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»Einpfünder« in den Händen

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Einen »Einpfünder« präsentierte Helmut Faber den Schülern der Burgschule bei der Stadtführung. © Wißner

Für die Großen-Lindener Burgschüler stehen ganz besondere Stadtführungen auf dem Stundenplan.

Linden (twi). Zu vermitteln, wie das Leben sich in früheren Zeiten vor Ort gestaltete, ist dem Heimatkundlichen Arbeitskreis Linden und seinem Vorsitzenden Helmut Faber seit langem ein besonderes Anliegen. Stadtführungen werden angeboten und erfreuen sich großen Zuspruchs.

Gleich drei ganz besondere Stadtführungen stehen nun auf dem Stundenplan der drei dritten Klassen der Burgschule Großen-Linden. Den Auftakt machte die dritte Klasse mit Klassenlehrerin Andrea Plail. Beim Rundgang durch den historischen Ortskern von Großen-Linden hatte Faber Schriftführer Hans Ulrich Heymann an seiner Seite.

Bereits die aus dem 19. Jahrhundert stammende Feuerwehrhelm-Kopfbedeckung, die Heymann zur Stadtführung mitgebracht hatte, interessierte die Schüler. Und beim kleinen Stadtrundgang war es eine aus dem 18. Jahrhundert stammende, Kanonenkugel, die Faber vor drei Jahren erhalten hatte. Bei dem wohl aus den Jahren 1758 bis 1762 stammenden Geschoss von französischen Truppen handelt es sich um einen sogenannten »Einpfünder« mit einem Gewicht von 410 Gramm. »Der Rest ist durch Rost verloren gegangen«, so Faber, der auch eine Abbildung eines Falkonett mitgebracht hatte, mit welchem diese Einpfünder abgeschossen wurden. Alle Kinder durften die Kugel anfassen und einmal in ihren Händen halten.

Neben den Stolpersteinen in der Bahnhofstraße zur Erinnerung an hier einst wohnende jüdische Mitbürger, war es vor allem »Scholtesse Keller«, der es den Schülern angetan hatte. Wie Faber berichtete, handelt es sich hier um einen von insgesamt acht Kellern, die sich unter dem Kirchengelände und unter dem heutigen evangelischen Gemeindehaus befinden. Die Keller standen jahrhundertelang im Eigentum von Bauern, deren Höfe nahe der Kirche lagen. Für die Instandhaltung war nach altem Recht die Stadt Großen-Linden zuständig. Die Keller wurden für die Lagerung von Erntevorräten genutzt und waren teilweise verbunden. Mit seinen 70 Quadratmetern ist »Scholtesse Keller« der größte und wird auch als »Hüttenberger Weinkeller« bezeichnet.

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