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Afghanischer Arzt trotz Approbation arbeitslos

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Zabihiulla Ahmadi © Thomas Wißner

Dr. Zabihiulla Ahmadi schildert in der Sitzung des Lindener Ausländerbeirats seine Situation. 2016 mit seiner Familie aus Afghanistan geflüchtet, wartet der Kardiologe immer noch auf eine Anstellung.

Linden (twi). Deutsche Bürokratie und Gründlichkeit kann schon einmal dem »richtigen« Leben im Wege stehen, sich als Stolperstein und steiniger Weg erweisen.

Eine Erfahrung die nun die langjährige ehemalige Kreisbeigeordnete und Geschäftsführerin der SPD-Kreistagsfraktion Silva Lübbers bei der Begleitung des 2016 mit seiner Familie aus Afghanistan geflüchteten Mediziners Dr. Zabihiulla Ahmadi hat machen müssen.

Während Ahmadi in der Sitzung des Lindener Ausländerbeirats seine Situation schilderte, auf die politische Situation in seinem Heimatland einging und die Herausforderungen in seiner neuen Heimat in Linden schilderte, war es Lübbers, die Kritik übte. Vieles bleibe im bürokratischen »klein-klein hängen« und dauere viel zu lange. »Es wäre schön, wenn es straffer organisiert wäre« und empfahl in solchen Fällen Geflüchteten einen »Coach« an die Seite zu stellen.

Für den 54-jährigen Ahmadi waren es Silva und Hanns Lübbers, die sich der zehnköpfigen Familie und vor allem seiner Probleme angenommen hatten und Ahmadi auf dem fünfjährigen Weg begleiteten, bis er endlich seine medizinische Kenntnisprüfung am 8. Oktober 2021 erfolgreich abgeschlossen, Arbeitserlaubnis und Approbationsurkunde erhalten hatte.

Dabei war Ahmadi in seinem Heimatland ein angesehener Kardiologe, hatte in der Türkei und in Japan Medizin studiert und seine Facharztausbildung abgeschlossen, war 21 Jahre beruflich an sechs Universitäten und drei medizinischen Instituten tätig und hat an einem Ausbildungsinstitut gelehrt. Er hat medizinische Fachbücher veröffentlicht und war als Experte im Regionalfernsehen und Radio zu hören.

»Ich wurde von gebildeten Leuten ermutigt zur Wahl zum Parlament anzutreten. Aber während des Krieges waren Wahlen unmöglich. Meine Familie und ich wurden nach der Kandidatur verfolgt und aus dem Land vertrieben«. In Linden fand die Familie Unterstützung durch die Familie Lübbers und auch Ausländerbeiratsvorsitzender Abraham Abrahamian brachte sich ein »um der Familie Ahmadi in den Härten des Lebens wie eine Familie zu helfen, Tag und Nacht in allen Aspekten des Lebens«.

»All dieses war sehr hilfreich für uns. Das Leben ist eine Geschichte von Freude und Mühsal«, so Ahmadi. Dieser bedauerte, dass ein Land, das er als Herz Asiens bezeichnete, nicht zu einem Wirtschaftszentrum, sondern zu einem Schlachtfeld der Supermächte geworden ist.

»Mein Land ist in einen blutigen Krieg verwickelt. Damit steuert mein Land auf ein unbestimmtes Schicksal zu. Lasst uns hier in Deutschland und auf der ganzen Welt in eine Atmosphäre der Liebe, der Einheit des Respekts und der gegenseitigen Helfen leben. Ich bin in einem blutigen Krieg aufgewachsen.«

In Deutschland waren es die notwendigen Sprachkurse, die er absolvieren musste und die Behörden-Odyssee bis zur Arztzulassung. Acht Jahre hatte er in der inneren Medizin und anschließend als Kardiologe gearbeitet. »Aber darauf sollte man ihn nicht festnageln, denn Kardiologen werden nicht in großer Zahl gesucht«, ergänzte Lübbers die seit Oktober erfolgten Bewerbungen, die zwar eine Zusage aus Koblenz brachten, aber die Familie liebt Linden und möchte hier weiterleben.

So geht für Ahmadi die Jobsuche weiter. Sechs Jahre Praxis sind in all den Jahren verloren gegangen. »Ich möchte einfach kranken Menschen helfen. Ich hoffe, das die deutsche Regierung und Gesundheitsministerium mein Wissen und meine Dienste an der Menschheit nutzen werden. Helfen Sie mir bei der Suche nach medizinischen Dienstleistungen. Ich bin auch bereit mit Organisationen zusammenzuarbeiten«, wünscht sich Ahmadi und Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Christof Schütz, selbst Mediziner, hakte nach, wie er helfen könne. Foto: Wißner

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