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Bloß keinen Kredit aufnehmen

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Von: Thomas Wißner

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Joachim Arnold Foto: Wißner © Wißner

»Können wir uns in Zukunft unsere Energie noch leisten?«, lautete die Frage, auf die der Ovag-Vorstandsvorsitzende Joachim Arnold im Vortrag wie auch bei der anschließenden Fragerunde einging.

Linden (twi). Eine Glaskugel hatte Lindens SPD-Ortsvereinsvorsitzender Andreas Eichberger nicht mitgebracht, obwohl er bei der Begrüßung des Referenten mutmaßte, dass eine solche aktuell wohl passen würde, wenn es um die Preise am Energiemarkt geht. »Können wir uns in Zukunft unsere Energie noch leisten?«, lautete die Frage, auf die der Ovag-Vorstandsvorsitzende Joachim Arnold in einem Vortrag wie auch bei der sich anschließenden Fragerunde einging.

Energieversorger kontaktieren

»Da kommen Gelder durch die Preissteigerung auf Sie zu, das können Sie gar nicht einsparen, um den vorherigen Preis zu halten«, ging der Referent auf die anstehenden Verteuerungen ein und warnte davor, Kredite auf- oder noch schlechter den Dispo auf dem Girokonto in Anspruch zu nehmen, um damit die steigenden Kosten zu begleichen. Vielmehr sollte erst einmal der Kontakt zum Energieversorger gesucht und um Ratenzahlung gebeten werden, könne dieser doch Hilfestellung und Zahlungsaufschub gewähren. Sollte es jedoch gänzlich Probleme geben, die Kosten zu stemmen, empfahl Arnold den Weg zur Verbraucherberatung, könnten diese doch in solchen Fällen sehr gut informieren. »Das kann kein Energieversorger machen. Haben Sie keine Scham und gehen Sie diesen Weg. Das ist besser, als wenn Sie in die Schuldenfalle laufen, denn das ist das Allerschlechteste, was einer machen kann.«

Der heimische Energieversorger hat sich auch hier auf einen erheblichen Anstieg eingestellt, wie der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage verriet. Bislang waren es rund ein Prozent der Kunden, »die schon immer Schwierigkeiten hatten, ihre Verpflichtungen einzuhalten. Wie viele es jetzt sein werden, ist schwierig einzuschätzen, denn es gibt keine Erfahrungswerte. Auch wenn dies nicht das Thema ist, wir gehen von einer Größenordnung von 15 Prozent aus«. Der ehemalige Bürgermeister von Wölfersheim und Landrat des Wetteraukreises sprach angesichts der aktuellen Situation von einer durch den UkraineKrieg ausgelösten, zuvor unbekannten Dimension. Seien doch alle Lebensbereiche und nicht nur der Energiesektor betroffen. Ob nun beim Bäcker, in der Materialwirtschaft, beim Biobauer, dies alles seien die Vorboten dessen, was auf uns zukomme.

»Die Themen gehen ineinander über. Steigerung der Energiekosten, Energieeinsparungsmöglichkeiten. Das sind keine zwei Themen, das ist ein zusammenhängendes Thema namens Einsparungsmöglichkeiten. Das heißt, ich muss mich einschränken. Sparen geht nicht ohne Einschränkung, wie kann man es machen und welche Konsequenzen hat es?«, leitete Arnold zu einem Beispiel über.

Wenn die Stadt Linden im Jahr einen Wasserverbrauch von angenommenen einer Million Kubikmeter Wasser hat, der Kubikmeter Wasser einen Euro kostet und dann eingespart werde, dann müsse trotzdem die vorhandene Infrastruktur finanziert werden. 20 Prozent weniger Verbrauch hätten somit zur Folge, dass der Einheitspreis pro Einheit teurer wird, weil der Verbrauch entsprechend geringer ist. »Dies merken wir bei den Netznutzungsentgelt. Das Netzentgelt ist der Preis für die Nutzung, die jeder Netznutzer, der Strom durch das Versorgungsnetz leitet, an den Netzbetreiber zahlen muss, ähnlich wie eine Briefmarke als Porto für einen entfernungsunabhängigen Versand berechtigt. Das hat damit zu tun, weil weniger Gas durch die Leitung geht und weniger Strom genutzt wird, dadurch steigen die spezifischen Kosten. 1:1 funktioniert nicht. Sparen heißt immer, es geht nicht ohne Verzicht. Im Gasbereich hat es was mit Wärme zu tun. Ein Grad weniger Raumtemperatur entspricht etwa sechs Prozent Heizenergie sparen. Aber auf Null kommt man nie«, so Arnold.

Dieser warnte auch davor, Räume auskühlen zu lassen. »Räume, die man tagsüber nutzt, können 21 Grad haben. Wer hat früher ein Schlafzimmer geheizt? Wenn man die Temperatur senkt, muss man wissen, am Ende des Tages muss man auf die Hygiene achten. Immer Lüften, nie Fenster kippen, sondern voll aufmachen. Einmal Stoß- und Querlüftung, dies mehrmals am Tag kurz machen. Sparen heißt Zurückhaltung, aber nicht verängstigen, wenn man sein Leben etwas anders organisiert, als es war.«

Im Haushalt sollte deshalb lieber mal der Stecker gezogen werden, müssten Geräte nicht ständig im Standby-Modus gehalten werden. Sicherlich könnte auch die ein oder andere Lampe auf LED umgestellt werden. »Im Abstellraum brauche ich keine LED-Lampe, dann steht die kurze Nutzung in keiner Relation. Neue Waschmaschine energieeffizient, wie auch bei Elektrogeräten, aber auch nur dann, wenn ich ein neues Gerät kaufen muss. Es fängt bei einfachen Dingen an. Dazu gibt es zahlreiche Verbrauchertipps auch im Internet, wo man sich informieren kann und auch mal nach dem Kühl- und Gefrierschrank schauen«, seien doch alle Kühlgeräte Energiefresser. Vor der sich abzeichnenden Entwicklung prophezeite Arnold, dass diese Preissteigerungen dazu führen werden, dass Leute damit nicht mehr klarkommen. »Es werden viele Menschen hinzukommen, die sich das nicht leisten können und keine Erfahrungen haben, wie sie damit umgehen.« Diesen empfahl er, das Gespräch zu suchen mit ihrem Anbieter wie auch der Verbraucherberatung und sich keinesfalls zu verschulden.

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