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Lieder regen zum Träumen an

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Das Gitarrenduo Peter Haagen (r.) und Jörn Martens begeistert sein Publikum. Foto: Schäfer © Schäfer

In der romantischen Arnsburger Paradieskapelle wurde die musikalische Vesper zelebriert. Mit dabei das virtuose Gitarrenduo Peter Haagen und Jörn Martens.

Lich (rrs). Am späten Sonntagnachmittag im Schein von unzähligen Teelichtern zelebrierte Pfarrerin i.R. Barbara Alt in der romantischen Arnsburger Paradieskapelle die musikalische Vesper für den Monat Oktober mit dem virtuosen Gitarrenduo Peter Haagen und Jörn Martens.

Barocker Leckerbissen

Auf die Besucher wartete ein kleiner, aber feiner musikalischer Hochgenuss mit Stücken aus dem Barock bis in die Neuzeit, die zum Träumen anregten.

Zur Einstimmung begeisterte das Duo mit einem barocken Leckerbissen, dem Konzert in D-Dur von Antonio Vivaldi (1678-1741). Nach einem schwungvollen Ansatz mit spielerisch perlenden Tönen folgte ein wunderschönes melodisches Largo von sanfter Dramatik, um sich zum Schluss in einem flottem Allegro geschmückt mit einigen Trillern zu verabschieden.

Religiös beschäftigt sich das Vesper-Programm in diesem Jahr unter dem Motto «… und siehe, es war sehr gut!« mit der Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Mittlerweile am 6. Schöpfungstag angekommen, wo es heißt »Lasst uns Menschen machen« und »Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor«, widmete sich Alt in zwei Meditationen dem Thema »Tiere und Menschen«. »In der Lutherschen Bibelübersetzung von 2017 haben Tiere die älteren Rechte, da sie vor den Menschen erschaffen wurden. Ganz anders in der Basis Bibel, wo Gott den Menschen aus Staub erschuf, ihn in den Garten Eden brachte und ihm dann die Tiere als Gegenüber gab«, erklärte Alt. Alles »lebende Getier« und das »Ebenbild Gottes« seien eng aufeinander bezogen und voneinander abhängig, egal ob man die enge Beziehung zu Haustieren wie Hund, Katze und Pferd betrachte oder aber das Auftreten von Zoonosen wie durch das Corona-Virus. Wir nutzen Tiere als Nahrungsquelle, das Klima leidet, weil wir ganze Urwälder für Tierfutter abholzen und das von Rindern ausgestoßene Methan feuert die Erderwärmung an.

Respekt ist verloren gegangen

Der Respekt vor anderen Lebewesen sei verloren gegangen. Der Mensch soll zwar über alle Geschöpfe herrschen, aber er soll auch die Erde bewahren. »Sind wir noch die Krone der Schöpfung, wenn wir die Hauptverantwortung für Artensterben, Umweltbelastung, Überbevölkerung und einer vielleicht bald unbewohnbaren Erde tragen«, fragte Alt. Seit dem Sündenfall gelte das Prinzip »fressen und gefressen werden«, was sich heute im Kampf um Ressourcen und Macht widerspiegele. Wir wüssten zwar, wie man Umweltschäden und Klimawandel begegnen könnte, aber unser Eigennutz würde sinnvolles Handeln verhindern. Die Chancen auf ein gutes Leben für kommende Generationen dürfen wir aber keinesfalls verspielen, jetzt da wir langsam schrittweise begreifen, wie eines vom anderen abhängt.

Im Kontrast zu den Bibelauslegungen standen die Stücke der Gitarristen. Da begeisterten die Stücke »Milonga Al Sur« und »Coroto« des venezolanischen Komponisten Alfonso Montes (1955) aus dem 20. Jahrhundert mit melancholischen Melodien, gebrochenen Tönen und schnellen Akkorden ebenso wie das romantische »Nänle Nr 2 und »Ich denk dein« des österreichischen Johann Kaspar Mertz (1806-1856). Ein weiteres Stück von ihm, »Der Ball«, führte die Zuhörer beschwingt durch Walzer und Polka bis zum Tanzball.

Zum Abschluss durfte natürlich der argentinische Bandoneon-Spieler und Komponist Astor Piazzolla (1921-1992) mit seinen Tangos nicht fehlen. »Lo Que Vendra« aus den 50-ern zeigte sich mit den typischen Rhythmen traditionell angelegt und lud zum sinnlich-erotischen Tanz ein.

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