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Ältere Mitbürger werden diskriminiert

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Als massive Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen empfindet der Seniorenbeirat, dass bestimmte Dienstleistungsangebote der Stadt nur noch im Internet zu erkennen und verfügbar sind.

Linden (twi). Eine Verlängerung der Legislaturperiode und die Teilnahme am Hessischen Demografiepreis 2022 standen im Mittelpunkt der Sitzung des Seniorenbeirats Linden. Eigentlich müsste in diesem Jahr ein neuer Seniorenbeirat gewählt werden, doch wie sich mit Aufnahme der Arbeitstätigkeit des ersten gewählten Seniorenbeirats zeigt, sei eine zweijährige Legislaturperiode nicht sinnvoll. In der von der stellvertretende Seniorenbeiratsvorsitzenden Sonja Hofmann geleiteten Sitzung sprachen sich alle Mitglieder für eine Anpassung der Wahlzeit auf fünf statt wie aktuell festgeschrieben zwei Jahre aus. Joachim Pirr begründete den Antrag, über den nun letztendlich die Stadtverordnetenversammlung mit einer damit einhergehenden Änderung der Geschäftsordnung zu entscheiden hat, damit, dass die bislang gemachten Erfahrungen der Seniorenbeiratsarbeit gezeigt haben, dass die in der Geschäftsordnung verwaltungstechnisch vorgegebenen Fristen innerhalb der aktuellen Wahlperiode nur erschwert wahrzunehmen sind. »Der Seniorenbeirat erachte daher eine Verlängerung der Wahlzeit, die sich an der Dauer der kommunalen Gremien orientiert, für sinnvoll.«

Bemängelt wurde, dass an einigen Stellen der Stadt die fußläufigen Situationen im öffentlichen Straßenraum nicht seniorengerecht sind. »Es fehlen etwa Querungshilfen oder sie sind nicht optimal konfiguriert. Um solche Probleme vor Ort anzusprechen, möchte der Seniorenbeirat bei den stattfindenden Verkehrsschauen beteiligt werden«, so Pirr.

Demografiepreis

Wie Bürgermeister Jörg König dazu ausführte, werden auch künftig die Verkehrsschauen wohl weiterhin ohne den Seniorenbeirat stattfinden. Bei der Bahn beim Bahnsteig sei man mittlerweile »dran und in Gesprächen mit dem zuständigen Projektmanager«. Horst Weitze, der stellvertretende Vorsitzender des Kreis-Seniorenbeirats und nun auch im Fahrgastverband vertreten ist, bescheinigte der Stadt, die am besten ausgebauten Bushaltestellen im Landkreis zu haben. Auch seitens des Kreis-Seniorenbeirats wurde eine zweijährige Legislaturperiode als nicht praktikabel erachtet. Weitze monierte zudem, dass die Geschäftsordnung der Stadt so nicht in Ordnung sei und gründlich überarbeitet werden müsste. Der Seniorenbeirat sollte bereits bei der Erstellung der Geschäftsordnung eingebunden werden.

Gemeinsam aktiv unterwegs in Linden »Bewegen, Begegnen und sich treffen« unter diesem Projekttitel beteiligt sich der Seniorenbeirat am Hessischen Demografie Preis 2022. Wie Hofmann ausführte, sei es nun nach wieder an der Zeit, sich zu treffen und die Lebensfreude gemeinsam wieder zu stärken. »Wo geht dies besser, als in der Gegend in der man zusammen wohnt, unter freiem Himmel bei schönem Wetter ohne Angst zu haben, sich anzustecken. Da verschiedene Wanderwege in Linden zu unterschiedlichen Plätzen führen, ist angedacht, diese mit verbesserter Ausstattung zu einem Treffpunkt für Jung und Alt familienfreundlich und behindertengerecht neu zu gestalten. Generationsübergreifende Begegnungen sind dabei ausdrücklich gewünscht. Diesbezüglich sollen auch Spielmöglichkeiten für Kinder eingeplant werden. Damit auch die Natur nicht zu kurz kommt, wird eine zusätzliche insektenfreundliche Bepflanzung angedacht. Zusätzlich ist eine Bank vor dem Hüttenberger Heimatmuseum angedacht, um Jung und Alt eine Begegnung zu ermöglichen. Dafür soll dann auch das Preisgeld verwendet und die Spritzbank mit dem Aufschrift »Nehmen Sie hier Platz wenn sie schwitzen wollen« versehen werden«.

Terminal einrichten

Ebenfalls einstimmig auf den Weg gebracht wurde die Einrichtung eines freien Zugangs zum städtischen Internetauftritt »linden.de«. Als massive Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen empfindet der Seniorenbeirat, dass bestimmte Dienstleistungsangebote der Stadt nur noch im Internet zu erkennen und verfügbar sind. »Nicht nur, aber insbesondere, ältere Mitbürger werden hier diskriminiert. Dadurch ist kein unmittelbarer und auch barrierefreier Zugang zu wichtigen Informationen und Diensten der Stadt Linden gegeben. Es ist daher ein vandalismusresistentes Terminal mit Eingabemöglichkeit einzurichten. Denkbar ist die Anordnung im Bereich des Aushangkasten am Rathausdurchgang. Der Zugang und die Nutzung müssen nahezu jederzeit möglich sein. Bei Bedarf soll bei den Terminals der Zugriff auf weitere kommunale Angebote wie etwa vom Landkreis Gießen, des Landes Hessen und andere Anbieter ermöglicht werden«, heißt es im Antrag der auch Standorte für weitere Terminals vorschlägt.

Einen ehrenamtlichen Formularlotsen hatte der Seniorenbeirat sich gewünscht und erhielt dafür in der Stadtverordnetensitzung im Dezember keine Zustimmung. Wie Joachim Pirr nun im Nachgang ausführte, wurde die angedachte Funktion in der Jugendausschusssitzung immer wieder in die Nähe des »Kommunalen Behinderten Beauftragten« genauso wie des »Deutschen Rentenversicherungs-Helfer« gerückt. »Diese Einengung der anzusprechenden Personenkreise war nie die Intention des Seniorenbeirats. Die von den Mandatsträgern in der Sitzung angeführten Möglichkeiten der Formularunterstützung werden selbst hier nicht einmal ansatzweise erwähnt!« Auch bei der in Corona-Zeiten erfolgten Einrichtung eines »Bürgerbüros« wurde eine solche Hilfe vermisst. »Mit gewissem Erstaunen, aber auch erfreut, haben wir registriert, dass nun am 13. Mai im amtlichen Bekanntmachungsorgan etwas zum ›Bürgerservice‹ erschienen ist, aber auch dort die von den Mandatsträgern propagierten Hilfestellungen fehlen. Wir hoffen, dass in dem ›Amtlichen Bekanntmachungsorgan der Stadt Linden‹ die Rubrik ›Bürgerbüro/ Bürgerservice‹ als feste Rubrik erhalten bleibt, ergänzt um den Hinweis der Formularunterstützung. Da das ganze Spektrum der Dienstleistungen nicht abgedruckt werden kann, sollte sich dort zumindest ein Hinweis auf die Rubrik auf der Homepage finden.»

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