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Hessens ältester Eisenbahnerverein feiert

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Bürgermeister Jörg König gratulierte dem Eisenbahnerverein Leihgestern und seiner Vorsitzenden Edith Jäckel sowie Ehrenvorsitzenden Karl Bender zum 115. Geburtstag. © Wißner

Am 20. Mai 1907 versammelten sich 16 »Berufsgenossen« in der Gastwirtschaft »Zum Anker« von Johannes Hess versammelten, um den Eisenbahnerverein Leihgestern ins Leben zu rufen.

Linden (twi). 115 Jahre Eisenbahnerverein Leihgestern wurden mit einem gemütlichen Beisammensein im Saal des Eintracht-Sängerheim gefeiert. Vorsitzende Edith Jäckel konnte nicht nur zwei Dutzend Mitglieder, sondern auch Bürgermeister Jörg König und ganz besonders Ehrenvorsitzenden Karl Bender begrüßen.

»Der Eisenbahnerverein ist nicht nur der älteste in der Region, sondern auch in Hessen. Er finanziert sich nur durch Mitgliedsbeiträge, die wir für 2021 und auch in diesem Jahr aufgrund der Coronapandemie ausgesetzt haben«, betonte die Vorsitzende und blickte auf die Gründung am 20. Mai 1907 zurück, als sich 16 »Berufsgenossen« in der Gastwirtschaft »Zum Anker« von Johannes Hess versammelten, um den Eisenbahnerverein ins Leben zu rufen.

30 Pfennig pro Quartal

Die gemeinsame Tätigkeit bei der Eisenbahn führte zur Gründung, ging es doch auch darum abseits des Arbeitgebers sich auszutauschen und ein geselliges Miteinander, aber auch untereinander zu helfen. Zum Gründungsvorsitzenden wurde Georg Seipp gewählt, der dieses Amt bis 1919 führte. Der Mitgliedsbeitrag betrug vierteljährlich 30 Pfennig. Zur ersten Generalversammlung waren bereits 25 Mitglieder anwesend. Zu Jahresbeginn 1908 wurde die erste Satzung beschlossen und erstmals ein Ausflug für die Mitglieder mit Angehörigen durchgeführt.

Sozialer Aspekt festgeschrieben

Die soziale Hilfe bei Alten, Kranken und Bedürftigen und Beistand bei Verstorbenen sind als wesentliche Aufgaben festgeschrieben und dem Vorstand auch heute noch Verpflichtung. »Sinn und Zweck des Vereins ist es, den Mitgliedern, das heißt den ehemaligen Eisenbahnern sowie deren Angehörigen, nicht nur Hilfe, sondern auch Geselligkeit zu bieten. Krankenbesuche bei Mitgliedern erfolgen nach wie vor nach Absprache mit dem Vorstand«, so Jäckel. Im Oktober 1910 wurde ein Beitrag von 5,50 Reichsmark festgelegt und vor nunmehr 111 Jahren die Hausbrandversorgung durch den Verein für seine Mitglieder eingeführt, die über viele Jahre eine wichtige Aufgabe des Vereins blieb.

Karl Bender 35 Jahre an der Vereinsspitze

In der Generalversammlung 1928 wurde Ludwig Langsdorf zum neuen Vorsitzenden gewählt. Insgesamt 29 Jahre stand dieser an der Spitze des Vereins - und wurde dann von Karl Bender übertroffen. Dieser wurde 1986 in der Volkshalle zum achten Vorsitzenden gewählt und übergab nach 35 Jahren im vergangenen Jahr das Amt an Edith Jäckel. Diese führt nun als erste Frau und »Nicht-Eisenbahnerin«, weil Eisenbahner-Witwe, die Geschicke des 33 Mitglieder zählenden Vereins, der 1930 insgesamt 44 Mitglieder zählte. 1986 wurde beschlossen, auch die Ehefrauen der Mitglieder zu Veranstaltungen einzuladen. Ebenfalls in den 80er Jahren trat mit Marga Luh die erste bei der Bahn beschäftigte Frau in den Verein ein.

Jubiläumsfeiern

Das 50-jährige Bestehen des Eisenbahnervereins Leihgestern wurde am 7. September 1957 gebührend gefeiert. Es wurde unter anderem 87 Liter Fassbier getrunken. Der Eisenbahnerverein hatte damals 53 Mitglieder. Das erste Grillfest des Eisenbahnervereines wurde 1981 bei Richard Laux organisiert. Dieses Grillfest wurde der Grundstein für eine ständige jährliche Vereinsveranstaltung. Anlässlich des 75-jährigen Vereinsbestehens am 15. August 1982 wurde ein Ausflug mit der Deutschen Bundesbahn nach Bad Nauheim und von dort mit der Butzbach-Licher-Eisenbahn nach Münzenberg durchgeführt. Die Rückfahrt erfolgte mit einem Bus. Im Eintracht-Sängerheim wurde 2007 mit einer Jubiläumsveranstaltung das 100jährige Bestehen gefeiert. Zu den Höhepunkten in der jüngeren Vereinsgeschichte gehörte 2005 die Teilnahme an der Leihgesterner 1200-Jahr-Feier.

Bürgermeister Jörg König gratulierte zum 115. Geburtstag und hob nicht nur die Besonderheit des Vereins hervor, in dem sich Berufsgenossen zusammenfanden, sondern auch dessen Sonderstellung als ältester Verein seiner Art in Hessen. Als »Geburtstagsgeschenk« überreichte er der Vorsitzenden einen »Wasserhaus-Brand«.

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