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Gegenseitig helfen und helfen lassen

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Seit fünf Jahren leben Enrico, Heidi, Laura und Lukas im Bunten Eck. Foto: Wißner © Wißner

In kleinem Kreis hat der Verein Selbstbestimmt Leben Linden in Großen-Linden das fünfjährige Bestehen des »Bunten Eck« gefeiert.

Linden (twi). »Es ist ein schöner Tag, auf den wir lange hingearbeitet haben. Die vielen Gäste bestaunen unser neues Zuhause, viele anregende Gespräche werden geführt, das eine oder andere Gläschen getrunken und sogar getanzt«, freute sich der Verein Selbstbestimmt Leben Linden am 7. Oktober 2017 über die Einweihung des Bunten Ecks in der Moltkestraße in Großen-Linden.

Nun wurde das fünfjährige Bestehen in einem kleinen Kreis gefeiert. Vorsitzende Roswitta Kirchhöfer begrüßte zahlreiche Gäste und vor allem die fünf Bewohner. Es ist allein schon eine Besonderheit, dass Kirchhöfer nicht nur von Beginn an an der Spitze des Vereins steht, sondern auch, dass es sich heute noch um jene Bewohner handelt, die 2017 Einzug gehalten hatten: Enrico, Heidi, Laura, Lukas und ein weiterer Bewohner, der nicht genannt werden möchte. Bürgermeister Jörg König lobte die Privatinitiative und auch den Mut, dieses Projekt zum Erfolg geführt zu haben.

Verschiedene Maßnahmen wie etwa die Schaffung eines barrierefreien Zugangs, der Bau eines Gartenpools und die Gartengestaltung trugen in den zurückliegenden Jahren zur Stärkung der Bewohnergemeinschaft bei. So wurde gemeinsam mit den Bewohnern, Familienangehörigen und Mitgliedern Strauchobst gepflanzt, ein Kräutergarten errichtet und im Nachgang zum Poolbau ein stabiler Zugang und eine Umrandung zum Festhalten erstellt. 2020 wurden Hof- und Gartenwege saniert und dabei der Zugang zum Garten schwellenarm gestaltet.

Im Mai 2016 wurde das Objekt gekauft und der Verein »Selbstbestimmt Leben Linden« mit der Aufgabe, »die Förderung der Menschen mit Behinderung (MmB) für ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben im sozialen Umfeld und ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft« zu fördern, gegründet.

Das Haus wurde umgebaut und somit fünf Menschen mit Behinderung der Einzug ermöglicht, die zuvor in Leihgestern wohnten und sich mit der dortigen Wohnsituation und mangelnden Perspektiven nicht abfinden wollten. Mit dem Erwerb und Umbau des Bunten Eck an der Ecke Moltke-/Ludwigstraße wurde ein neuer Ort geschaffen, der mittlerweile fest in der Stadt verankert ist. Im Vordergrund steht hier das gemeinsame Wohnen und Handeln. Hier lernen die jungen Menschen die Lust am Miteinander und am Leben in einer selbstbestimmten Gemeinschaft und Umgebung. Sie lernen sich gegenseitig zu helfen und helfen zu lassen und in diesem Lebensraum ihren Lebenstraum zu finden. Als Räumlichkeiten für ihre eigenverantwortliche Organisation stehen der Hausgemeinschaft ein großer Gemeinschaftsraum samt Küche und Terrasse, ein Gewölbekeller, der große Innenhof und natürlich der Garten zur Verfügung. Diese Wohnform fördert ihre Bedürfnisse auf unterschiedlichste Arten. Sie beschert allen Beteiligten ein großes Plus an Lebensqualität in ihrer neuen Unabhängigkeit. Letztendlich macht sie es erst möglich, das tägliche Leben sorglos, in gewohnter Umgebung und vor allem in familiärer Atmosphäre zu verbringen. Die Betreuung wird durch persönliche Assistenten und Pädagogen gewährleistet. Diese können sich die Bewohner selbst aussuchen. Durch die Innenstadtlage können die Bewohner selbst bestimmen, wie sie am sozialen Leben teilnehmen wollen.

Der Verein unterstützt die eigenverantwortliche Organisation der Gemeinschaft und organisiert die Begleitung zu kulturellen Veranstaltungen, hilft bei der Organisation von gemeinschaftlichen Hof- und Gartenfesten und vielem mehr. Zum fünften Geburtstag packten einmal mehr die Bewohner mit an, es wurden nach Kaffee und Kuchen gemeinsam Würstchen gegrillt und die Besucher hatten die Gelegenheit, sich vor Ort umzusehen.

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