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Erdbewegungen am Schafbach

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werfen neue Fragen auf, was denn nun genau dort in Leihgestern gebaut wird. © Wißner

Linden (twi). Was wird denn nun dort eigentlich gebaut? Sorgten in der vergangenen Woche die großen Erdbewegungen am Schafbach zwischen dem Neubaugebiet Nördlich Breiter Weg in Leihgestern und dem Lückebach-Renaturierungsgebiet Rohrwiesen für einige Fragen, so wurden diese noch größer, als am Freitag die Stadt in ihrem Amtlichen Bekanntmachungsorgan, den Lindener Nachrichten, auf einer Seite über den »Bau Regenüberlaufbecken mit Rückehaltebecken« informierte.

Mehrfach nachgehakt

Bauherr ist der Wasserverband Kleebach und für die fachliche Betreuung das Regierungspräsidium Gießen (RP) zuständig, wobei die Maßnahme vom Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) gefördert wird. Bereits in der Bauausschusssitzung im September vergangenen Jahres wurde lange über die Begrifflichkeit diskutiert, was denn nun genau am Schafbach errichtet werden soll. Ulrich Weiß (FDP) hakte seinerzeit mehrmals nach und Bürgermeister Jörg König räumte ein, dass »die Errichtung eines Regenrückhaltebeckens unrichtig ist« und verwies auf die Begründung des Planungsbüros Holger Fischer zum Bebauungsplan, in dem es sich um »Rückhaltemaßnahmen für das anfallende Mischwasser vom Ortskern Leihgestern und Baugebiet Nördlicher Breiter Weg« handelt. Bei Rückfrage beim Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke stellte sich heraus, dass das geplante Rückhaltebecken nicht für Regenwasser, sondern für Schmutzwasser aus dem Baugebiet »Nördlicher Breiter Weg« und das anfallende Mischwasser vom Ortskern Leihgestern benötigt wird.

Die Projektbeschreibung verweist darauf, dass aufgrund der festgestellten Defizite am Schafbach für die beiden bestehenden Regenentlastungsanlagen in Leihgestern und deren gemeinsame Einleitstelle zusätzliches Rückhaltevolumen erforderlich ist. Geplant ist der Bau eines Volumenbeckens und eines nachgeschalteten Drosselbeckens. Das Volumenbecken wird als Regenüberlaufbecken in offener Betonbauweise errichtet und hat ein Speichervolumen von 2000 Kubikmeter, ebenso wie das nachgeschaltete Drosselbecken. Eine Entlastung aus dem Drosselbecken in den Schafbach erfolgt erst ab einer Füllung von 500 Kubikmeter. Bei geringerem Füllstand fließt das Mischwasser zurück in das Volumenbecken und wird von dort in den Abwassersammler gepumpt und zur Kläranlage Gießen transportiert.

Schmutzwasser ist kein Regenwasser

Diese Darstellung rief umgehend Ulrich Weiß auf den Plan, der monierte, dass nun den Bürgern »doch tatsächlich das Schmutzwasserbecken als Regenüberlaufbecken verkauft werden soll«. Weiß hatte bereits bei der Diskussion im vergangenen Jahr auf diese Falschdarstellung hingewiesen und klargestellt: Abwasser (Mischwasser) besteht aus Regenwasser und Schmutzwasser. Regenwasser kommt von Dächern und befestigten Flächen. Schmutzwasser beinhaltet häusliche Abwässer mit Fäkalien. Eine Anfrage beim zuständigen Regierungspräsidium bestätigte diese Definition.

Wie Pressesprecher Oliver Kessler mitteilte, werde im Sprachgebrauch nicht der Ausdruck Schmutzwasserbecken verwendet, sondern der Begriff Regenüberlaufbecken, auch als RÜB abgekürzt. »Dieses ist ein Bauwerk der Kanalisation und bedeutet nicht, dass dieses nur mit Regenwasser beaufschlagt wird. Darin wird im Fall von Regenwetter häusliches Abwasser und anfallendes gesammeltes Niederschlagswasser im Kanalnetz zwischengespeichert. Im Bereich des Schafsbachs ist bereits schon ein RÜB vorhanden, ausgeführt als großer Kanal (Stauraumkanal) mit einem Durchmesser von 1,6 Meter. Dieses RÜB wird nun erweitert und ergänzt durch ein komplexes Bauwerk, das aus mehreren Anlagenteilen besteht. Das anfallende Abwasser wird zukünftig im Fall von Regenwetter zunächst im vorhandenen Stauraumkanal gespeichert. Ist dieser voll, wird das durch das Niederschlagswasser stark verdünnte und durch einen Rechen vorgereinigte Abwasser in das dann neue Regenüberlaufbecken in Betonbauweise eingeleitet. In diesem als ›Volumenbecken‹ bezeichneten Becken setzen sich weitere Abwasserbestandteile ab.« Weiter führte Kessler aus, dass wenn das »Volumenbecken« gefüllt ist, der »Überstand« in das »Dämpfungsbecken« (Erdbecken) fließt. »Darin setzen sich nochmals Abwasserbestandteile ab, bevor das mehrfach vorgereinigte Wasser in den Schafbach geleitet wird. Das verbleibende Wasser in den Volumen- und Dämpfungsbecken wird nach dem Regenereignis mittels Pumpe zurück in den Abwasserkanal zurückgepumpt und fließt der Kläranlage zu. Die Pumpen zur Entleerung der Becken sind so gewählt, dass die Becken möglichst schnell entleert werden, jedoch der unterhalb liegende Kanal die gepumpte Abwassermenge noch fassen kann«, so der Pressesprecher.

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