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Knüppelei vor der Bühne

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»Der Bauernstreit zu Lich anno 1729« wurde von den Kircheblazzgauglern anlässlich des Historischen Marktes aufgeführt.

Lich (kag). Um den Diebstahl von Holz, eine Heirat zwischen einem Licher und einer Langsdorferin, eine bittere Rache sowie Gulden und Batzen, die zwischen Lich und Langsdorf hin- und hergeschoben wurden, ging es im Bauernstreit im Jahr 1729. Auf dem diesjährigen Historischen Markt wurde »Der Bauernstreit zu Lich anno 1729« von den Kircheblazzgauglern aufgeführt. Das Stück wurde in erster Fassung im Jahr 2001 von Bettina Fanslau, geb. Klauert, geschrieben. Die zweite Fassung bearbeitete Gerhard Pappe. Diese wurde am Samstag unter dessen Spielleitung aufgeführt.

Die Licher haben damals in einem Waldstück Holz geschlagen, von dem sie glaubten, es gehöre zu Lich. Die Langsdorfer glaubten, es gehöre zu Langsdorf und bezichtigten die Licher des Diebstahls. Nachdem man sich nicht einigen konnte, ging der Streit vor Gericht und wurde, weil Langsdorf damals zur Graf-schaft Solms-Braunfels gehörte, im Hungener Schloss beraten. Der Richter entschied, nachdem eine alte Urkunde aufgetaucht war, der Wald gehöre zu Langsdorf. Die Licher mussten das Holz bezahlen.

Das Singspiel, bei dem Licher und Langsdorfer Bauern sangen, Elmar Sandhofen diese auf dem Akkordeon begleitete und Gerhard Pappe nicht nur als Spielleiter, sondern auch als Bänkelsänger das Publikum erfreute, sollte zunächst eine dramatische Wende nehmen, um am Ende versöhnlich auszuklingen.

Die Licher waren sauer und sinnten auf Rache. Sie wollten vor allem ihr Geld wieder haben. Ihre Habe, ihre Wagen und Geräte sowie ihr Vieh hatten sie bereits verkauft, um den Langsdorfern das Holz zu bezahlen. Jetzt pfändeten sie mitten in der Heuernte die Zugtiere und Gerätschaften der Langsdorfer, die diese wiederum teuer zurückkaufen mussten.

Doch das Leben ging weiter. Dem Schorsch aus Langsdorf seine Gunda wollte den Ludwig aus Lich heiraten. Das ging schon gar nicht, denn die Langsdorfer waren die Erzfeinde der Licher, und ein Licher konnte keine Langsdorferin ehelichen. Es wurde politisch, auch die Bürgermeister beider Orte waren beteiligt, am Ende wurde alles gut! Der Ludwig bekam seine Gunda und der Frieden wurde wieder hergestellt und hält bis in die heutige Zeit. Lich und Langsdorf hätten sich in den vergangenen Jahrhunderten angenähert, konstatierte Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) Langsdorf sei bei der Gebietsreform nicht zu Hungen, sondern zu Lich gekommen, und heute sei sogar ein Langsdorfer Bürgermeister von Lich.

Nach dem historischen Spiel eröffnete Neubert das Licher Altstadtfest und der K.K. Schützenverein Lich ernannte den neuen Ehrenkanonier. Vorsitzende Anke Burghammer stellte in ihrer Laudatio, die sich in Gedichtform reimte, den Ehrenkanonier Haiko Prepens vor.

Prepens und Neubert hatten die ehrenvolle Aufgabe, im Licher Schlosspark die Böller zu zünden, was mit donnerndem Getöse und viel Qualm erfolgreich war.

Bürgermeister Julien Neubert hob das ehrenamtliche Engagement des neuen Ehrenkanoniers im Verein LicherErleben und die Führung seines eigenen Unternehmens hervor, und dankte Prepens für seinen Einsatz für Lich.

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Knüppel aus dem Sack: Heftig aneinandergerieten die Bauern aus Lich und Langsdorf 1729. Foto: Graf © Graf

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