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Pilgerherberge »Pforte« ist Zufluchtsort

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In der »Pforte« ist eine ukrainische Familie eingezogen. © Brümmer

Der Verein »Pforte 1782« hat das Wahrzeichen Ober-Bessingens einer ukrainischen Familie als Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Lich (red). Pilger und andere Übernachtungsgäste müssen bis auf Weiteres auf die Ober-Bessinger »Pforte« als Quartier verzichten. Sie werden gewiss Verständnis dafür haben, denn der Verein »Pforte 1782« hat das Wahrzeichen des Dorfes als Zufluchtsstätte für eine ukrainische Familie zur Verfügung gestellt.

Vereinsvorsitzender Patrick Müller berichtete bei der Jahreshauptversammlung des Pforten-Vereins über den aktuellen Stand. Eine erste Anfrage der Stadt vor Wochen sei binnen Stunden - vor allem auch dank der großen Hilfsbereitschaft im Dorf - positiv beschieden worden. Doch dann habe sich die vom Kreis gewünschte Unterbringung im letzten Moment wieder erübrigt. Ende März bot sich das vor drei Jahren grundlegend restaurierte Torhaus dann aber an, als eine Familie im Ort zwar zunächst die ukrainische Familie aufgenommen hatte, diese aber überraschend mehr Köpfe zählte als angekündigt. Der Platz unterm Dach war dann doch zu beengt - und in der Pforte ist alles vorhanden, was man zumindest zum vorübergehenden Wohnen benötigt.

»Für den Vorstand war es selbstverständlich überhaupt keine Frage, der Bitte seitens der Stadt nachzukommen«, erläuterte Müller. Was noch fehlte, waren eine Waschmaschine und ein Trockner - »diese wurden in Rekordzeit organisiert und gespendet, wie auch einige weitere noch benötigte Alltagsgegenstände«. Ein kurzer Aufruf in der Ober-Bessinger WhatsApp-Dorfgruppe hatte gereicht.

So wird sich das Jahr 2022 gewiss wieder deutlich vom Vorjahr unterscheiden, über das Patrick Müller berichtete. Nach der pandemiebedingten Komplettschließung 2020 habe sich im vergangenen Jahr nämlich »in bescheidenem Umfang« Gästeleben in der Pforte eingestellt. Das Torhaus wurde sowohl von Pilgern als auch von Gruppen mit Eventcharakter angenommen - und bekam von allen beste Noten. Auch als Tagungsort für Vereine oder zum Beispiel den Ortsbeirat wurde es quasi Stammlokal.

Die Entwicklung des Vereinsvermögens ist weiter positiv, berichtete Kassiererin Verena Schäfer - auch, weil geplante Möbelkäufe aufgrund der aktuellen Situation erst einmal verschoben wurden.

Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) berichtete in seinem Grußwort, dass alleine die Stadt Lich bisher mehr als 150 Unterbringungen für Flüchtlinge organisiert habe. Gleichzeitig zähle man über 300 Bauwillige, und viele weitere suchten bezahlbaren Wohnraum. Er sei dem Verein und allen anderen in Lich, die helfen, sehr dankbar für die Unterstützung. Er wünschte dem Verein, dass nach der langen Corona-Zeit das Vereinsleben »sich wenigstens ein Stück weit wieder normalisiert«. Sollte es Probleme geben, dürfe man ihn jederzeit anrufen.

Einen kurzen Ausblick auf 2022 gab Patrick Müller. Im Mai ist eine Pilgerwanderung für Mitglieder geplant, am 9. Juli findet auf dem Schulhof neben der »Pforte« das Sommerfest statt, und im August beteiligt sich der Verein mit einem Wald-Angebot an den Licher Ferienspielen.

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