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»Menschen dort Vorbilder für uns alle«

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Blick vom Balkon des Rathauses: Gegen 17.30 Uhr füllt sich der Marktplatz. Immer mehr Licher kommen zur Friedenskundgebung für die Ukraine. © Kächler

Ergreifende Worte fand die in Lich lebende Pianistin Vitalina Puccibei der Solidaritätskundgebung für die Menschen in der Ukraine.

Lich. »Glauben Sie nicht den Lügen Putins. Ich habe heute mit meinem Vater telefoniert. In unserem Heimatort nahe der belarussischen Grenze wurden letzte Nacht ein Kinderkrankenhaus, ein Theater und Wohnhäuser bombardiert. Die Menschen dort leben in ständiger Angst.« Mit ihrer ergreifenden Rede warf Vitalina Pucci ein bewegendes Schlaglicht auf den Angriffskrieg der russischen Armee in der Ukraine. Gleichzeitig dankte die in Lich lebende Pianistin für die Solidaritätsbekundungen und die aktive Hilfe der Licher Bürger für ihr Volk.

»Ich freue mich, dass auch unsere Bundesregierung die Zeichen der Zeit erkannt hat und mit scharfen Sanktionen reagiert«, so der frühere Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms. Jetzt dürfte zwar vieles teurer werden, so der Licher Ehrenvorsitzende der Bundes-FDP, doch das sei nunmal der Preis der Freiheit, den wir zu zahlen bereit sein sollten.

Sylvia Grohmann, die Pfarrerin der evangelischen Marienstiftsgemeinde mahnte, dass jeder Krieg Tod und Leiden bringt. »Das Leiden der Menschen in der Ukraine geht uns alle an«, so die Geistliche, die Putins Aggression verurteilte, gleichzeitig aber auch an die Menschen in Russland erinnerte, die trotz der Gefahr für Leib und Leben für den Frieden auf die Straße gingen.

Auch Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) richtete einige Worte an die Teilnehmer der Kundgebung. »Die Menschen, die gerade in der Ukraine mutig und tapfer für Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie kämpfen, sind Vorbilder für uns alle«, so Neubert. Putins Krieg sei ein brutaler Bruch des Völkerrechts. Spontaner Beifall brandete auf, als das Licher Stadtoberhaupt das Verhalten von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) als »echte Schande« bezeichnete. »Wir können zwar nicht die Stellschrauben der großen Politik drehen«, so Neubert weiter, »doch können wir Solidarität beweisen und im Kleinen helfen.« Er dankte ausdrücklich den Organisatoren der Kundgebung und den privaten Hilfstransporten, die in den letzten Tagen aus Lich aufgebrochen seien. Gegenwärtig seien bereits elf ukrainische Flüchtlinge in Lich eingetroffen. Viele Bürger hätten ihn bereits angesprochen und Unterkünfte angeboten. »Es ist ein schönes Bild, wenn Licher Bürger für Schutz suchende Flüchtlinge Wohnraum schaffen und einen Platz an ihrem Esstisch freimachen«, freute sich Neubert.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Kurt Förster und Karin Lorenz. Der Posaunist am Stadttheater Gießen und die Licher BfL-Stadtverordnete spielten Beethovens Europahymne »Freude, schöner Götterfunken« und die ukrainische Nationalhymne »Noch ist die Ukraine nicht gestorben«.

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