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»Wertschätzung« wird vermisst

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Vertreter aus allen betroffenen Abteilungen der Asklepios-Klinik in Lich wollten gestern einen von 288 Mitarbeitern unterzeichneten offenen Brief an die Geshäftsleitung übergeben. Trotz schon vor zehn Tagen erfolgter Ankündigung ließ sich niemand von der Geschäftsführung blicken. © Kächler

Angestellte der Asklepios-Klinik Lich fürchten um ihre berufliche Zukunft

Lich ,. Vor rund zwei Monaten kündigte die Geschäftsleitung der Asklepios-Klinik in Lich »Umstrukturierungsmaßnahmen« an. Mit Labor-, Röntgen- und Physio- sollen drei Funktionsabteilungen sowie die letzten im Haus verbliebenen Reinigungskräfte vom Betrieb abgekoppelt und »in Tochtergesellschaften überführt« werden.

Am Dienstag wollten nun Vertreter der betroffenen Abteilungen einen Offenen Brief, in dem sie ihre Befürchtungen zu dieser Maßnahme äußern, dem Geschaftführer Fabian Mäser übergeben, 288 Beschäftigte der Klinik unterstützten die vom Outsourcing bedrohten Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Unterschrift.

»Viele sind zutiefst von der Geschäftsleitung enttäuscht«, erklärte Betriebsrat Jürgen Bremer. Mehrere Mitarbeiter hätten bereits aus Frustration gekündigt.

Es gebe aber kaum Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt, um die entstandenen Lücken zu schließen. »Dabei sollte Mitarbeiterbindung in Zeiten des Personalmangels eigentlich ganz oben auf der Agenda stehen«, machte der Betriebsrat deutlich.

Dazu gehörten aber auch vernünftige Arbeitsbedingungen und tariflich konkurrenzfähige Entlohnung. »Deshalb ist der Betrieb aus Sicht des Betriebsrates zurzeit akut gefährdet«, so Bremer.

Gewerkschaftssekretärin Saskia Teepe (Verdi) ergänzte, dass die Angestellten der Asklepios-Klinik nach wie vor ohne gültigen Tarifvertrag arbeiteten. Sie bedauerte sehr, dass sich niemand von der Geschäftsleitung blicken ließ. Der Geschäftsführer sei bereits am 17. Januar in einer gemeinsamen Mail von Vertretern der vier betroffenen Abteilungen über die Unterschriftensammlung informiert und gebeten worden, diese um 12.30 Uhr vor dem Haupteingang entgegenzunehmen. »Diese Mail blieb leider ebenso unbeantwortet wie eine nachfolgende Nachfragemail der Kolleginnen«, so Teepe. »Leistung braucht Wertschätzung«, machte auch Marion Baur als Vertreterin der betroffenen Abteilungen deutlich. Dies drücke sich zunächst einmal in einer angemessenen Bezahlung aus.

»Da sieht es hier in Lich für uns nicht-ärztliche Mitarbeiter, die nicht der Pflege zuzuordnen sind, seit Jahren ganz schlecht aus. Während MTA-Kolleginnen des UKGM Gießen im vergangenen Frühjahr durch einen Tarif-Abschluss mit der Gewerkschaft ver.di ihr Gehalt um bis zu 400 Euro aufstocken konnten, fehlt unserem Krankenhaus seit dem Sommer ein Tarifpartner.«

Die Mitarbeiter hätten in den letzten Jahren zum »wirtschaftlichen Wohle des Hauses« alles gegeben. so Bauer, die selbst seit 1982 in der Licher Klinik arbeitet.

So heißt es auch in dem Offenen Brief: »Neben dem Stolz auf das, was wir in den letzten Wochen, Monaten und Jahren gemeinsam geleistet haben, verbindet uns nun auch die gemeinsame Enttäuschung, die Trauer und die Wut angesichts der aktuellen Pläne der Geschäftsführung. Wohin die Reise für uns geht, wissen wir noch nicht.« Lediglich die aus besseren Zeiten stammende Identifikation mit der Arbeit im Hause, die zum Teil jahrzehntelange Verbundenheit mit der Klinik und ebenfalls langjährigen Mitarbeitern und nicht zuletzt der kollegiale Zusammenhalt im Laborteam halte die Mitarbeiter noch.

Von der Geschäftsleitung: der Asklepios-Klinik in Lich war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

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