1. Startseite
  2. Kreis Gießen
  3. Lich

Wie die Katze tanzen...

Erstellt: Aktualisiert:

gikrei_klk_MartinPfeiffe_4c_1
Martin Pfeiffer begeistert mit seinem Umsonst-Konzert die Kinder in der Kita Gleienberg in Lich. © Schäfer

Lich (rrs) Am Mittwochmorgen wartete auf die Kinder der Kita Gleienberg eine ganz besondere Überraschung: Kinderlieder-Sänger Martin Pfeiffer hatte sich für ein Konzert angesagt. Aufgeregt wuselten die Knirpse durch die Räume und fragten unzählige Male »Wann geht es denn los, ist er schon da?« Dann war es endlich soweit, Jacken an und raus ins Grüne zum Konzert bei strahlendem Sonnenschein.

Pfeiffer griff zu seiner Gitarre, stellte den elektronischen Beat an und rief in die Menge »Lasst uns singen, tanzen und springen«.

Das ließ sich keines der rund 60 Kinder zweimal sagen. Bei dem Buchstaben-Lied mit »Seid ihr alle da für A, Lasst uns springen für I oder wackeln mit dem Po für O« wurde kräftig gesprungen, gewackelt und in die Hände geklatscht. Weiter ging es mit dem Klassiker von der kleinen Wanze »Auf der Mauer, auf der Lauer«, wo die Kids bei Wanze in jeder neuen Strophe einen Buchstaben weg lassen mussten. Richtig toben war bei »Wer hat die Kokosnuss geklaut« angesagt.

Ein geradezu ergötzliches Bild boten die Kids zur Musik von Fredrik Vahles Klassiker »Die Katze tanzt allein«, denn auf einem Bein zu tanzen ist gar nicht so einfach. Hier mussten die Betreuerinnen bei manchen sogar spontan als Stütze herhalten. Da war »Die Türen vom Bus gehen auf und zu« mit Bremsen oder Kurve fahren schon eher zu bewältigen.

Mühelos gelang es dem Kinderpartymacher Pfeiffer, mit lauten und leisen Tönen sowie einer steten Interaktion gepaart mit getanztem »Frühsport« die Kids über eine Stunde lang in seinen Bann zu ziehen. Nur drei der Kleinen wagten sich nicht ins Getümmel, saßen still zurückgezogen mit Mama auf einer Bank am Rand.

Geschafft vom vielen Hüpfen

Die Erwachsenen waren nach dem Konzert ziemlich geschafft von dem vielen Hüpfen, die Kids aber noch taufrisch, hätten am liebsten weiter gemacht. Großes Interesse fand nun die musikalische Ausrüstung von Pfeiffer. Wie funktioniert das Mikrophon, der Verstärker und der elektronische Beat? - alles wurde genauestens nachgefragt. Martin Pfeiffer scheint für die Kids das zu sein, was Michael Jackson für die Erwachsenen ist. Bis zuletzt war er umlagert von seinen kleinen Fans, die noch tausend Fragen an ihn hatten und ihn anhimmelten, wie es sonst nur Teenager-Groupies tun. Zum Abschluss erhielt jedes Kind eine Autogrammkarte und jede der vier Gruppen eine CD des Musikers zum immer wieder hören.

Kita-Leiterin Angelika Kahle bedauerte, dass nur rund 60 der 100 Kinder bei dem außergewöhnlichen Konzert dabei sein konnten. »Viele sind im Osterurlaub und der Rest hat Corona«.

Der 1961 in Buseck geborene Pfeiffer ist Sänger, Texter, Komponist und Produzent. Kinder liegen ihm ganz besonders am Herzen. Seit 2014 spielte er an die 100 Kinderlieder-Konzerte pro Jahr und hat mittlerweile 200 000 CDs unters Volk gebracht. Er kann dabei auf ein Repertoire von rund 200 Kinderliedern zurückgreifen, die immer mit Bewegung und Tanzen verbunden sind. Aber Corona hat alles geändert, seit zwei Jahren kaum mehr ein Konzert. »Kinder haben ein Recht auf eine bunte Kindheit und da gehört Musik einfach mit dazu«, ist Pfeiffer überzeugt. Durch die Pandemie mussten die Kids auf so vieles verzichten, deshalb hat Pfeiffer die Aktion »Gratiskonzerte für die Kita-Kids« ins Leben gerufen. Zwischen Butzbach und Marburg, Wetzlar und Grünberg gibt er dieses Jahr 100 kostenlose Konzerte in Kitas. Mit dabei auch die Kita Gleienberg und im Mai die Kita Oberstadt. »Die 100 Termine sind schnell weg gewesen, denn es gab über 150 Anfragen, sogar Schulen waren mit darunter, wurden aber nicht mit einbezogen«, berichtet Pfeiffer und klopft seine Absichten fest: »Ich wollte einfach etwas für die gebeutelten Kinder machen. Es gab ja lange kein gemeinsames Hüpfen, Singen, Tanzen, geschweige denn Kita-Partys oder Kindergeburtstage. Musik ist für Kinder fundamental wichtig, sie fördert Sprachentwicklung genauso wie Beweglichkeit und den Gruppenzusammenhalt«.

Auch interessant