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»Wollte nie etwas anderes machen«

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Kati Gerstmann zeigt ihren Jubiläumsteller zum 70. Geburtstag der Töpferei Dippemühl in Lich am Schlosspark und lädt heute und morgen zum Tag der offenen Töpfereien ein. © Schäfer

Töpferin Kati Gerstmann öffnet am Wochenende ihre Licher Dippemühl

Lich (rrs). Zum 17. Mal läuft bundesweit der »Tag der offenen Töpfereien«. Ein ganzes Wochenende dreht sich alles um das alte Kunsthandwerk und Besucher haben die Möglichkeit einmal hinter die Kulissen einer Töpferei zu schauen, Fragen zu stellen, die neuesten Kreationen käuflich zu erwerben oder einfach nur die gemütliche Werkstattatmosphäre zu genießen.

Auch die alteingesessene Töpferei Dippemühl in Lich direkt am Schlosspark öffnet ihre Pforten. Die Besitzerin und gelernte Töpferin Kati Gerstmann hat mit den letzten Vorbereitungen abgeschlossen. Alle Ausstellungsstücke sind rechtzeitig fertig geworden, denn heute und morgen zwischen 10 und 18 Uhr hofft sie auf regen Besuch. Bei Werkstattführungen können getreu dem »Tag der offenen Töpfereien«-Motto »schauen, anfassen, staunen«, von Gerstmann kurzerhand durch »kaufen oder bestellen« erweitert, Kaffee- und Teeservice, Schalen, Schüsseln, Becher, Dosen, Namensschilder und vieles mehr bewundert werden.

Außerdem wartet auf die Besucher eine kleine Überraschung. An beiden Tagen sind FFP2-Masken Pflicht.

Besonders stolz ist Gerstmann auf ihre neuesten Exponate »Ich habe neue Farben entwickelt, außer dem üblichen Dunkelblau und Braun gibt es meine Töpferwaren jetzt auch in Hellblau, Rosa Hellgrün oder Rot.« Neben dem brandaktuellen Design sind aber nach wie vor auch die »alten« Muster und Techniken zu bestaunen. Da immer mehr Menschen ihre Liebe zur handgefertigten, individuellen Keramik entdecken, ist Vielfalt heutzutage ein nicht zu unterschätzender Faktor, wirft sie in die Waagschale und schwärmt: »Die Arbeit mit Ton ist für mich der absolute Traumberuf, ich wollte nie etwas anderes machen. Mir gefällt das Material, vor allem sein Geruch erinnert mich an meine Kindheit, und ich kann von Anfang bis Ende alles selber gestalten. Auch fesselt es mich immer wieder aufs Neue, Alltagsgegenstände herzustellen, die in ihrer Schönheit über die reine Funktion hinausgehen.«

1999, als sie 23-jährig gerade ausgelernt hatte, übernahm sie die Töpferei und jetzt mit 46 stellt sie lächelnd fest: »genau mein halbes Leben habe ich hier in der Dippemühl verbracht. Das hätte ich mir früher nie träumen lassen, aber mir gefällt es hier«.

Zudem gibt es dieses Jahr doppelten Grund zur Freude, denn die Töpferei, 1952 gegründet, wird 70 Jahre alt, was im Sommer gebührend gefeiert werden soll.

Dann erzählt Katrin Gerstmann von dem um 1719 erbauten Fachwerkhaus, das ursprünglich als Untermühle genutzt wurde und heute die Töpferei beherbergt. Das große Mühlrad gibt es nicht mehr, aber das Wehr mit dem herabstürzenden Wasser kann noch bewundert werden. Sie selbst hat erst mal notgedrungen, da keine wunschgemäße andere Lehrstelle frei war, Tischlerin gelernt, bevor sie eine Lehre als Keramikerin absolvierte. Seit nunmehr 23 Jahren ist sie selbstständig in der Dippemühl.

Viel gelernt habe sie von ihrer inzwischen verstorbenen Vorgängerin Ursula Engert, die ab 1952 die Töpferei betrieb.

»Wie oft habe ich meine Vorgängerin um Rat gefragt, sie war eine echte Künstlerin und wie eine Großmutter für mich«, blickt Gerstmann zurück und erinnert sich wehmütig. »Frau Engert war glücklich hier bis zuletzt, auf dem Sterbebett sagte sie zu mir: ›Wir haben den schönsten Beruf der Welt - und dass du hier weitermachst, versöhnt mich mit dem Tod‹«.

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