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Anzahl der Pflanzenarten nimmt zu

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Beim Rundgang informierten sich die Besucher über die Beweidung der Streuobstwiesen. © Wißner

Burenziegen der Eheleute Lenhart beweiden in Leihgestern überwiegend Streuobstwiesen. Und das hat viele Vorteile.

Linden (twi). Bereits 2019 wurde das Projekt »Streuobstziege« von Katharina und Thomas Lenhart in Leihgestern mit dem Umweltpreis der Stadt Linden ausgezeichnet. Nun konnte Thomas Lenhart zu einer gemeinsamen Betriebsbesichtigung die Mitglieder des Arbeitskreises Fleischziegen des Hessischen Ziegenzuchtverbandes und der Vereinigung der Ziegenzüchter und -halter für Wetterau und Umgebung begrüßen.

Rund 30 Teilnehmer aus ganz Hessen waren nach Leihgestern gekommen, wo neben dem Austausch zu züchterischen Belangen auch über Bewirtschaftungsmaßnahmen, Weidemanagement oder Baumschutzmaßnahmen am konkreten Objekt bei einem Flächenrundgang in den Streuobstwiesen gesprochen wurde. Der Lindener Stadtteil verfügt über einen der größten Streuobstbestände im Landkreis. Die Streuobstbestände in Leihgestern wurden vor 30 Jahren als ein »Geschützter Landschaftsbestandteil« nach dem hessischen Naturschutzgesetz ausgewiesen. Die Eheleute züchten Burenziegen im Herdbuch des Hessischen Ziegenzuchtverbandes und versuchen zudem, mit gezielten Kreuzungen besonders standortangepasste, wirtschaftliche Tiere mit guter Grundfutterverwertung zu erreichen. Eine Besonderheit besteht darin, dass überwiegend Streuobstwiesen beweidet werden.

Rotation

Dadurch werden nicht nur bereits verwilderte Flächen wieder geöffnet und die vorhandene Kulturlandschaft gepflegt, sondern durch das sorgfältige Weidemanagement auch die Artenvielfalt gefördert. Ein Großteil der Flächen wird jährlich nur einmal beweidet. Es erfolgt zudem ein jährlicher Wechsel von Zeitpunkt und Reihenfolge der Beweidung. So bekommen im Wechsel Spät- und Frühblüher ihre Chance und eine Verdrängung einzelner Pflanzenarten unterbleibt. Wie Thomas Lenhart ausführte, zeigt eine im vergangenen Jahr durchgeführte Biotopflächenkartierung neben Gräsern wie Rot-Straußgras, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenlieschgras und Wiesengras auch Kräuter wie Hopfenklee. Gerade die Anzahl der Pflanzenarten der Krautschicht nimmt durch die Beweidung deutlich zu. Durch diese Rotation profitieren aber nicht nur die Biodiversität der Flächen, sondern auch die Ziegen, die bei einem vielfältigen Angebot eine bessere Futteraufnahme zeigen. Dabei besteht eine Wechselwirkung zwischen dem Boden und der darauf befindlichen Vegetation ebenso, wie zur Bewirtschaftung. Diese beeinflusst Humusgehalt und Aggregatstruktur maßgeblich.

Direktvermarktung

Auf langjährig beweideten Flächen kommt der Nährstoffumsetzung durch die Weidetiere eine wesentliche Rolle zu. Sie ist Voraussetzung für einen effektiven Humusaufbau und somit einer Anreicherung des Bodenkohlenstoffgehaltes. Damit einher geht ein verbessertes Wasseraufnahme- und -speichervermögen.

Neben diesen Umweltaspekten stellt auch das Tierwohl einen zentralen Aspekt im Betrieb von Familie Lenhart dar. So haben die Tiere ganzjährigen Weidegang. Die Zucht im Herdbuch garantiert zudem einen hohen Gesundheitsstatus. Um die Kosten für die Landschaftspflege wieder zu erwirtschaften, bietet Familie Lenhart Ziegen- und Lammfleisch in Direktvermarktung an. Der Verkauf erfolgt dabei vorrangig saisonal nach Absetzen der Lämmer im Spätsommer und Herbst. »Da das für die Zufütterung im Winter erforderliche Grundfutter komplett selbst erzeugt wird und das für tragende Tiere und Mutterziegen zur ausreichenden Energieversorgung benötigte Ergänzungsfutter ausschließlich vor Ort bezogen wird, handelt es sich um ein 100 Prozent regionales Produkt. Da es zudem fettarm und mit leicht wildartigem Aroma sehr schmackhaft ist, bietet es einen Genuss ohne Reue!«, so Lenhart.

Neben Ziegen hält die Familie Hühner in Freilandhaltung auf Grünland, als eine der wenigen Haltungen im weiten Umfeld jedoch keine Legehybriden sondern ausschließlich Rassegeflügel. Alles Zwei-Nutzungsrassen, bei denen Themen wie der Umgang mit Eintagesküken oder Bruderhahnhaltung von vorneherein irrelevant sind und die eine deutlich längere Nutzungsdauer aufweisen. Der Betrieb vermarktet hier Rassegeflügel in unterschiedlichen Altersstufen aber auch Eier sowie Hähnchen und Suppenhühner. Auch bei den Hühnern erfolgt die notwendige Zufütterung ausschließlich mit regional erzeugten Komponenten für die selbst hergestellte Futtermischung. Der Betrieb wurde für das Programm »100 nachhaltige Bauernhöfe« ausgewählt und beteiligt sich bei »Bauernhof als Klassenzimmer«.

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