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Straßenbeleuchtung im Fokus

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Von: Rose-Rita Schäfer

Lich (rrs). Im Licher Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung gab Nico Herzberger, Leiter Straßenbeleuchtung bei der Ovag, detaillierte Informationen zum Thema »Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung«.

Zunächst aber schilderte Bürgermeister Dr. Julien Neubert den Status quo in Lich: »Energiesparen hat derzeit auch in den Kommunen oberste Priorität. In der Bürgermeisterversammlung letztes Jahr wurde eine Nachtabschaltung ins Auge gefasst, wobei allerdings neuralgische Verkehrspunkte aus Sicherheitsaspekten ausgespart werden müssen. Jede Leuchte benötigt infolgedessen quasi ein eigenes Schaltprogramm.« Laut Ovag, dem Stromversorger etlicher Kreiskommunen, darunter auch Lich, sei dieser Umbau kurzfristig weder technisch noch von der Beschaffung der Steuerelemente her machbar. »Die Ovag-Kommunen haben daher notgedrungen beschlossen, ab 1. November 2022 ab 20 Uhr die Lichtintensität abzusenken. Zusammen mit der Umstellung auf LED haben wir so 70 bis 75 Prozent Strom einsparen können«, so Neubert.

Herzberger verwies auf das im März 2022 in Kraft getretene Bundesnaturschutzgesetz, in dem aber etwa zur Umsetzung noch Grenzwerte für die Lichtemission oder eine Nachrüstpflicht für Gehäuse, in die Insekten nicht eindringen können, fehlen.

In Lich seien heute alle der 1520 Leuchten bis auf eine umgerüstet, Kostenpunkt 875 000 Euro vermindert um 107 000 Euro an Fördergeldern und die Einsparungen von rund 30 000 Euro. Das zielgerichtete Licht mit wenig Streuung ist mit 4000 Kelvin neutralweiß, obwohl warmweißes mit 3000 Kelvin zwar besser für die Insekten wäre, aber fünf Prozent mehr an Energie verbrauchen würde. Die abendliche Lichtabsenkung sei bei LED-Ausstattung optisch kaum wahrnehmbar. »Eine Nachtabschaltung bringt nicht wirklich entscheidend mehr an Energieeinsparung«, zeigte Herzberger anhand von Säulendiagrammen. Da in jeder Straße nur ein Kabel liege, müsste jede Leuchte ein extra Steuermodul erhalten. Würde man zwischen 0 und 5 Uhr ganz abschalten, würden 25 000 Euro an Strom eingespart, also 1,39 Euro pro Einwohner. Dem ständen Kosten von rund 11 200 Euro für die Umrüstung gegenüber. Problematische Stellen wie Straßenkreuzungen oder Fußgängerüberwege, aber auch Verkehrszeichen müssten weiter beleuchtet werden, und für die Bereitschaftsdienste wie Feuerwehr oder Krankenwagen wäre die Suche im Dunkeln schwierig.

Aus dem Plenum wurden statt der Steuermodule Bewegungsmelder an jeder Leuchte vorgeschlagen. Nur leider verbrauchen solche Melder zusätzliche Energie, wodurch die Nachtabschaltung-Einsparungen hinfällig wären. Beschlüsse zum Thema Abschaltung wurden keine gefasst.

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