1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lich

Viel länger und viel teurer

Erstellt:

gikrei_klk_Buergerhaus_31_4c
Immer noch wird am Bürgerhaus gearbeitet. Mittlerweile betragen die Kosten bereits 3,5 Millionen Euro. © Kächler

Die Öffnung des Licher Bürgerhauses steht auch dieses Jahr in den Sternen. Mittlerweile steht schon seit drei Jahren das Gerüst und die Kosten haben sich vervielfacht.

Lich. »Dafür, dass das Bürgerhaus in diesem Jahr noch wiedereröffnet werden kann, werde ich meine Hand nicht ins Feuer legen,« sagte Michael Dewald vom Architekturbüro Leidner + Partner und rückte damit von dem Plan ab, die dringend benötigte Halle noch im November 2022 wieder freizugeben.

Im Licher Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung mussten sich Architekt Dewald, Diplom-Ingenieur Hochbau Christoph Leidner und Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) als Chef der Verwaltung unangenehmen Fragen stellen.

Ursprünglich sollte das Bürgerhaus, dessen Halle von vielen Vereinen genutzt wird, 2020 fertig werden. Danach wurde das Eröffnungsdatum immer wieder verschoben. Mittlerweile steht schon seit drei Jahren das Gerüst und die Kosten haben sich vervielfacht. Von den ursprünglich eingeplanten 1,8 Millionen explodierte der Finanzbedarf auf inzwischen 3,5 Million Euro.

Neben erheblichen baulichen Mängeln, die erst im Verlauf der Sanierung entdeckt wurden, und einer aufwendigen Betonsanierung seien vor allem die lange Wartezeit auf ein alternatives Brandschutzkonzept und die Suche nach einem neuen Elektroplaner, nachdem der »alte« abgesprungen war, für die Verzögerungen verantwortlich gewesen, so Bürgermeister Neubert.

Auf die Nachfrage von Michael Pieck (Grüne), warum ein zweites Brandschutzgutachten überhaupt nötig wurde, waren sich Architekten und Bauverwaltung uneins. Wie Bauamtsleiter Marco Römer erläuterte, hätte das ursprüngliche Brandschutzkonzept nicht die Mitbenutzung des Hallenfoyers erlaubt. was aber für größere Veranstaltung gewollt gewesen sei. Bis das neue Gutachten fertig war vergingen rund zehn Monate. »Wie konnte der Elektroplaner einfach während der Bauzeit ohne Regressforderungen kündigen«, fragte Berchthold Büxel (Grüne). Neubert verwies darauf, dass er erst seit 2020 als Bürgermeister Einblick in das Projekt hatte, gestand aber Versäumnisse in der Vergangenheit ein. Die Suche nach einem neuen Elektroplaner dauerte ebenfalls viele Monate.

»Allein das Gerüst so lange stehen zu lassen, kostet doch ein Vermögen«, merkte Joachim Siebert (BfL) an.

Auf die Überlastung der Bauverwaltung wies Neubert hin. Durch Krankheit und eine Haushaltssperre seien dort Stellen nicht besetzt gewesen. Den Vorschlag von Büxel, in solchen Fällen auf externe Fachplaner zurückzugreifen, nahm Neubert auf und erklärte, dass man für den geplanten Bau einer neuen Sporthalle bereits in dieser Art und Weise verfahren wolle. Er merkte an, dass ein Neubau des Bürgerhauses wesentlich teurer geworden wäre als eine nachhaltige Sanierung. Durch die Entwicklung auf dem Bausektor und die aktuellen Lieferschwierigkeiten steht eine Wiedereröffnung in diesem Jahr allerdings in den Sternen.

Auch interessant