1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lich

Mörderjagd in den Goldenen 20ern

Erstellt:

Von: Rose-Rita Schäfer

gikrei_2209_jcs_Doermer_2_4c
Henrich Dörmers neuer Krimi spielt im Gießen vor 100 Jahren. Foto: Schäfer © Schäfer

Der waschechte Licher Krimiautor Henrich Dörmer veröffentlicht seinen mittlerweile sechsten Roman. Die erste Lesung zum neuen Krimi findet am 25. September um 16 Uhr in Lich statt.

Lich (rrs). Wie die großen Erfolgsautoren seines Genres, man denke an Sebastian Fitzek oder Agatha Christie, bleibt auch der waschechte Licher Krimiautor Henrich Dörmer am Ball - seit 2016 erschienen im Jahrestakt fünf Krimis von ihm. Für seine neueste sechste, noch druckfrische Mordgeschichte »Lahnbrand - Tot am Stock im Gießen der Goldenen Zwanziger« aber hat er sich zwei Jahre Zeit gelassen.

»Mit fast 350 Seiten ist das mein umfangreichstes Werk und es trägt erstmals eine besondere Widmung für meine Frau. Katharina ist die Feder, die meine Hand durchs Schreiben geleitet. Und durch unser Leben.« Dörmer liebt es, in seinen Romanen der regionalen, von ihm vorbildlich recherchierten Geschichte neues Leben einzuhauchen. Spielten die ersten vier Bände mit Kommissar Benedikt Cervinus in Lich und Umgebung in der Gegenwart, gespickt mit vielen detailreichen Handlungssträngen in der geschichtlichen Vergangenheit, änderte sich das ab Band fünf. Die Handlungen sind nun komplett im Gießen der Goldenen Zwanziger angesiedelt und Kommissar Simon Rau, Sohn eines Kriegsveteranen aus Allendorf/Lumda, ermittelt. Treu geblieben ist Dörmer dagegen seinen tief im Oberhessischen verwurzelten Charakteren, es wird nicht nur »Owwerhessisch Platt« sondern auch Manisch gebabbelt und eine kräftige Prise Lokalkolorit würzt liebevoll das Geschehen.

Dokumentation brachte die Idee

Gab für den ersten Roman seine Golfleidenschaft den Anstoß, für die weiteren aber antiquarische Weihnachtsgeschenke seiner Frau wie Berichte über Hügelgräber sowie den Heiligen Stein nahe Muschenheim oder aber über die Wüstung Hausen, war es dieses Mal ganz anders. Er sah im Fernsehen eine Dokumentation von dem Viermaster »Peking« der Reederei F. Laeisz, der in den 20ern auf der Route Chile-Hamburg Salpeter übers Meer schipperte. Die Besichtigung eines Schwesterschiffes in Travemünde brachte dann den Stein ins Rollen, die Idee für den neuen Krimi »Lahnbrand« war geboren.

Gleich im Prolog werden die Leser in die Zeit der Salpeterfahrten entführt, 1921 ins Spanien vor dem heraufziehenden baskischen Bürgerkrieg. Ein junger Matrose muss mit ansehen, wie sich seine große Liebe, eine baskische Separatistin, ihren Häschern durch Freitod entzieht.

Sieben Jahre später wird bei der Gießener Schiffs-Kameradschaft die Einweihung ihres neuen Schulschiffs gefeiert. Doch der Festredner, ein ehemaliger Marineoffizier, erscheint nicht. Der wird am nächsten Morgen auf dem Gießener Golfplatz am Lahnknie in unmittelbarer Nähe der abendlichen Festivitäten tot aufgefunden. Kommissar Simon Rau macht sich zusammen mit der aus Hamburg angereisten kessen Inspektorin Rieke Hansen auf die Suche nach dem Mörder, tatkräftig unterstützt vom Pathologen Karl Wiesenholder, dem Urgroßvater des Pathologen Wiesenholder aus den ersten vier Bänden, sowie zwei Hilfspolizisten, die für den nötigen Humor sorgen.

Die Verbrecherjagd geht durch das »alte« Gießen in den Goldenen Zwanzigern, das bei dem Bombenangriff am 6. Dezember 1944 fast vollständig in Schutt und Asche gelegt wurde. Ein Boxkampf in der Volkshalle, der heutigen »Miller Hall«, die damals für das Landesturnfest 1926 neu gebaut wurde, nimmt eine dramatische Wendung. Weitere Ermittlungen führen zum Hotel »Prinz Carl« im Seltersweg mit seinen in weinrote Livrees gehüllten Pagen, an dieser Stelle befindet sich heute Peek & Cloppenburg.

In der Gaststätte »Lotzekasten« mit seiner legendären Hähnchengondel à la Wienerwald, nahe dem ehemaligen Kaufhaus Kerber gelegen, versumpft Wiesenholder, während Besuche im Lokal »Concerthaus« und im Stadttheater etwas Licht ins Dunkel bringen. Das Gießener Original »Kräppel-Ludwig« zieht derweilen mit seinem Bauchladen gefüllt mit frischen, knusprigen Brezeln durch die Gassen und Lokalitäten und tischt den Leuten mit kleinen Gewinnversprechen Rätsel in Manisch auf. Nach vielen Verwicklungen kommt es schließlich zu einem überraschenden Ende.

Ein halbes Jahr recherchiert

»Die Recherchen haben sich ein volles halbes Jahr hingezogen. Ich habe Bildbände gewälzt, Bücher wie »Der Untergang des alten Gießens« gelesen und alte Postkarten erworben, wo die ehemaligen Gebäude noch zu sehen waren«, erzählt Dörmer und gibt zu »Seitdem gehe ich mit ganz anderen Augen durch die Stadt«. Ein dreiviertel Jahr habe er an der Geschichte geschrieben, wie früher schon auf einer kleinen Tastatur an seinem ipad. So kann er praktisch überall schreiben, im Café, wenn seine Frau derweilen shoppt, genauso wie auf der Parkbank. »Viele Ideen kommen mir Nachts im Schlaf. Wenn ich dann aufwache, schicke ich mir sofort eine E-Mail, damit ja nichts vergessen geht.«

Dörmer lebt mit seinen Romanfiguren, liebt ihre schrullige Eigenarten und zelebriert ihren Humor. Seinem nachdenklichen neuen Kommissar setzt er die taffe Inspektorin Hansen gegenüber, während die Hilfspolizisten für so manchen Lacher sorgen. Besonderen Spaß aber habe er am Entwerfen der Kapitelüberschriften, gibt er lächelnd zu.

Dem 1973 in Lich geborenen Dörmer wurde das Schreiben wahrlich nicht in die Wiege gelegt. »Bis vor sechs Jahren habe ich im Traum nicht daran gedacht, Krimis zu schreiben«, stellt er lakonisch fest. Der »Licher Buhneplicker« mit Abitur an der Grünberger Theo-Koch-Schule lebt mit Frau, zwei Töchtern und Hund nach wie vor in Lich und ist mit Leib und Seele begeisterter Banker. Außer dem Schreiben frönt er seinen Hobbies dem Theater, der heimischen Geschichte sowie dem Golfspiel. Er ist ehrenamtlich bei den »Turmfreunden« aktiv, spielt bei den Licher »Kircheplazzgaukler« mit und fährt gerne mit dem Fahrrad durch die Gegend, um sich von Denkmälern, Landschaften und Menschen für neue Romane inspirieren zu lassen.

Die erste Lesung zum neuen Krimi findet am 25. September um 16 Uhr im Innenhof Oberstadt 11 in Lich statt.

Auch interessant