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Gebäude nicht mehr finanzierbar

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Ende des Jahres kann das Awo-Schild an der einstigen »Hasenkiste« entfernt werden: Die Lindener Awo gibt das Gebäude nach sechs Jahren wieder an die Stadt zurück. © Wißner

Zum Jahresende gibt der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt Linden sein Haus zurück an die Stadt. Der Verein kann das Gebäude nicht mehr finanzieren. Ein Verein bekundet Interesse an einer Nutzung.

Linden (twi). Zum Jahresende wird der Ortsverein Linden der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Linden sein AWO-Haus auf- und an die Stadt zurückgeben. Einstimmig votierten die Mitglieder in der Jahreshauptversammlung für die Rückgabe an die Stadt zum 31. Dezember 2022. Stellvertretende Vorsitzende Erika Dick hatte vor der Abstimmung über die enormen Kosten, die die Immobilie samt Umfeld verursacht, berichtet.

Beste Option

Dies kann der aktuell 71 Mitglieder zählende Ortsverein so nicht mehr stemmen. Vor allem aber auch fehle es an tatkräftigen Mitgliedern, weshalb die Aufgabe des seit 2016 genutzten Hauses die beste Option sei. Gerade während der Corona-Pandemie sei auch keine Vermietung möglich gewesen und auch solche Vermietungen machen viel Arbeit. Zudem sei durch Windbruch der Zaun eingestürzt, habe es Schäden an der Fassade gegeben, für die allein schon 2000 Euro veranschlagt wurden.

1200 Euro jährliche Stromkosten

»Die Elektroheizung ist ein erheblicher Kostenfaktor, fallen doch allein hier über 1200 Euro im Jahr an Stromkosten an, obwohl nicht viel geheizt wird«, so Dick. Fast auf den Tag genau vor sieben Jahren hatte der Kleintierzuchtverein H 40 Großen-Linden seine Auflösung und damit einhergehend die Aufgabe seines Vereinsheims, der in der Stadt liebevoll »Hasenkiste« genannten Immobilie, beschlossen. Seit 1987 hatten die Kleintierzüchter auf Erbpachtbasis für 70 Jahre die an der Main-Weser-Bahn gelegene Immobilie von der Stadt Linden angemietet.

Die AWO trat dann 2016 in den Erbpachtvertrag ein und nutzte seitdem das Gebäude für ihre Veranstaltungen. Zudem wurde es an die Musikschule Römer untervermietet. Auch für Familienfeiern konnte das Haus angemietet werden, doch zwei Jahre ohne Einnahmen lassen keine weitere Nutzung mehr zu.

Bei dem Gebäude handelt es sich um das einstige Büro des Wiegemeisters und ist heute Startpunkt für eine vom Heimatkundlichen Arbeitskreis Linden ausgeschilderte Radwanderung »Bergwerk«. Bis 1976 wurde dieses durch die »Gießener Braunsteinbergwerke« genutzt.

In den Gemarkungen von Leihgestern und Großen-Linden wurde von 1843 bis 1976 hochwertiges Eisen-Manganerz abgebaut. Insgesamt 7,8 Millionen Tonnen Erz wurden in diesem Zeitraum gewonnen. Seinerzeit führte eine Feldbahnlinie von der heutigen Grube Fernie bis zu der hinter dem Bürogebäude des Wiegemeisters gelegenen Verladerampe für die Main-Weser-Bahn. Die Terrasse des benachbarten Brutclubs Linden befindet sich auf dem zugemauerten ehemaligen Kohlebunker der Feldbahn, an den sich eine etwa 100 m lange Rampe anschloss. Das Büro des Wiegemeisters umfasste auch Sanitär und Sozialräume.

Zum Areal gehört auch eine große Grünfläche, welche ebenfalls für die AWO für viel Arbeit sorgte. Mit Bürgermeister Jörg König war die Rückgabe bereits seitens des AWO-Vorstands abgestimmt und wie dieser erklärte, gibt es aus der Lindener Vereinslandschaft auch Interesse an dem Gebäude: »Ich bin froh, das in der gerade für die Vereine so schwierigen Zeit der Corona-Pandemie hier Interesse an einem Vereinsheim besteht.« Um welchen Verein es sich handelt, wollte König mit Rücksicht auf nun anstehende Gespräche nicht verraten, zumal auch er gerade erst über den AWO-Beschluss informiert wurde.

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