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Nerv der Menschen in Lich getroffen

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Zum Frieden in der Welt beizutragen, ist für Thorsten Schäfer-Gümbel und die GIZ der Anspruch. Foto: Graf © Graf

Vorstandsmitglied Thorsten Schäfer-Gümbel stellte die »Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit« und ihre Arbeit vor,

Lich (kag). Das »Forum für Völkerverständigung« Lich hatte in den evangelischen Gemeindesaal in Lich zu dem Thema »Internationale Zusammenarbeit, ein Weg zum Frieden?« eingeladen. Referent war Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorstandsmitglied der »Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit« (GIZ). Schäfer-Gümbel stellte die GIZ vor, erläuterte deren Umgang mit Krisen und Konflikten und gab dazu entsprechende Beispiele. Die anschließende Diskussion mit dem Publikum zeigte, wie aktuell das Thema empfunden wurde, und wie Schäfer-Gümbel den Nerv der Menschen getroffen hatte.

Mitarbeitende vor Ort

Das Bundesunternehmen GIZ gibt es seit elf Jahren. Es ist der Nachfolger von GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) und DED (Deutscher Entwicklungsdienst). Es ist in 120 Staaten auf der Welt aktiv und führt Aufträge der Bundesregierung, der Europäischen Union sowie anderer Staaten durch. Die GIZ hat 25 500 Beschäftigte, von denen 70 Prozent als nationale Mitarbeitende vor Ort tätig sind. Das Geschäftsvolumen betrug im vergangenen Jahr 3,7 Milliarden Euro.

»Wir arbeiten weltweit für eine lebenswerte Zukunft«, heißt es auf der Homepage des GIZ. Nur das Zusammenspiel von sozialer Verantwortung, ökologischem Gleichgewicht und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit werde auch künftigen Generationen ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglichen.

Der Fokus der Arbeit des GIZ liegt einerseits auf der Vorbeugung und Prävention gewaltsamer Krisen, andererseits auf der Umsetzung stabilisierender Maßnahmen in Krisen- und Konfliktregionen. Das GIZ unterstützt staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen, gewaltfrei mit Konflikten umzugehen und Rahmenbedingungen für eine friedliche und inklusive Entwicklung zu schaffen.

Gewaltsame Krisen prägen den Blick auf die Welt: der Krieg in der Ukraine, der Umsturz in Afghanistan, der Krieg in Syrien. 70 Prozent der Einsatzländer der GIZ gelten als fragil. Laut Heidelberger Konfliktbarometer sei die Zahl der weltweiten Konflikte 2021 mit 355 Konflikten auf hohem Niveau. Davon sind 204 gewaltsame Konflikte.

Vorbeugung und Verhinderung von kriegerischen Auseinandersetzungen ist die Arbeit der GIZ. Sie leistet »Humanitäre Hilfe Plus«, wirkt strukturbildend und befähigt die Partner (Menschen und Institutionen im Partnerland), ihre Dinge selbst zu tun. Das tut sie sehr oft bei Wasser-/Abwasser-Themen, der Unterbringung auf der Flucht Befindlicher, im Bereich der Bildung und bei der medizinischen Versorgung im Partnerland. Dabei muss sie auch oft zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen vermittelnd arbeiten.

Konkret berät das GIZ zu fachlichen Inhalten, Abläufen und Organisationsentwicklungen, unterstützt die Wahrheitskommissionen, wirkt bei der Konfliktmediation auf Gemeinde- oder staatlicher Ebene, sensibilisiert Polizei und Sicherheitskräfte für ihre wichtige Aufgabe beim Dialog, der Verständigung und der Versöhnung. Grundlage der Arbeit ist die Stärkung von Dialog und Vertrauensaufbau zwischen der verschiedenen Akteuren.

Aufgeben verboten

Als ein Beispiel nannte Schäfer-Gümbel das Alphabetisierungsprogramm der afghanischen Polizei, die nach ihren Wochendiensten an den Samstagen lesen, schreiben und rechnen gelernt hätten. In der Folge konnten sie die Anweisungen der Zentrale lesen und verstehen, die anschließend noch im Familienkreis diskutiert worden seien. Diese gesellschaftliche Entwicklung gebe es nach wie vor dort.

In Pakistan habe man mit Schiffscontainern Gesundheitsstationen geschaffen, die von Gemeindeschwestern betreut werden, aber auch Anlaufstationen für die Ärzte sind.

Im sehr umfangreichen Fragen- und Antwortenteil sagte Schäfer-Gümbel: »Ja, wir tragen dazu bei (zum Frieden in der Welt). Das ist unser Anspruch.« Aufgeben sei verboten. Er glaube an den Fortschritt, und dass es besser werde. Am Ende gehe es immer um den konkreten Menschen, nicht um Zahlen.

Eine neue Kolonisierung könne die GIZ durch ihren Partnerschaftsansatz verhindern, insbesondere weil es in der deutschen Hilfe keine Verknüpfung von Wirtschaft und Politik gebe. Allerdings brauche man Partner, auch in der Wirtschaft, so Schäfer-Gümbel.

Auch die Korruptionsbekämpfung sei ein sehr wichtiges Thema, eine »echte Herausforderung«. Hier gebe es Null-Toleranz.

Die »Welt« sei in der Lage, sich selbst zu ernähren. Es werde auf der einen Seite mehr produziert als verbraucht, sagte Schäfer-Gümbel, auf der anderen Seite Lebensmittel vernichtet. Probleme gebe es auch beim Transport, der Logistik und bei Nahrungsverlusten.

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