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Schmachtender Chor als Höhepunkt

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Tess Wiley, Cordula Poos und Evelyn Huber (von links) begeistgerten das Publikum in Lich. © Schultz

Ein voller Erfolg war die Kooperation der renommierten Musikerinnen Cordula Poos und Evelyn Huber bei ihrem Harfen-Doppelkonzert bei Blumen-Volz in Lich.

Lich . Ein voller Erfolg war das Doppelkonzert der Harfenistinnen Cordula Poos und Evelyn Huber am Mittwoch bei Blumen-Volz im Rahmen der Kulturwochen. Trotz der unwirtlichen Innentemperaturen hatten sich jede Menge Zuhörer eingefunden, um der Kooperation der renommierten Musikerinnen zu lauschen. Bestens disponiert, boten die ein äußerst hörenswertes Konzert, das die beachtlichen Fähigkeiten der beiden Musikerinnen eindrucksvoll präsentierte.

»Ich wollte gar nichts sagen«, zögerte Poos zu Beginn, »ich fang jetzt einfach an.« Wenigstens Poos, Huber und ihre Instrumente wurden an diesem Abend von drei kräftigen Heizstrahlern auf Betriebstemperatur gehalten. Poos ist in der Region wohlbekannt, Huber trat auch schon in der Synagoge auf, wo der Plan entstand, mal etwas gemeinsam zu unternehmen. Nun war es soweit, und man war gespannt. Poos erinnerte daran, dass sie direkt vor dem ersten Lockdown gemeinsam mit Tess Wiley das allerletzte Konzert ebenfalls hier gespielt hatte; auch eine Historie.

Sie musizierte zunächst einen Set eigener Titel. »1000 Fragen«, »Scarborough Fair« und ihren köstlichen Hit »Schnapsidee«. Mit leicht punkigem Tonfall (»Das sollte ursprünglich mal ein Hit werden«) und schönem Schwung sowie einer knackigen Geschichte (»Zwei heisere Wölfe streifen wieder durchs Revier«) war das ein Hauptspaß; heftiger Beifall. Auch das lyrisch verträumte »L›Isle sur la Sorgue« zeigte die bewährte lautenähnliche Klanganmutung und Poos‹ unverbrauchten vokalen Duktus: fein ziseliert, ein warmer Wind. In der Halle kratzte die Stimme allerdings gelegentlich.

Huber und Poos sind beide studierte Konzertharfenistinnen, schlugen jedoch nicht den Weg ins Orchesterfach ein, sondern - eine wesentliche Gemeinsamkeit - entdeckten die Harfe als Soloinstrument für sich. So sind sie seit Jahren in freier Arbeit und bei einigen Projekten mit Partnern aktiv; beide haben diverse Alben veröffentlicht.

Huber schlug sogleich einen großen Ton und füllte die Halle. Ihre Soundcharakteristik unterscheidet sich durch einen hörbaren, gut gemachten Anteil von Effekten, die zu ihrer durchaus gitarrrenorientierten Spielweiswe sehr gut passen. So konnte man sich den Klassiker »Summertime«, erweitert durch einige persönliche Akzente und schöne Flächen, prima anhören. Huber (»Es ist eine große Ehre, wieder in Lich zu sein«) glitt sogleich in ihre »Blurry footprints« hinein, den sie mit vollem Sound und sehr dramatisch musizierte - so hatte man die Harfe selten gehört. Zugleich haftete dieser Spielweise etwas ganz Natürliches an.

Der mit Spannung erwartete Duo-Teil des Abends begann mit Olafur Arnalds‹ »Tomorrows«. Poos besorgte den etwas filigraneren Part, Huber ließ gleichsam die Sologitarre erklingen. Das hörte sich sehr gut an und war abwechslungsreich, die Rollen waren adäquat verteilt. »Das klappt ganz gut mit uns beiden, nicht« sagte Huber lächelnd zu Poos. In ihrem »Niebla« erweiterte Huber ihre klangliche Palette um aufregende Kratzeffekte, um aus dem geräuschhaft perkussiven Duktus wieder ins klanglich Vertraute zu gelangen. Als Gast sang Singer-Songwriterin Tess Wiley mit Huber zwei Titel.

Mit schönem Groove vereinten sich Poos und Huber in der Duoabteilung in »For Gile« von Gregor Hübner mit inzwischen gewohnten Rollen zu einer Phase von Jazz mit Harfen. Schöne gleitende Überschneidungen und eine fabelhafte Klangsynthese. Noch ein Knaller, war das fetzige »Schnee von gestern«, vermutlich der einzige Harfen-Hip-Hop weit und breit, von Poos.

Abschließender Höhepunkt war ein sehr intensives »Wo gehst du hin?« (Poos) mit einem toll schmachtenden Chor mit Wiley. Huber lieferte überzeugende intensive Solobeiträge und zeigte sich als kongeniale Musikerin. So rundete sich ein attraktives Duoprogramm zu einer überzeugenden Gemeinschaftsleistung.

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