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Kartoffeln mit Matte als Lohn

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Spaß hatten vor allem die Kinder bei der historischen Kartoffelernte. Foto: Graf © Graf

Weitere Gemeinschaftsaktion der Langsdorfer zum Jubiläumsjahr begeistert die Besucher.

Lich (kag). Petra und Anette Roth hatten am Samstag die Langsdorfer zum Kinder-Kartoffel-Fest (KKF) auf den Kartoffel-Geburtstags-Acker an der Licher Pforte in Langsdorf eingeladen. Und sie kamen reichlich, hatten Behälter für die Kartoffeln mitgebracht, Teller und Besteck sowie Beilagen für das Mittagessen im Feld. Es war wie in den 1960er Jahren. Natürlich gab es auch etwas zu trinken.

Ein Traktor mit an der Zapfwelle angedockter Kartoffelschleuder fuhr die 20 Reihen nacheinander durch und förderte die Kartoffeln, die am 14. Mai gesetzt worden waren, zutage, so dass sie nur noch aufgesammelt werden mussten. Entsprechend dem Alter des Licher Ortsteils Langsdorf hatten die Kinder 1251 Kartoffeln gesetzt und ernteten jetzt ein Mehrfaches der Setzlinge.

Die Jüngsten, die die Kartoffeln aufklaubten, waren gerade mal ein Jahr alt und stolperten mit ihren Kartoffeleimerchen über den Acker, die Ältesten waren jenseits der 80 und auch nicht mehr ganz so gut zu Fuß. Die Stimmung war jedoch prächtig.

Alle waren mit Freude und Begeisterung dabei. Der Licher Bürgermeister Dr. Julien Neubert, ein Langsdorfer, ließ es sich nicht nehmen, sich auch ein Eimerchen zu füllen. Bevor die »Bulldogs« aufkamen wurde die Kartoffelschleuder von Pferden gezogen. Davor, auch kurz nach dem 2. Weltkrieg, wurden die Kartoffel vielfach mit dem Karst, einer zweizinkigen Kartoffelhacke, durch die Männer ausgehackt und von den Frauen in Mahnen (Körbe mit zwei Henkeln) aufgesammelt. Heute werden die Kartoffeln mit dem Kartoffel-Vollernter geerntet, auf dem sie von Helfern nur noch sortiert werden.

Wie früher, gab es nach der getanen Arbeit, ein zünftiges Mittagessen mit Pell- und Ofenkartoffeln sowie Matte (Quark) und weiteren Beilagen. Steffi Schauermann und Dr. Sybille Starzacher waren für das leibliche Wohl der hungrigen Kartoffelernter verantwortlich,

Die Bereitstellung der Fläche, die Vorbereitung des Ackers und die Pflanzkartoffeln wurden von Christian Bausch, Andreas Hauser, Anette Roth, Wolfgang Schadeck und weiteren Helfern gespendet und unterstützt. Es war wie immer, eine tolle Gemeinschaftsleistung der Langsdorfer, die alle begeisterte.

Am 14. Mai, anlässlich der Kartoffelpflanzaktion, wurde auch der »Königsstuhl« vorgestellt, zu dem Petra Roth folgende Geschichte erzählte: Vor über 400 Jahren sei die Kartoffel durch die Spanier aus Südamerika nach Europa gebracht worden. Man habe sie in ganz Europa angebaut, zunächst als Zierpflanze in den Gärten der Fürsten und Klöster. Weil die Köche nur die ungenießbaren grünen Beeren am Kartoffelkraut verwendeten, habe es Bauchschmerzen gegeben und man wollte die Kartoffel nicht mehr haben. Mit einer List schaffte es der preußische König Friedrich II., dass die Bürger sich für die Kartoffel interessierten und diese anbauten. Er ließ die Kartoffelfelder bewachen. Das Ergebnis: Seine Untertanen wollten danach unbedingt diese wertvolle Speisepflanze haben.

Der »Königsstuhl«, der auf dem Schulhof in Langsdorf angemalt wurde, stand von der Pflanzaktion an bis heute auf dem Kartoffelacker, um an diese tolle Geschichte zu erinnern.

Der Kartoffelkäfer habe diesmal so gut wie keine Rolle gespielt, sagte Petra Roth. In früheren Jahren hätten ganze Schulklassen das Kartoffelkraut nach den Larven und Eiern des Kartoffelkäfers absuchen müssen, weil die Larven einen ungeheueren Appetit haben und die ganze Ernte vernichten können.

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