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War es ein schlechtes Geschäft?

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Im Logistikzentrum Lich nahm der amerikanische Online-Möbelhändler Wayfair im Mai 2021 den Betrieb auf. © Kächler

Bündnis fragt im Ausschuss: War der Verkauf ein schlechtes Geschäft für die Stadt? Bürgermeister und Bauamtsleiter stehen Rede und Antwort.

Lich . Fünf Millionen Euro hat die Dietz-AG 2019 für den Erwerb des Areals für das Logistikzentrum auf der Langsdorfer Höhe hingeblättert. Ob das wirklich ein gutes Geschäft für die Stadt Lich war, wollte jetzt das Bündnis aus BfL, Grünen und FDP wissen. Im extra eingerichteten Ausschuss »Logistikzentrum Langsdorfer Höhe« nahmen Bürgermeister Dr. Julien Neubert (SPD) und Bauamtsleiter Marco Römer zu den FRagen nach den Kosten im Zusammenhang mit der Erschließung der »Langsdorfer Höhe« Stellung.

Zunächst führte Bürgermeister Neubert aus, dass die Restschulden aus dem Rückkauf des Geländes von der HLG rund 2,5 Millionen Euro betragen hätten. Die Kosten für den Erwerb weiterer Grundstücke lagen demnach bei 2,3 Millionen Euro. Für die Erstellung eines Bebauungsplanes schlugen 67 858 Euro plus 20 157 für die Bodenumlegung zu Buche. Weitere Kostenstellen waren: Der Rückbau der Starkstromanlage, die über das Gelände der Langsdorfer Höhe führte (74 763 Euro), die Montage eines Stahlvollwandmastes (30 632 Euro) sowie die Demontage eines weiteren Tragmastes (20 504 Euro).

Für den Straßenbau inklusive Kanal und Wasser musste die Stadt 71 589 Investieren.

Für Gas, Strom und Glasfaserversorgung seien der Stadt Lich keine Kosten entstanden. Alle damit verbundenen Kosten wurden direkt von der Dietz AG getragen. Auch die Herstellung der Hausanschlüsse Wasser- und Abwasser seien von der Firma Dietz getragen worden, berichtete Marco Römer.

Folgekosten entstehen der Stadt auch durch die Uterhaltungspflicht für den »kleinen« Kreisverkehr auf der Hungener Straße. Für Straßenverkehrsflächen rechne man mit etwa einem Euro pro Quadratmeter im Jahr an Unterhaltungskosten, machte Neubert deutlich. Allerdings sei die Hungener Straße auch schon vorher in der Unterhaltungspflicht der Stadt gewesen. Durch die Baumaßnahme könne man davon ausgehen, dass für die Fahrbahn in den nächsten 15 Jahren keine weiteren Sanierungsmaßnahmen notwendig würden. Somit verbleibe lediglich die Pflege der Grünfläche auf der Mittelinsel als zusätzlicher Aufwand. Hierfür sei im städtebaulichen Vertrag eine pauschale Zahlung in Höhe von 20 000 Euro durch die Dietz AG vereinbart worden.

Mit welchen weiteren Maßnahmen und Kosten die Stadt für den eventuell notwendigen Ausbau des Kanalsystems, der Kläranlage sowie der Folgen der zunehmenden Hochwassergefahr bei Starkregen durch die massive Versiegelung der Flächen auf der »Langsdorfer Höhe« rechnen müsse, fragte Martin Seifert (BfL).

Durch die Bebauung der »Langsdorfer Höhe« mit einem Logistikzentrum sei nicht mit notwendigen weiteren Maßnahmen und Kosten zu rechnen. Zum einem sei der Boden im gesamten Gebiet von »sehr schlechter Qualität«, so Römer. Eine Versickerung von Niederschlägen habe deshalb nur bedingt stattgefunden. Zum anderen habe man zusätzliche bauliche Schutzmaßnahmen in Form eines Rückstaukanals und drei Rückhaltebecken geschaffen.

»In den zurückliegenden Starkregenereignissen ist es bisher noch zu keinen Problemen gekommen, die auf die Versiegelung der Fläche in der Langsdorfer Höhe zurückzuführen sind«, erklärte der Bauamtsleiter.

Eine Erweiterung oder ein Ausbau des Schmutzwassernetzes oder auch der Kläranlage sei durch die Bebauung mit dem Logistikzentrum nicht zu erwarten.

Lediglich eine Erweiterung des Regenwasserkanals im Teufelswiesenweg sei vorgesehen, der aber durch die großen Mengen an Außengebietswasser sowieso erforderlich werde. betonte Neubert. Aus dem Regenrückhaltebecken für die Langsdorfer Höhe würden lediglich 150 Liter pro Sekunde abgegeben. Dieser EWert entspreche auch der Genehmigung. An der Einleitstelle des Kanals am Weidgraben würden aber rund 2,3 Kubikmeter pro Sekunde ankommen. Das Zeige we gering der Anteil der »Langsdorfer Höhe sei.

»Wenn ich alle Kosten zusammenrechne, hat die Stadt ein schlechtet Geschäft mit dem Verkauf der Langsdorfer Höhe gemacht«, resümierte Magnus Schneider (BfL) nach dem Vortrag der Kostenaufstellung.

Bürgermeister Neubert entgegnete, dass man bei der Bewertung nicht vergessen dürfe, dass mit dem Mieter Wayfair im Logistikzentrum auch Grund- und Gewerbesteuer nach Lich fließe. Außerdem würden hier 500 Arbeitsplätze geschaffen.

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