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Hoffen auf Bundesförderprogramm

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Von: Thomas Wißner

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Ob Kernsanierung der Stadthalle oder Abriss und Neubau: Die Kosten wären in etwa gleich hoch. Foto: Wißner © Wißner

Erstmals liegen nun Zahlen auf dem Tisch, nachdem bereits seit vier Jahren das Thema Sanierung oder Abriss der Stadthalle diskutiert wird.

Linden (twi). Erstmals liegen nun Zahlen auf dem Tisch, nachdem bereits seit vier Jahren das Thema Sanierung oder Abriss der Stadthalle diskutiert und auch mit den Vereinen bei einem Ortstermin noch vor Corona diskutiert wurde. Zur Stadtverordnetensitzung in der kommenden Woche legt nun der Magistrat eine Studie vor und hofft, einen Großteil der zu erwartenden Kosten von bis zu 7,5 Millionen Euro über ein Bundesförderprogramm zu erhalten.

Abriss und Neubau oder Sanierung

Für dieses ist eigentlich die Bewerberfrist bereits am 30. September abgelaufen, aber eine Nachreichung des notwendigen Beschlusses und konkreter Kostenvoranschläge sind möglich. Die vorgelegte Machbarkeitsstudie veranschlagt die Kosten für eine Kernsanierung der vor vier Jahrzehnten eingeweihten Halle auf 6,854 Millionen Euro zuzüglich eventueller Finanzierungskosten, während bei einem Abriss und Neubau je nach Ausbauwunsch die Kosten von bei gleicher Größe wie im aktuellen Bestand wie auch mit Zusatzflächen in beiden Varianten mit 7,39 Millionen Euro angegeben wurden.

Hinzu kommen jedoch noch Kosten, die wohl als Entschädigung an die Nutzer der sich seit 2007 auf dem Dach befindlichen Bürgersolaranlage zu zahlen sind. Allerdings entspricht diese nicht den aktuellen gesetzlichen Anforderungen, es fehlen statische Nachweise und die Anlage müsste zulasten der Betreiber neu aufmontiert werden.

Egal welche Variante, für die Stadt bedeutet dies die größte Investition in ihrer 45-jährigen Geschichte. Von den Gutachtern empfohlen wird aus wirtschaftlicher Sicht eine Kernsanierung. Eine Neuordnung und Optimierung der Platzbedürfnisse und Nutzung sei im Bestand nur bedingt zu erreichen. Die Neubaukosten seien im Rahmen der Machbarkeitsstudie nur mit fiktiver Größe ermittelt und im Rahmen der Weiterplanung zu spezifizieren.

Bei der Stadthalle Linden handelt es sich um eine sogenannte Dreifeld-Halle mit Nebenräumen, wobei bei der Planung die angegliederte Gaststätte mit Kegelzentrum und dem Sitzungssaal sich zwar in Privatbesitz befindet, jedoch die Nutzung des Sitzungsraumes für die Stadt vertraglich bereits bei der Errichtung geregelt wurde. Die Bruttogrundfläche der Stadthalle beträgt 2280 Quadratmeter, die Nettoraumfläche 810 Quadratmeter für Nebenräume und 1276 Quadratmeter für die Halle.

Der verbaute Wärmeschutz stammt noch von 1981. Bei der Halle handelt es sich um einen Stahlbetonskelettbau mit ausfachendem Mauerwerk, Flachdach, Fassadenbekleidung aus Platten. Vor zehn Jahren wurde die Heizung erneuert und ein Blockkraftheizwerk eingebaut. Zum aktuellen Zustand ist in dem Gutachten »vom Charme der 80er Jahre mit erheblichem Sanierungsstau« die Rede. Der Hallenboden ist in die Jahre gekommen und wurde vor zwei Jahren zum Linden-Cup teilweise erneuert, müsste jedoch komplett erneuert werden.

Beanstandet wurden darüber hinaus Dachundichtigkeiten, Brandschutz und Arbeitsschutz sowie Schadstoffe und fehlende Barrierefreiheit. Fragwürdig sind im Auge der Gutachter Art und Ausführung der Wandverkleidungen und auch die Türbreiten entsprechen nicht in allen Belangen den rechtlichen Vorgaben. Empfohlen wurden Maßnahmen zur Überprüfung der gesamten technischen Anlagen durch Fachplanung und Optimierung der Anlagentechnik, eine Verbesserung der Luftdichtigkeit durch Außenputz der Halle und eine Nachrüstung Wärmeschutz für Dach und Fassaden.

Umfangreiche Modernisierungen

Darüber hinaus müssten die Fenster ausgetauscht werden. »Aufgrund des empfohlenen Fensteraustausches sollte auch die Verklinkerung an den Nebenraumfassaden mit neuer Dämmung in WDVS oder Verklinkerung mit erhöhtem Dämmwert und hinterlüftet erneuert werden. Es sind Schäden durch Insekten durch die defekten Lüftungsgitter nicht auszuschließen. Der geforderte KfW-Wert sollte durch die beschriebenen Maßnahme erreichbar sein«. Bei den technischen Anlagen müsste die Wärmeübertragung zur Halle optimiert und Anlagen erneuert werden. An Schadstoffen wurden Asbestzementplatten an der Hallenfassade und an Dachränder-Blenden und auch quecksilberhaltige Leuchtstoffröhren festgestellt. Bei der empfohlenen Kernsanierung sind Demontage, Rückbau und Erneuerung aller Innen- und Außenbauteile bis auf die tragende Konstruktion, Verbesserung des Wärmeschutzes und energetische Sanierung, Erneuerung der Zuschauertribüne mit erhöhter Kapazität und der technischen Anlagen vorgesehen.

Bei einem Abbruch und Neubau sei ein Neubau auf der vorhandenen Parkplatzfläche nicht realistisch. »Es wäre hierzu ein neuer Standort zu suchen. Zum Kostenvergleich als Kostenrahmen wurde eine fiktive Grundfläche für einen möglichen Neubau von 2500 Quadratmetern zugrunde gelegt, ohne neu Gymnastikhalle. Eine gewünschte Unterkellerung halten wir für dieses Bauvorhaben nicht darstellbar. Eine Weiterplanung im Rahmen eines Vorentwurfes ist für eine Detaillierung der Kosten unabdingbar«.

Die Stadt will sich nun mit dieser Maßnahme für das Bundesprogramm »Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur (SJK) hier: Billigung der Teilnahme am Interessenbekundungsverfahren für die Sanierung/Erweiterung der Stadthalle Linden« bewerben, welches einen maximalen Zuschuss von 45 Prozent ermöglicht. Allerdings sollte bis zur Einreichung auch mit den Nutzern der Halle, Vereinen und Schulen gesprochen werden, könnten diese doch bis zu 18 Monate lang die Halle nicht nutzen.

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