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500 Tonnen Stahl verbaut

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Linden (twi). Lindens längste Mauer wurde im Zuge der Sanierung des Bahndamms der Main-Weser-Bahn errichtet. Die technischen Bauarbeiten fanden bereits am 15. Dezember 2021 ihren erfolgreichen Abschluss.

Aktuell erfolgen noch Rest-Arbeiten wobei die Verbindungsstraße zwischen Bahnviadukt Sudetenstraße/Mittelweg/Nikolaus-Otto- Straße/Zufahrt Forst nun wieder mit 50 km/h befahren werden kann. Während der Bauarbeiten war noch Tempo 30 angesagt.

Zwölf Millionen Euro hat die Deutsche Bahn für die Sanierung des Bahndamms in Großen-Linden zwischen Bahnkilometer 138,300 bis 139,330 aufgewendet, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. »Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen in Abstimmung mit den Umweltbehörden für die Ausschreibung der Rekultivierungsarbeiten. Wie bereits in einer Bürgerversammlung und einem Ortstermin versprochen, werden wieder Bäume im Bereich von Dammböschungen gepflanzt. Diese Maßnahmen werden in Kürze realisiert«, erläuterte eine Bahnsprecherin.

Gleiserweiterung

2019 wurden zunächst Schlingnattern umgesiedelt. Es wurde gerodet und stufenförmig der Damm abgetragen. Bei diesen Arbeiten stellten Experten in einem größeren Maß als gedacht Instabilität an den Böschungen, Verformungen des Bahnkörpers wie auch Setzungen im Gleisbereich fest. All das verlängerte die Sanierungsarbeiten um ein halbes Jahr.

Nicht nur Lindens längste Wand auf der Ostseite des Bahndamms, sondern vor allem das darauf aufgesetzte rote Geländer sticht ins Auge. 190 Meter ist die Trägerbohrwand.

Darüber hinaus wurde östlich noch eine 80 Meter lange Gabionenwand errichtet.

Nicht zu sehen ist eine weitere Trägerbohrwand auf der Westseite des Bahndamms, die allerdings nur 110 Meter lang ist. In einem zweiten Bauabschnitt wurde hier zudem eine 170 Meter lange Gabionenwand angelegt.

Für die nun abgeschlossenen Sanierungsarbeiten mussten auf einer Fläche von fast drei Hektar Bäume und Sträucher entfernt werden. Auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern wurden insgesamt 10 500 Kubikmeter Boden ab- und 30 000 Kubikmeter Boden aufgetragen werden. 500 Tonnen Stahl wurden für die Stützwandkonstruktion benötigt. Für den erfolgten Kahlschlag erfolgten bereits Ausgleichsmaßnahmen. So wurden zur Lückebachrenaturierung im Gebiet Mühlberg auf der Ostseite der Gießener Straße und auch an zwei weiteren Stellen in unmittelbarer Nähe der beiden Leihgesterner Storchennester Wasserstellen angelegt.

Eine große Frage für die Zukunft ist, ob das dritte Gleis als Infrastrukturerweiterung noch kommt. Ein solches ist seit den 80er Jahren immer wieder im Gespräch. Als die Bahn 2015 das Bahnviadukt Sudetenstraße/Zufahrt Forst sanierte, wurden allerdings die beiden Gleise näher zusammengeführt.

Peanuts

Doch der Bundesverkehrswegeplan 2030 in der Fassung 2018 verheißt für die Main-Weser-Bahn zwischen Gießen-Bergwerkswald und Friedberg dennoch einen Ausbau. »Aufgrund der hohen Auslastung ... mit Personenverkehr, insbesondere im Abschnitt Marburg-Gießen-Friedberg-Frankfurt, ist der zwangsläufige Ansatz eine Gleiserweiterung mit entsprechendem Lärmschutz«.

Auch wenn zwölf Millionen Euro für eine 1,03 Kilometer Meter lange Strecke beachtlich klingen, sind das im Vergleich mit 1,93 Milliarden Euro, die die Bahn allein im vergangenen Jahr in Hessen investierte, Peanuts.

Vor 170 Jahren, am 15. Mai 1852, verkehrte der erste Zug durchgehend von Kassel nach Frankfurt auf der Main-Weser-Bahn, nachdem als letztes Teilstück eben jener Bahndamm bei Großen-Linden fertiggestellt und damit der Lückenschluss vollzogen war. Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Linden, Helmut Faber, hatte herausgefunden, dass der Damm auf Torf- und Moorboden errichtet wurde und bei feuchtem Wetter kaum passierbar war. Hier befand sich etwa die Großen-Lindener Torfgrube, die ihren Betrieb wegen des Bahndammbaus einstellen musste.

Als Hauptschwierigkeit erwies sich der Durchstich des Bergrückens, über die sogenannte Lindener Mark, bis zur Gemarkungsgrenze Klein-Linden und Gießen. Dies verzögerte den Bau und den Lückenschluss zwischen Gießen bis Lang-Göns. Daher musste die Post 1850 bis 1852 als Personenbeförderer einspringen. »So kam auch der damalige Preußische Ministerpräsident und spätere erste Reichskanzler Otto von Bismarck 1851 als preußischer Gesandter auf der Fahrt zum Bundestag in Frankfurt in Lang-Göns an. Der Tisch im Gasthaus »Zur »Post« an dem er gesessen hat, wurde zur Feier 100 Jahre Main-Weser-Bahn noch gezeigt. Ob er heute noch existiert, weiß ich nicht«, hatte Faber dazu berichtet.

Zur Eröffnung wurde die Strecke eingleisig befahren. Das zweite Gleis wurde 1863 bis 1865 gelegt.

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