1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lich

»Keinen ›Öko-Terroristen‹ großgezogen«

Erstellt:

gikrei_180622_HinterHofT_4c
Überspitzte Szenen steuerten die Schauspieler des HinterHofTheaters H2T bei. Foto: Zylla © Zylla

Zum umstrittenen Weiterbau der A 49 gaben das Kino Traumstern, der künstLICH Verein und das Demokratie- und Kulturforum Horlofftal »Kleinkunst als Antwort«.

Lich (zye). In der Veranstaltungsreihe zum umstrittenen Weiterbau der A 49 gaben das Kino Traumstern, der künstLICH Verein und das Demokratie- und Kulturforum Horlofftal »Kleinkunst als Antwort«.

Thema im »Dazwischen« war der 2019 gestartete Protest im Dannenröder Forst in der Nähe von Marburg. Knapp 30 Hektar Wald verlor der »Danni«, wie er auch hier in Lich liebevoll bezeichnet wird. Trotz Protest und buchstäblichem Blut und Tränen der Naturschützer konnte die Trasse im Forst nicht verhindert werden. Ende 2020 wurde die entsprechende Fläche bekanntlich bei einem großen Polizeieinsatz geräumt - Schwerverletzte inklusive.

An den Widerstand wurde hier in der ehemaligen Gärtnerei mit Kunst erinnert. »Politisches und ökologisches Versagen« kritisierten hier die Kunstschaffenden mit Text, Musik und Schauspiel. Die Kernbotschaften: Wirtschaftsinteressen stünden viel zu oft über dem Naturschutz. Lobbyismus habe dabei starken Einfluss auf unsere Politik. Sicher war man sich auch: Die Ausbaupläne der A 49 seien nicht mehr zeitgemäß, da für die Klimaziele eine Verkehrswende vollzogen werden müsse. Dem Auto räumen die Aktivisten darin kaum noch eine Bedeutung ein.

Zu Gast war die Autorin Christa Seim. Bei ihrer Lesung trug sie einige Eindrücke und Stimmen aus der Protestbewegung um den Dannenröder Forst vor. Die sammelte sie in ihrem Buch »Der Geist des Widerstandes und der Solidarität«. Mit viel Fotomaterial gibt sie dort nicht nur die Geschichte um den Bau der A 49 wieder, sie erklärt zudem, warum ein Wald schützenswert und ökologisch notwendig für uns alle ist. Sie beschreibt »politisches Schweigen« und »Fassungslosigkeit der beteiligten Menschen«. Kunst habe der Protestbewegung »Mut und Kraft gegeben.« Als es dann um die »Danni-Eltern« ging, also die Mütter und Väter der Aktivisten, trieb es einigen betroffenen Gästen die Tränen in die Augen. Seim las die Zeilen einer Mutter vor, die ihrem Sohn für seinen beherzten »zivilen Ungehorsam« dankte: »Ich weiß, dass ich keinen ›Öko-Terroristen‹ großgezogen habe, sondern einen klugen verantwortungsbewussten Menschen«, bekräftigt die Mutter, die auch den Kampf gegen Wind und Wetter der Baumhausbewohner im Danni beschrieb. Die Gäste spendeten diesen Zeilen der »Danni-Mutter« beipflichtenden Applaus.

Bedrückend war auch das Thema Polizeigewalt im Zusammenhang mit der Räumung des Dannenröder Forstes. Hier kam Dr. Wolfgang Seim aus Maulbach zu Wort. Außerdem »Ella«, die junge Frau, die wegen ihres Widerstands gegen die Polizei sogar einen Aufenthalt im Gefängnis antreten musste. Sie gab ein kurzes Statement über diese Erfahrung ab. Reinhard Forst gab einen Überblick zur Entwicklung und dem Stand der Dinge des Widerstands auf der juristischen Ebene, während Wolfgang Dennhöfer mit den Gästen über das Thema Biodiversität sprach.

Weitere Kunst, die laut Christa Seim »Mut und Kraft« im Danni spendete, half auch vielen Gästen bei den aufwühlenden und teils emotionalen Themen im »Dazwischen«. Musikalisch hielten die Widerstands-Barden von Unerhört die Laune an diesem Vormittag oben. Satirisch zeigten die Schauspieler vom HinterHofTheater H2T aus Hungen überspitzte Szenen aus dem Widerstand. Im Kern ging es dabei um Sensationsgier in den Medien, um politische Tricksereien und um Menschen, denen Naturschutz nur wichtig ist, wenn sie selbst keinen Verzicht üben müssen.

Die Veranstaltung bildete den Abschluss der Reihe »A 49 - Der Staat als Beschützer und Zerstörer?«

gikrei_ChristaSeim2_1806_4c
Christa Seim Foto: Zylla © Zylla

Auch interessant