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»Keine Geschäfte mit Russland und China«

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Blick aus der Vogelperspektive auf das neue Betriebsgelände der Firma Merz im Carl-Benz-Ring in Lich. © privat

Die weltweit agierende Merz Verpackungsmaschinen GmbH in Lich hat Glück. Von den allgemeinen Lieferengpässen ist die Produktion der hochkomplexen Maschinen derzeit so gut wie nicht betroffen.

Lich . »Vor einem Jahr bin ich von Kollegen in der Branche noch belächelt worden, weil wir uns auch in unserem Neubau ein großes Lager leisten«, erinnert sich Holger Merz. »Jetzt können wir lächeln«, fühlt sich der geschäftsführende Gesellschafter der weltweit agierenden Merz Verpackungsmaschinen GmbH in Lich bestätigt. Von den allgemeinen Lieferengpässen sei die Produktion der hochkomplexen Maschinen derzeit nämlich »so gut wie nicht« betroffen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings, die Merz ärgert. In dem schmucken Neubau im Carl-Benz-Ring, der eigentlich schon 2021 bezogen werden sollte, konnte man erst in diesem Jahr die Arbeit richtig aufnehmen. Auch jetzt noch wird hier und da im Bau gewerkelt. Den alten Standort in der Bahnhofstraße hat man aufgegeben.

Einen zweistelligen Millionenbetrag hat sich die Firma das Gebäude kosten lassen, das trotz seiner Funktionalität einige optische Highlights vorzuweisen hat. So gibt es zwischen den Abteilungen viele lichtdurchflutete Kommunikationsräume. Darüber hinaus wurde bei der Planung Wert auf eine lichte, helle Architektur mit vielen Möglichkeiten der Begegnung und geplanten grünen Elementen am und um den Komplex gelegt. Eine extra auf das Gebäude abgestimmte und durch den Architekten Ralf Rosner (Heuchelheim) in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer designte Treppe ist ein weiterer optischer Höhepunkt im Empfangsbereich, der von außen einsehbar ist.

Die Besprechungsräume heißen Nord- beziehungsweise Süd-Amerika, Afrika und Europa. Das klingt nicht nur gut, sondern zeigt auch, wo sich die Absatzmärkte befinden. »Im Maschinenbau, vor allem im Sondermaschinenbau, ist die Auftragslage derzeit gut«, so der Geschäftsführer. Die Auftragsbücher der Firma Merz, die mit einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro zu den größten Steuerzahlern in der Region gehört, seien bis Herbst 2023 gut gefüllt. Immer wieder gebe es zudem Anfragen aus den beiden Schwerpunktbereichen, der Pharmazie und der Tabakindustrie. Aktuell investiere man vor allem in Personal. Durch den neu hinzugewonnenen Platz soll es zudem möglich sein, die Lehrlingsausbildung im Haus auszuweiten. Derzeit werden in Lich rund 90 Mitarbeiter beschäftigt, fünf davon Auszubildende.

Der Krieg in der Ukraine bereitet der Firma Merz noch wenig Kopfzerbrechen. Das Unternehmen hat keine direkten Kunden in Russland oder der Ukraine. Man habe vor Jahren schon einmal den durchaus lukrativen Markt im Osten sondiert, sich dann aber gegen ein Engagement ausgesprochen, erläutert Merz.

Das gleiche gelte für China: »Wenn Anfragen kommen, sage ich klipp und klar, aufgrund der Menschenrechtssituation, möchte ich keine geschäftlichen Bindungen eingehen.« Einzig den Rohstoffmarkt beobachte man mit etwas Sorge. Nickel, das zum größten Teil in Russland gefördert und zur Veredlung von Stahl benötigt wird, sei bereits schwierig zu bekommen und deutlich teurer geworden.

Wenn es wärmer wird, verrät Holger Merz, sollen im Außenbereich des Unternehmens bunte Wiesenblumen ausgesät werden. Dann würden nämlich weitere fleißige Mitarbeiter hier Einzug halten: Honigbienen.

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