frühen Freitagabend eröffnete die 56-jährige Yvonne Hasche-Ennigkeit die Vernissage, zu der sich rund 20 Kunstliebhaber eingefunden hatten, mit den Worten »Erst vor anderthalb Jahren habe ich zur Kunst gefunden, vorher habe ich höchstens mal gestrickt oder gehäkelt. Es macht mir richtig Spaß, mich jetzt durch die Malerei auf so ganz andere Art ausdrücken zu können.« In ihrer Laudatio ging Alexandra Renkawitz vom Verein Dorf- und Kulturladen Eberstadt auf die Geschichte des Dorfladens ein.

Mit Hasche-Ennigkeit präsentiere sich nun ein Vereinsmitglied der Öffentlichkeit, wozu schon eine Portion Mut gehöre. Aber den habe die Malerin nun gefunden und sich sogar mit ihrem Lieblingsbild mit Erfolg bei »Licher Scheunen« beworben. Die Malerin stammt ursprünglich aus Hermannstein, ist aber seit 14 Jahren Wahl-Eberstädterin.

Begeisterte Schauspielerin

Als Diplom-Verwaltungswirtin verdient sie ihre Brötchen als Arbeits- und Reha-Beraterin bei der Agentur für Arbeit in Gießen, ist voll im Dorfleben integriert und spielt begeistert Theater.

Vor langen Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung und kann seitdem ihren rechten Arm nicht mehr ohne Hilfe frei hochheben. Diese körperliche Beeinträchtigung raubte ihr zwar nicht die Lebensfreude, aber viele Aktivitäten sind ihr verwehrt, wie zum Beispiel das detaillierte Zeichnen und das Malen an einer Staffelei. Eine Nachbarin machte sie dann auf das Acryl Pouring aufmerksam. »Ja, daraus kann ich was ganz Eigenes machen, ohne Pinsel, ohne Staffelei, aber mit viel Fantasie«, war ihr sofort klar. Jetzt steht sie in der Küche des familieneigenen alten Fachwerkhauses oder auf Abdeckplanen im Hof, sie füllt Farben in kleine Becher, erhöht deren Fließfähigkeit mit einer Mischung aus Holzleim und Wasser bis zur gewünschten Konsistenz und schüttet dann die Farben nacheinander oder aufeinander auf Leinwand, OSB-Platte oder Holz. Mit einem leistungsstarken Fön treibt sie die Farben dekorativ auseinander oder kreiert mit Kochlöffel, Holzspatel, Pappkärtchen Muster und Strukturen. Für feinste Verästelungen benutzt sie einen Strohhalm, ein aufgeblasener Luftballon dient als Stempel für die Blüten von stilisierten Blumen und durch die Zugabe von Silikon entstehen wundervolle edelsteinartige Strukturen. Beim Malen immer mit dabei, die Musik von Carlos Santana. »Ich klotze gerne mit Farbe«, gibt sie lachend zu und zeigt stolz ihre »Matschkiste«, in der sie Farben anmischt oder auch vermatscht und auf der sie ihre Bilder während des Malens ablegt. »Bei Arbeiten mit dem Fön hat mein Mann mich auf den Hof verbannt, sonst wäre unsere Wohnung wohl mittlerweile ganz schön bunt«, verrät sie.

Bis zum Herbst hin wartet nun viel Arbeit auf die Malerin, denn für die »Licher Scheunen« gilt es, noch viele neue, spektakuläre Exponate zu erschaffen.

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