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Laubfrösche sollen sich wohlfühlen

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Noch sieht es eher nach Umweltfrevel als nach Sanierung aus. Doch die Arbeiten sollen das Feuchtbiotop »Niederried« in Lich aufwerten. © privat

Die Bauarbeiten am Feuchtbiotop Niederried in Lich stehen vor dem Abschluss. Die Sanierung kostet 100 000 Euro.

Lich (red). Was auf den ersten Blick aussehen mag, wie ein Umweltfrevel, soll in Wirklichkeit das Feuchtbiotop Niederried in Lich aufwerten. Seit einigen Wochen wurde hier mit schwerem Gerät gearbeitet. Nun stehen die Arbeiten vor dem Abschluss.

Anlass für den umfangreichen Eingriff war, dass die Wasserfläche im Niederried durch Schilfbewuchs immer kleiner wurde und der Bewuchs den Damm beschädigt, der das Wasser im Biotop halten soll.

Das Niederried ist ökologisch hochwertig, da es Lebensraum für viele geschützte Vogel- und Amphibienarten bietet, die offene, besonnte Wasserflächen benötigen. Die Laubfroschpopulation im Niederried ist Teil der größten und besten Metapopulationen in Hessen - so beschreibt sie auch das Artenhilfskonzept für diese Art. »Die seltenen und geschützten Amphibien brauchen offene, besonnte Wasserflächen« erklärt Bianka Lauer, Naturschutzexpertin vom Regierungspräsidium Gießen.

Daher fand im Herbst 2021 ein Ortstermin mit Vertretern der Landwirtschaftlichen Pflegevereinigung - die die Sanierung des Niederrieds organisiert - den zuständigen Fachbehörden (Wasser- und Naturschutzbehörden des Landkreises und des Regierungspräsidiums Gießen), der Stadt Lich als Eigentümerin der Fläche sowie der Naturschutzverbände Nabu und HGON statt.

Dort wurde besonders thematisiert, welche Dringlichkeit das Projekt hat. Erhard Thörner (HGON) berichtete, dass die Population des Laubfroschs im Feuchtbiotop von Jahr zu Jahr geringer wurde. Er selbst habe diese viele Jahre hinweg kartiert und weiß bestens über die Art Bescheid. Jörg Hessler von der Landwirtschaftlichen Pflegegemeinschaft Lich fügt hinzu: »Damit das Feuchtbiotop dauerhaft seine Funktion erfüllen kann, wurden eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, welche nun zur Umsetzung kommen.« Elementar ist im Gebiet die Wasserhaltung. Durch den starken Bewuchs des Dammes am östlichen Rand des Gebiets war dieser durch die Wurzeln undicht geworden. Die Gehölze mussten entfernt werden, um den Damm zu sanieren. Als technisches Bauwerk darf dieser auch nicht wieder mit Bäumen bestanden werden, sondern soll später möglichst beweidet werden.

Ein Teil der Gehölze wurde als »Benjeshecke« am südlichen Rand des Biotops aufgeschichtet, um das Gebiet zu beruhigen und Störungen zu vermeiden.

In einem weiteren Schritt werden nun die Dichtigkeit des Damms geprüft und weitere Arbeiten zur Abdichtung durchgeführt.

Der starke Schilfbestand führte zunehmend zur Verlandung des Gebietes und Verkleinerung der offenen Wasserfläche, welche der Laubfrosch zum Laichen zwingend benötigt.

Der Neabu Hessen, vertreten durch den Kreisvorsitzenden Achim Dr. Zedler, hat gemeinsam mit Erhard Thörner ein Konzept erarbeitet und eine Maßnahmenkatalog erstellt.

Auch wenn es derzeit vielleicht nicht so aussieht, bleibt genügend Schilf stehen. Diese Entkrautung hatte sich aufgrund von Problemen bei der ausführenden Firma leider verzögert und konnte erst Ende Februar durchgeführt werden. Dadurch wurden stärkere Spuren im Biotop hinterlassen als geplant. Dies wirkt sich laut der Fachbehörden allerdings nicht auf negativ auf die Ökologie aus. Der Beobachtungshügel war ebenfalls zu dicht bewachsen. Dieser Bewuchs ist nun heruntergeschnitten, der Aufgang soll wieder verkehrssicher hergestellt werden.

Als weitere Maßnahmen sollen im Laufe des Jahres folgen:

Die Erstellung eines hydrogeologischen Gutachtens sowie die Erstellung eines Beweidungskonzeptes für die Randbereich und möglicherweise den Damm. Im Oktober soll das Wasser gänzlich abgelassen werden, um eine Sanierung des sogenannten Mönchs (Technisches Bauwerk welches den Wasserstand reguliert) durchführen zu können. Ein Rohr unter dem Nonnenröther Weg, welches das Wasser von einem Graben in das Niederried führt, wird wieder durchgängig gemacht.

Die Finanzierung erfolgt zu 100 Prozent über durch das Land Hessen, welches hierfür Gelder aus GAK-Mittel über 100 000 Euro (Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz) zur Verfügung gestellt hat.

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