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Unternehmergeist gezündet

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Von: Rose-Rita Schäfer

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Die 9. Schulklasse der DBS mit den Verantwortlichen des Workshops. Foto: Schäfer © Schäfer

Tür 24 Neuntklässler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich, darunter auch Kinder der Evangelischen Stiftung Arnsburg. hieße es jetzt »Ich bin der Boss«.

Lich (rrs). »Ich bin der Boss« hieß es für 24 Neuntklässler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) in Lich, darunter auch Kinder der Evangelischen Stiftung Arnsburg. Vier Tage lang drückten sie nicht die Schulbank, paukten weder Mathe noch Deutsch, sondern versuchten sich als Unternehmer mit eigener Firma. In dem Workshop »Campusunternehmer« des Hamburger Vereins Futurepreneur, der im »RAUM« der ehemaligen Gärtnerei Volz in Lich stattfand, wurde spielerisch ihr Unternehmergeist gezündet. Unter Anleitung lernten sie ihre Potenziale, Fähigkeiten und Ressourcen kennen und entwickelten ihre persönlichen Geschäftsideen, die dann am letzten Tag in die Tat umgesetzt wurden. In der Licher Innenstadt versuchten sie, ihre Waren oder Dienstleistungen an den Mann oder die Frau zu bringen.

Mit den begeisterten Worten »Die Schüler haben in den letzten 24 Stunden die Welt gerockt. Es wird wohl für alle immer ein Vorher und ein Nachher geben, einen deutlichen Einschnitt in ihrem Leben«, eröffnete Fabian Scharping, Geschäftsführender Vorstand der Evangelischen Stiftung Arnsburg (ESTA) in Lich, die abschließende Feierstunde zur Diplomübergabe. Das gemeinsame Projekt von DBS und ESTA wurde aus Mitteln des Landes Hessen aus dem Programm »Löwenstark«, Geldern der Beisheim Stiftung sowie aus Eigenmitteln von Futurepreneur und der Ev. Stiftung Arnsburg finanziert. »Wir haben die Chance für euch als Erste in Hessen ergriffen, nehmt diese Erfahrung mit in euer Leben«, legte Scharping den Schülern ans Herz.

Jugendliche wollen die Zukunft ändern, ihre eigenen Wünsche und Ideen umsetzen. Das ist schwer, wenn man die eigenen Potenziale nicht richtig einschätzt. »Bei uns bekommen die jungen Menschen die Chance, mit einer persönlichen Geschäftsidee in der Realität das erste Geschäft ihres Lebens zu betreiben«, sagte Kerstin Heuer, Gründerin und Geschäftsführerin von Futurepreneur. Das Ziel sei aber nicht das Verkaufen, sondern die Motivation zum eigenen Handeln.

Ausprobieren

In Deutschland sei alles mit »aber« belegt, dabei gehe es ums »machen«. Die Jugendlichen sollen ihre eigenen Handlungsspielräume erkennen, damit sie ihr Leben selber gestalten können. Das Augenmerk liege weniger auf dem klassischen Firmenboss. Im Mittelpunkt ständen Ausprobieren und Umsetzen, Verantwortung tragen, das Scheitern zu üben und daraus zu lernen, Mut und Teamgeist zu zeigen, Tatkraft, Beharrlichkeit, Erfolgswille und auch der Mut, auf fremde Menschen zuzugehen, dürften nicht fehlen. Das alles könne im geschützten Raum des Workshops ausgelotet werden.

Los ging es am ersten Tag mit Brainstorming und Kreativitätsübungen. Besonders wichtig die »5-Euro-Chance«, will heißen, man soll jede noch so kleine Chance, die man vor der Nase hat, nutzen. Ein abgestürztes Flugzeug auf der grünen Wiese, keine Chance - doch. Bei Google »Flugzeug grün« eingeben liefert hunderte Links mit versteckten Geschäftsideen. Am zweiten Tag standen Fragen wie »Wer seid ihr? Was könnt ihr besonders gut? Was könnt ihr besser als andere?« im Mittelpunkt. »Oft sind den Jugendlichen ihre Stärken gar nicht bewusst. Da spricht einer Russisch und denkt, das sei normal. Er macht sich aber nicht bewusst, dass das eben nicht jeder kann und dass man das gewinnbringend einsetzen könnte«, erklärte Heuer. Außerdem waren zwei Unternehmer, Hacan Avci, Spieleentwickler fürs Fernsehen, und Anke Kleffmann, Geschäftsführerin der Miro GmbH mit Sitz in Lich, vor Ort, erzählten ihre Geschichte und stellten sich den Fragen der Schüler. Am dritten Tag erarbeiteten die Schüler ihre eigenen Geschäftsideen. Hier waren von jedem 25 individuelle Vorschläge gefragt, aus denen dann das jeweilige Team den besten auswählte. Dann am vierten Tag wurden die Ideen in die Tat umgesetzt und von 8 bis 13.30 Uhr in der Licher Innenstadt getestet. Sechs Teams mit drei bis fünf Schülern gingen mit folgenden Geschäftsideen an den Start: »Einkäufe« - Einkäufe nach Hause tragen. »Laubhelfer« - Laub zusammenkehren und in der grünen Tonne entsorgen. »EDJN« - Aufmunterung im Herbst mit Kränzen, Sträußen und Teelichtern mit einem netten Spruch am Boden.

Sonderpreis

»Herbstbilder« - Menschen oder Tiere im Licher Schlosspark mit einer Spiegelreflex-Kamera ablichten und die Fotos sofort digital oder ausgedruckt mitgeben. »Rosig« - Verkauf von individuell angefertigten Armbändern sowie Rosen inklusive kleiner angehängter Sprüche. »Point by numbers« - eine ganz witzige Idee, die den Sonderpreis des Workshops errang. Eine Kombi in drei Schwierigkeitsstufen aus Malen nach Zahlen und Englisch lernen. Auf einer Karte eine Zeichnung, zum Beispiel eine Blume. Das englische »Flower« auf der Schlüsselkarte gab dazu die Ausmal-Farbe an. Alle Teams erzählten von anfänglichen Schwierigkeiten, fremde Menschen anzusprechen, waren dann aber überrascht, wie gut ihre Ideen ankamen und mussten teilweise sogar wegen hoher Verkaufszahlen eiligst nachproduzieren. Ein Team wechselte mutig kurzfristig die Geschäftsidee, als sich heraus kristallisierte, dass ihr ursprüngliches Vorhaben nicht gut anlief. Ein anderes Team hatte mit Streitigkeiten zu kämpfen, raufte sich aber immer wieder zusammen. »Man braucht Mut und Durchhaltevermögen, das zu machen, was man denkt«, kommentierte Scharping lächelnd.

Die Diplome wurden gemeinsam von Christopher Lipp, Erster Kreisbeigeordneter und Schuldezernent des Landkreises Gießen, und Hermann Otto Solms, ehemaliger Vizepräsident des Deutschen Bundestages und selbst mal früher Unternehmer in der Videospiel-Automaten-Branche, überreicht. Mit der Solmschen Weisheit »Man braucht eine gute Idee und Praxis. Gute Zeiten sind einfach, aber nur schwierigen Phasen oder Misserfolgen bringen einen weiter voran« und dem Tipp »Hebt die Diplome gut für anstehende Bewerbungen auf« kehrten die Jugendlichen in ihren Schulalltag zurück.

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